The Plectones (v.l.) mit Daniel Ehrenreich, Daniel Adiek, Dirk Rasmußen, Thomas Siewert, Kai Fiebig, Markus Malchow sehnen im Song Variety das Ende der Coronakrise herbei. © Christian Püls
Musiker im Lockdown

Vier Bands, vier Videos, vier Wege mit dem Lockdown umzugehen

Seit Monaten sind die Musikbühnen geschlossen. Insbesondere Nicht-Berufsmusiker stellt das vor Herausforderungen, mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben. Sie beschreiten verschiedene Wege.

Für viele Musiker ist die Corona-Zeit besonders hart. Auch für jene, die nicht von ihrer Kunst leben, sondern für die Momente auf der Bühne. Vier Castrop-Rauxeler Bands beschreiten mit vier Videos vier verschiedene Wege, mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben.

Die Ska-Band The Plectones brachte im April die neue Single „Variety“ heraus. Dabei geht es um die Eintönigkeit zu Hause im Lockdown und die Sehnsucht nach Abwechslung. „Alles ist geschlossen, alles schon zweimal gemacht worden, kurz langweilig“, erklärt Sänger Kai Fiebig.

„Das Video zeigt uns jeweils zu Hause in Probe-Situationen, die natürlich gestellt sind, aber absichtlich gelangweilt und eintönig aussehen sollen.“

Am Ende des Songs träumt die Band davon, wie es werden könnte, wenn die Coronakrise vorüber ist. Die Musik-Aufnahmen zur Single entstanden in Zweiergruppen oder im Homerecording.

Dave Cybis und Denis Böhm 2013 mit ihrer Band Blackout Area beim Save The Plante Open Air. Derzeit versuchen es die beiden auf eigenen Pfaden als Rap-Crew „Kingz auf der Stage” und waren bei einem Sofa-Konzert-Livestream zu sehen. © Christian Püls © Christian Püls

Dave Cybis und Denis Böhm kennt die Castrop-Rauxeler Musikszene als Frontmänner der Crossover-Formation „Blackout Area“. Das Quintett wollte 2020 eigentlich ihren zehnten Band-Geburtstag auf der Bühne feiern. Doch die Coronapandemie verdarb alle Partypläne.

Dave und Denis sind derzeit unter den Namen Doc und Jay als Rap-Crew „Kingz auf der Stage“ aktiv, unterstützt von Gap, alias Dustin Lukat. Die drei Hip-Hop-Künstler streamten kürzlich via Youtube ein Sofa-Konzert aus dem Sparkassen-Clubraum – ohne Publikum vor Ort. „Alle Beteiligten wurden vor Beginn der Veranstaltung negativ auf Corona getestet“, erscheint als Laufband im Videostream. Das gilt auch für die beiden Moderatorinnen von Joe e.V. (Jugend in Oer-Erkenschwick).

„Denis und ich haben vor 20 fast Jahren als Rap-Crew begonnen“, erklärt Cybis. „Da wir derzeit wegen Corona nicht mit Blackout Area proben können, unternehmen wir einen Ausflug zum Ursprung unserer Musik. Als Battle-Rap-Trio wollen sie demnächst ein Album aufnehmen. Das sei aber eher ein Nebenprojekt. Blackout Area warte nur darauf, dass es wieder los gehen kann.

Rise of Nebula haben bereits im September 2020 Videomaterial vorproduziert. Nach und nach wird es nun veröffentlicht. © Christian Püls © Christian Püls

Die Band Rise of Nebula (Metalcore/Crossover) versucht es derweil mit Humor – und spielt Zuschauern Streiche (Pranks). Per Internetdienst Omegle (eine Website, die Nutzer mit einem zufälligen, anonymen Chatpartner verbindet) überraschen sie Zuschauer. Zunächst sind nur Shouter René Brauer und Gitarrist Lukas van Eik, der ein paar Töne spielt, vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen. Dann teilt sich der Vorhang plötzlich, dahinter wird die komplette Band im Proberaum sichtbar und spielt einen Song. Ungläubige Minen bei zwei Zuschauern, die dann in Begeisterung übergehen.

„Das sind Aufzeichnungen vom letzten Jahr, wir haben eine Menge Kram vorproduziert“, sagt Brauer unserer Redaktion. So auch die Aufnahmen für diesen Video-Prank und weitere, die noch veröffentlicht werden sollen. In einem kurzen Zeitfenster im September 2020 waren unter strengen Auflagen sogar Konzerte erlaubt, wie beim Corenival in Oberhausen.

Einen professionellen Videodreh absolvierten A Thousand Suns. In gewohnter Manier veröffentlichen ihre Singles mit einem stimmungsvollen Musikvideo. © Christian Püls © Christian Püls

Dort standen auch A Thousand Suns auf der Bühne. Die Metalcore-Band meldet sich nun mit ihrem neuen Video zurück. „Lost in the tides“ heißt der neue Song. Die Musik-Aufnahmen entstanden bei Gitarrist Marius Mücke im Home-Studio in Einzel-Sessions.

Auch bei den Videoaufnahmen unter den Dachstuhl der Proberäume an der Wartburgstraße waren immer nur zwei Musiker anwesend. Einer vor und einer hinter der Kamera. „Das haben wir auf mehrere Drehtage verteilt, also alles ganz Coronakonform“, so Mücke.

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Redaktion und Sportredaktion Castrop-Rauxel
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