Vorgezogene Ferien wegen Corona? Eltern finden: „Nur Augenwischerei“

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Es gibt viele Ideen für einen sicheren Schulunterricht. Frühere Weihnachtsferien ist eine davon. In Castrop-Rauxel wartet man auf Vorgaben von Bund und Land. Eltern sehen die Pläne kritisch.

Castrop-Rauxel

, 17.11.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Häppchenweise sind in der vergangenen Woche Ankündigungen des Landes gekommen, wie der Schulunterricht sicherer und die allgemeine Coronalage entschärft werden kann. Das Land NRW kündigte an, dass die Weihnachtsferien vorgezogen und schon der 18. Dezember der letzte Schultag sein soll. Wenig später sandte Schulministerin Yvonne Gebauer Signale aus, dass auch die Rückkehr zum (teilweisen) Distanzunterricht nicht mehr ausgeschlossen sei.

In Castrop-Rauxel sehen viele Schulleiter die Schule nicht als Infektionsherd. Vielmehr würden Fälle aus den Familien in die Schule hineingetragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht das anders. Sie möchte offenbar schärfere Regeln an den Schulen durchsetzen.

Maskenpflicht für alle Schüler und halbierte Klassen sind zwei Stichwörter. Doch von den Ministerpräsidenten kam am Montag Gegenwind. Pläne, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich weiter reduziert werden können, sollen die Länder nun offenbar erst in der kommenden Woche vorstellen.

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Bei der Stadt Castrop-Rauxel verfolgt man diese Entwicklung genau. Zu Möglichkeiten des „hybriden Unterrichts“ habe es erste interne Gespräche gegeben, so Pressesprecherin Uta Stevens auf Anfrage. „Jedoch warten wir die Ergebnisse der Bund/Länder-Beratung ab.“ Auch für die NRW-Lösung der früheren Weihnachtsferien gibt es vom Ministerium noch keine klaren Vorgaben.

Elternvertreter finden vorgezogene Ferien überwiegend nicht gut

Frühere Weihnachtsferien – das klingt auf den ersten Blick nach einer einfachen Lösung. Doch lassen sich so Ansteckungen wirklich vermeiden? Können Eltern die Betreuung problemlos lösen? Oder gäbe es andere, bessere Lösungen: Dazu haben sich auf unsere Anfrage hin die vier Elternvertreter am Ernst-Barlach-Gymnasium, Martina Barg und ihre Stellvertreter Randolph Sterne, Ekaterina Hellfaier, Ulrike Gloger, Gedanken gemacht.

Nur einer der vier Elternvertreter findet, dass der Vorteil des längeren zeitlichen Abstands des Kindes zu den Mitschülern die Nachteile bei Beaufsichtigung und Klausurenstress überwiege. Man könne so in „Quasi-Quarantäne“ gehen und unbeschwerter Weihnachten mit Eltern und Großeltern feiern.

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Bei den Gegnern der frühen Ferien wird vor allem die Betreuung der Kinder an den beiden Tagen angeführt. „Durch den ersten Lockdown musste schon improvisiert werden und nun wieder. Denn nicht jeder kann einfach bei seinem Arbeitgeber ein paar Tage eher Urlaub nehmen oder hat noch Resturlaubstage“, sagt beispielsweise Ekaterina Hellfaier. Ob sich vor allem ältere Schüler freiwillig zu Hause aufhalten, auch das bezweifeln einige der Elternvertreter.

Ministerium soll für bessere Organisation des Homeschooling sorgen

Und noch ein Aspekt wird genannt: Wenn man für die Betreuung jemanden zu sich nach Hause holen müsse, kämen wieder neue Kontaktpersonen dazu. Das wäre nicht im Sinne des Ziels sinkender Infektionszahlen. Auch die Ferientage, die 2021 im Gegenzug gestrichen werden sollen – da sind Rosenmontag und Karnevalsdienstag im Gespräch – könnten bei Familien, die schon Ferien geplant hätten, Probleme machen.

Auch der Unterrichtsausfall wird angeführt. Vor allem die Q2, also die angehenden Abiturienten hat Ulrike Gloger hier im Blick. Ihnen fehle sowieso schon viel Unterrichtszeit.

Martina Barg kritisiert das Land: „Vorgezogene Weihnachtsferien dienen nur der Augenwischerei, dass das Ministerium etwas tut. Es ist wie immer, das Ministerium trifft eine Anweisung, die ihm selbst keine Arbeit macht. Anstatt dafür zu sorgen, dass es eine Lösung gibt, die spontanes Reagieren möglich macht.“ Damit gemeint ist „die Organisation von Homeschooling und die Ausstattung der Schulen mit Material, die Fortbildung von Lehrern, die Erstellung von Tutorials für Lehreinheiten anhand von Curricula“.

Distanzunterricht auf Zeit, das ist auch für sie und andere Elternvertreter eine gute Lösung, zumal das EBG mit der neuen Schullernplattform gut vorbereitet sei. Man habe viel aus dem ersten Lockdown gelernt, das könne man doch nutzen, anstatt Ferien zu machen, so ein Argument von Martina Barg.

Wechselunterricht ist eine Idee, die manche Eltern gut finden

Es gibt noch mehr Vorschläge. Dazu zählt auch der Wechselunterricht, bei dem die Klassen geteilt und abwechselnd wochenweise in die Schule kommen, sodass auch in der Schule Abstand gehalten werden kann. Dazu müsse allerdings der Unterricht – auch digital – gut vorbereitet sein.

Noch etwas sprechen die Eltern an: „Volle Schulbusse und Bushaltestellen sind absolut nicht tragbar. So ist es aber im Moment“, sagt Martina Barg. Das zu ändern, ist auf jeden Fall kein leichtes Problem. Gestaffelter Unterricht ist aus organisatorischen Gründen sowieso schon schwierig. In der Sekundarstufe II wären die Schwierigkeiten wegen der Kooperationen mit anderen weiterführenden Schulen noch größer.

Insgesamt gibt es also mehr „Baustellen“ als das Ferienthema. Martina Barg hat auch hier Kritik: „Wir finden es alle sehr respektlos, wie das Ministerium seine Informationen weitergibt. Unsere Schule erfährt durch die Medien, welche ,Überlegungen‘ und ,Entscheidungen‘ es gibt. Bis heute gibt es zum Thema ,Vorgezogene Weihnachtsferien‘ keinen Erlass oder Mitteilung an die Schule. Das wird aber benötigt, um die Planungen vor Ort beginnen zu lassen.“

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