Mehrere Handyverträge hat eine 47-jährige Castrop-Rauxelerin unter fremdem Namen abgeschlossen. © unsplash
Gericht

Ware auf Kosten anderer bestellt: Castrop-Rauxelerin muss Konsequenzen tragen

Eine Castrop-Rauxelerin hat eine gestohlene Identität missbraucht, um sich zu bereichern. Die privaten Recherchen eines Opfers brachten die üblen Machenschaften ans Licht.

Trickreich war im Spätherbst 2020 eine gestohlene Identität genutzt worden, um an Geld zu kommen. Vier Handyverträge wurden abgeschlossen, Smartwatches und Tablets wurden unter falschem Namen ergaunert. Dann stellte sich heraus, dass der Dieb der Daten auch noch großen Durst gehabt haben muss.

Die Identität gehörte einem 25-jährigen Lokomotivführer, der den Betrug erst bemerkte, als auf seinem Konto fremde Belastungen auftauchten. Kurz zuvor hatte er sein Portemonnaie verloren, und damit neben Bargeld auch eine Girocard, den Führerschein und einen vorläufigen Personalausweis.

Name prangte auf fremdem Klingelschild

Seinen privaten Recherchen ist die heiße Spur zu verdanken, die letztlich zum Prozess vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel führte. Nachdem der Bestohlene von einem der Mobilfunkanbieter die Daten der Bestellung erfahren hatte, suchte er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die genannte Adresse in Castrop-Rauxel auf.

Auf einer der Klingeln des Mehrparteienhauses prangte sein Name, handschriftlich auf einem Klebestreifen. Aber auch die anderen Namen waren interessant, fand sich darunter doch auch jener, mit dem eine der Sendungen in einem nahegelegenen Paketshop abgeholt worden war.

Die Trägerin dieses Namens, eine 47-Jährige, saß bereits vor drei Wochen zum ersten Mal auf der Anklagebank des Amtsgerichtes. Die Inhaberin des Paketshops hatte das Procedere erklärt: Holt ein Bevollmächtigter die Ware ab, muss er sich per Ausweis legitimieren. Und das war die Angeklagte. Die wies alle Schuld von sich, verdächtige andere Bewohner des Hauses.

Als die Partnerin des Bestohlenen im Zeugenstand auf eine weitere, dem Gericht bis dato unbekannte Merkwürdigkeit hinwies, nahm der Prozess eine Wendung. Denn die gestohlene Identität tauchte auch an einer anderen Anschrift auf. Dorthin hatte der Getränkelieferdienst Flaschenpost eine Kiste Cola und fünf Flaschen Wodka geliefert, aber kein Geld gesehen.

Keine Bewährung

Doch die Zeugen, deren Namen vom Lieferanten genannt wurden, hatten davon keinen Tropfen getrunken, gaben sich verwundert. Dann fiel einem 27-Jährigen ein, dass er zur fraglichen Zeit einen Kumpel hat bei sich wohnen lassen, bis er ihn nach rund zwei Wochen an die Luft gesetzt hatte. Dessen Name war dem Richter nicht unbekannt. Er war nun sicher, dass die Angeklagte die falsche Identität im Freundeskreis weitergereicht hatte.

Die 47-Jährige, die neben den Betrugsdelikten auch noch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt war, wurde zu einer Haftstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt. „Alle Indizien sprechen gegen Sie“, sagte der Richter, ihre Ausflüchte seien absurd. Lediglich die Flaschenpost-Angelegenheit gehe wohl nicht auf ihr Konto.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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