War der Bus schon vor der Abfahrt defekt? Augenzeugen wollen Öl-Lache bemerkt haben

hzBus-Brand auf der A2

Hätte der Bus mit den Kindern aus Herten überhaupt losfahren dürfen? Diese Frage steht im Raum nach dem Brand auf der A2. Es gibt verdächtige Beobachtungen, die Zweifel daran zulassen.

von Daniel Maiß und Tobias Weckenbrock

Henrichenburg

, 27.06.2019, 09:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wrack des auf der Autobahn A2 am Montag komplett ausgebrannten Reisebusses wird bei der Polizei weiterhin untersucht. Die Brandermittler werden seit Mittwoch von externen Sachverständigen unterstützt. Nach Aussage der Polizei am Mittwoch kann sich die Ermittlung der Brandursache noch um einige Tage hinauszögern. Denn es gibt einen pikanten Verdacht.

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Der Bus war in der Nähe der Anschlussstelle Henrichenburg in Brand geraten. 65 Fünftklässler der Erich-Klausener-Realschule aus Herten, zwei Lehrer und der Busfahrer konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen.

Mehrere Eltern sollen Lache bemerkt haben

Seit Montag steht die Vermutung im Raum, der Bus habe möglicherweise schon vor der Abfahrt einen Schaden gehabt: Wie Thomas May, Vater eines Schülers und Klassenpflegschaftsvorsitzender, der „Hertener Allgemeine“ berichtete, hätten nach der Abfahrt mehrere Eltern eine Lache unter dem Bus bemerkt. „Wir haben sofort der Lehrerin im Bus per Handy eine Nachricht geschickt und ihr davon berichtet“, sagte May. „In der Lache waren definitiv Öl-Spuren“, sagte er. Seine Beobachtungen teilte er am Montag auch der Polizei mit.

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Nach Rücksprache mit dem Busunternehmen habe der Fahrer noch vor der Auffahrt zur A2 angehalten und sein Fahrzeug kontrolliert. „Er sagte aber, dass alles in Ordnung und die Weiterfahrt kein Problem sei“, berichtete der Klassenpflegschaftsvorsitzende der „Hertener Allgemeine“.

Das sagt der Geschäftsführer jetzt

Auf Anfrage unserer Redaktion sagte am Mittwoch Geschäftsführer Erik Frecker, der seit Herbst 2017 auch Chef des Castrop-Rauxeler Unternehmens Wullhorst ist: „Ausgelaufen ist nach Aussage des Fahrers Kondenswasser aus der Klimaanlage, wie das bei vielen anderen Fahrzeugen auch vorkommt.“

Laut Frecker waren Ermittler der Polizei in den vergangenen Tagen an der Schule, um das zu prüfen. Da es sich um einen Haltestellenbereich handele, seien durchaus Flecken auf der Straße gewesen. „Aber ein frischer Fleck konnte nicht festgestellt werden“, so Frecker. Die Polizei will sich erst nach Abschluss der Ermittlungen äußern.

Bus hatte fast eine Million Kilometer auf dem Tacho

Der Reisebus, der seit 2002 auf der Straße ist und 992.000 Kilometer auf der Uhr hatte, gehe alle drei Monate in eine Sicherheitsüberprüfung - so wie jeder andere Reisebus in Deutschland. Die letzte war am 27. Mai. Alles sei belegt durch das Prüfbuch, das für Nutzfahrzeuge vorgeschrieben ist. Einmal im Jahr erhält der Kreis Recklinghausen dieses Buch zur Prüfung. Busse mit solch hohen Fahrleistungen seien übrigens keine Seltenheit, so Frecker.

Der Fahrer sei zudem sehr erfahren: „Er fährt seit 1999 für uns“, so Erik Frecker. Er habe am Ort des Geschehens super reagiert: „Er hat nach dem Hinweis des Autofahrers sofort angehalten, die Lehrer und die Kinder aufgefordert, sofort auszusteigen. Dann hat er sie hinter die Leitplanke begleitet, ist zurück in den Bus, hat einen Feuerlöscher aus der ersten Sitzreihe genommen, ist außen nach hinten gegangen und hat den Feuerlöscher in einer Klappe, aus der der Rauch aufstieg, entleert“, so Frecker. „Danach hat er direkt den zweiten Feuerlöscher genommen und diesen auch komplett entleert. Direkt danach kam zum Glück schon die Feuerwehr.“

„Ich bin froh, dass keine alten Menschen im Bus saßen“

Erik Frecker selbst war kurz nach dem Unglück am Brandort. Er habe geholfen, wo er konnte, und sagt jetzt: „Ich bin froh, dass keine alten Menschen im Bus saßen. Nach drei, vier Minuten waren sie alle draußen.“ Nur der Bus war nicht zu retten.

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