Früher galten Zigarettenautomaten an jeder Ecke als hilfreich. Heute ist das offensichtlich anders: Weil die Vonovia vor Wohnungen zulässt, neue Automaten aufzustellen, gibt es jetzt Ärger.

Castrop-Rauxel

, 08.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unsere Redaktion erreichte jetzt eine Zuschrift von der Adresse Am Kärling 72. Siegfried Hellig verfasste ein Schreiben für die Hausgemeinschaft, unterschrieben von vielen weiteren Bewohnern.

Hellig habe in den vergangenen Tagen über einen Nachbarn per Gartenzaun-Zuruf erfahren, dass Vonovia einen Zigarettenautomaten aufstellen wolle. „Ich glaubte, nicht richtig gehört zu haben, und lief zur Straße. Dort sah ich einen 1,80 Meter hohen Metallpfahl, der 45 Zentimeter vom Nachbargrundstück entfernt steht.“

„Weder gefragt noch informiert“

Ein Mitarbeiter der Vonovia habe ihm bestätigt, dass hier ein Zigarettenautomat aufgestellt würde. Er als Mieter wurde ebenso wie andere Mieter weder gefragt noch informiert.

„Ich war sprachlos, wie Vonovia hier über die Köpfe von uns Mietern hinweg Entscheidungen trifft – gegen unseren Willen“, so Hellig. Das bestätigt er mit einem Schreiben an die Vonovia, auf dem drei Mitbewohner unterschrieben haben. „Haben wir bei einem in der Gesellschaft umstrittenen Thema wie das Rauchen kein Mitspracherecht?“, fragen die sich. Vonovia entscheide nach Gutsherrenart.

Ärger auch an der Grillostraße

Hellig und seine Nachbarn sind nicht allein: Auch Onur K., Mieter bei der Vonovia, beschwerte sich Anfang August über einen neu aufgestellten Zigarettenautomaten in der Siedlung Mulvanystraße / Grillostraße. Dieser stehe in direkter Nähe zu einem Spielplatz.

Vonovia-Mieter in Castrop-Rauxel regen sich über neue Zigarettenautomaten auf

Der Automat ist ca. 70 Meter vom Spielplatz entfernt – aber das ist die Luftlinie. Tatsächlich ist der Automat vom Spielplatz aber definitiv nicht zu sehen. © Google

Wir befragten die Immobiliengesellschaft, die in Castrop-Rauxel Hunderte Wohnungen vermietet. Ergebnis ist eine lange Auskunft der Pressestelle. „Bisher haben wir nur selten Beschwerden wegen Zigarettenautomaten erhalten“, so Pressesprecherin Bettina Benner. Diese habe man alle einvernehmlich regeln können: teils durch Versetzen des Automaten oder in Einzelfällen durch einen endgültigen Abbau.

Nach diesen Kriterien geht Vonovia vor

Der Automat, auf den Onur K. hingewiesen habe, sei Luftlinie 70 Meter vom Spielplatz entfernt. Dazwischen stünden Bäume und Sträucher. Der Weg zum Spielplatz führe nicht am Automaten vorbei.

Grundsätzlich schließe man mit Dienstleistern Rahmenverträge ab. Im Einzelfall prüfe man dann deren Anfragen, die alle nach den gesetzlichen und behördlichen Regelungen geprüft würden:

  • Der Kooperationspartner, die Firma Tobaccoland, muss einen Mindestabstand von fünf Metern zum Gebäude einhalten.
  • Es darf keine Sichtbehinderung in Einfahrten entstehen.
  • Schulen und Spielplätze dürfen nicht in der Nähe sein.
  • An den Automaten muss man sein Alter (18 Jahre) mit der EC-Karte nachweisen.

Bei der Standortwahl versuche man, die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen. „Als Grundstückseigentümer sind wir berechtigt, derartige Veränderungen am Objekt durchzuführen, solange die Wohnqualität nicht im erheblichen Maß beeinträchtigt wird“, sagt Bettina Benner von Vonovia.

Hellig und Nachbarn fordern Abbau des Automaten

Wie hoch ist dieses Maß? Die Mieter um Siegfried Hellig verlangen im Schreiben, dass die Aufstellung des Automaten wieder zurückgenommen wird. „Wir wollen nachts keinen Lärm von möglicherweise Betrunkenen, die von verschiedenen Veranstaltungen aus dem Agora Kulturzentrum kommen, vor unserem Haus“, so Hellig.

Er weist darauf hin, dass sich 200 Meter weiter schon ein Zigarettenautomat befinde. „Ein weiterer erscheint hier in der Nähe völlig unangebracht“, so der Ickerner.

Wie viel Geld verdient Vonovia damit?

Dass die Vonovia an der Aufstellung der Automaten Geld verdient, ist klar. Auch für Werbetafeln, Packstationen und Solaranlagen hat man Kooperationspartner. Auf Anfrage unserer Redaktion, was die Bochumer Firma an einem Zigarettenautomaten verdient, machte Benner keine Angaben.

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