Von Waldbühne bis Erin-Park: Fast alle Open-Air-Festivals fallen aus

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Magere Zeiten für Musikfans. Fast alle Open-Air-Festivals fallen in der Corona-Krise aus. Einige sind abgesagt, andere (noch) nicht. Mit Rock unterm Förderturm könnte sogar Schluss für immer sein.

Castrop-Rauxel

, 07.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Musik unter freiem Himmel, dazu ein Bier und eine Bratwurst: Open-Air-Festivals gehören irgendwie zum Sommer dazu. Doch das Coronavirus hat auch diesen Lebensbereich fest im Griff. In Castrop-Rauxel finden 2020 wohl keine statt.

Rock auf der Tenne in Becklem sollte eigentlich die Open-Air-Saison einläuten. Am 6. Juni sollte das kleine, aber feine Festival steigen. Die Castrop-Rauxeler Band Blackout Area und die Bochumer Formation Scofflaw hatten sich bereits angekündigt. Doch nun bleiben die Lautsprecher stumm. Rock auf der Tenne ist abgesagt.

„2021 geht es weiter“

„Ich sehe keinen Weg, das Ganze verantwortungsvoll durchzuziehen“, sagt Mit-Organisator Frank Buchhold. „Das ist ärgerlich, aber unvermeidlich.“ Weder gesundheitlich noch finanziell könne er das Risiko eingehen. 2019 hatte sich Rock auf der Tenne eine Pause gegönnt. „2021 geht es weiter“, verspricht Buchhold aber.

Die Band Headdhrinker trat beim Save the Planet 2019 als Headliner auf. Dieses Jahr fällt das Festival auf der Waldbühne wohl aus.

Die Band Headdhrinker trat beim Save the Planet 2019 als Headliner auf. Dieses Jahr fällt das Festival auf der Waldbühne wohl aus. © Christian Püls

Save the Planet ist ebenfalls abgesagt. Eigentlich sollte das Festival am 22. August über die Waldbühne gehen. „Wir hatten uns in diesem Jahr

aufgrund der frühen Sommerferien auf ein Open-Air im August

gefreut. Viele Kontakte waren schon geknüpft“, erklärt Mitorganisator Robin Rick, „aber nun macht uns Corona einen Strich durch die Planung.“

Zu viele Unwägbarkeiten

Zu lang die Liste von offenen Fragen und Unwägbarkeiten, so die Macher: Wird die Abstandsregel dann noch gelten? Auch für die Musiker auf der Bühne?

Einen Ersatztermin für das Festival wird es wohl nicht geben. „Ich kann mir nicht

vorstellen, dass es in diesem Jahr noch stattfinden kann“, sagt Mitorganisator Frank Ronge. „So kurzfristig wird man nicht alle Bands, die beteiligten Vereine und

Verbände und die vielen Helfer terminlich unter einen Hut bekommen. Ich denke, wir verschieben es auf das nächste Jahr.“

Fans beim Steel-meets-Steel an der Waldbühne. Die Organisatoren wollen Ende Mai darüber beraten, ob das Festival stattfinden kann.

Fans beim Steel-meets-Steel an der Waldbühne. Die Organisatoren wollen Ende Mai darüber beraten, ob das Festival stattfinden kann. © Christian Püls

Das Steel-meets-Steel lockt jährlich mehrere hundert Metalfans an die Waldbühne. Diesmal ist ungewiss, ob sie unter Gitarrenriffs erbebt. Die Macher halten sich aber alle Optionen offen. „Wir wollen uns Ende Mai noch mal beraten“ sagt Mit-Organisator Kai Overkamp, „wir machen ja fast alles selbst beim Festival und sind daher deutlich flexibler.“ Auch was den Termin angeht. Normalerweise findet das Steel-meets-Steel eine Woche nach dem Wacken Open Air statt. Das wäre in diesem Jahr der 8. August.

Rock unterm Förderturm findet 2020 nicht statt. Wieder nicht, wie schon 2019. „Wir werden das in diesem Jahr nicht machen, die Lage ist einfach zu unsicher“, sagt Lisa Kapteinat, Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Castrop-Rauxel und NRW-Landtagsabgeordnete. „Vielleicht werden wir uns auf politischen Veranstaltungen konzentrieren.“

Zukunft ungewiss

Bereits 2019 war die Veranstaltung ins Wasser gefallen, damals kurzfristig wegen des verregneten und kalten Septembers. Der Termin für Rock unterm Förderturm ist normalerweise das dritte Septemberwochenende. Das fällt in diesem Jahr auf den 19. und 20. September.

Die Zukunft von Rock unterm Förderturm ist komplett ungewiss. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Veranstaltung 2018 letztmalig stattfand, also bereits Geschichte ist. „Möglich ist alles, es wird sich zeigen, wie es sich entwickelt“, so Kapteinat. Das Festival war einst mit kleinen Bands gestartet, setzte in den letzten Jahren allerdings auf Castrop-Rauxeler Zugpferde wie Seven Cent.

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