Warum die evangelischen Gemeinden noch auf Gottesdienste verzichten

hzOffener Brief

Der Evangelische Kirchenkreis hat die Bedingungen bekannt gegeben, unter denen in den Kirchen wieder Gottesdienste stattfinden können. Die Pastöre in Castrop-Rauxel trauten sich das nicht zu.

Castrop-Rauxel

, 03.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Anfang Mai dürfen eigentlich wieder Gottesdienste in den Kirchen gefeiert werden. Bei aller Freude über diese Möglichkeit gilt für Superintendent Reiner Rimkus aber: „Es geht nicht darum, nun besonders schnell wieder Gottesdienst zu feiern, sondern besonders sicher.“

Damit das so sein kann, hat Annette Kurschus, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, in Zusammenarbeit mit den Superintendenten und in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut ein Schutzkonzept entwickelt. Die Abstände sind dabei noch das Geringste.

Beim Betreten und Verlassen der Kirche gibt es ein „Einbahnstraßensystem“. Sitzplätze in den Bänken werden markiert, Einzelplätze ebenso wie solche für Menschen, die in einem Haushalt leben, damit sie zusammensitzen können. Besucher müssen sich die Hände desinfizieren.

Anwesenheitslisten erforderlich

Es werden Anwesenheitslisten (Name, Anschrift und Telefonnummer) geführt, damit im Fall der Fälle Infektionsketten nachverfolgt werden können. Während des Gottesdienstes ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Besucher sollten eine Schutzmaske mitbringen, die Gemeinden sind aber verpflichtet, Schutzmasken vorzuhalten. Pfarrer müssen keine Schutzmaske tragen, da sie weit genug vor der Gemeinde agieren.

Gesang der Gemeinde wird es aufgrund der Spuck-Gefahr nicht geben. Auf die Feier des Abendmahls wird verzichtet. Menschen aus den Risikogruppen wird von einer Teilnahme der Gottesdienste abgeraten.

Kirchengemeinden müssen in einem Schutzkonzept, das dem Superintendent vorzulegen ist, nachweisen, dass alle Maßnahmen umgesetzt werden. „Weil die Organisation der Umsetzung Zeit und Sorgfalt erfordert, ist mit einem Start nicht vor dem 10. Mai zu rechnen“, heißt es vom Kirchenkreis.

Gemeinsame Regelung aller Gemeinden

Eine Menge Auflagen. Zu viel für die Pfarrer der drei evangelischen Kirchengemeinden in Castrop-Rauxel. Sie haben sich auf eine gemeinsame Sprachregelung geeinigt und starten noch nicht wieder. In einem offenen Schreiben heißt es, dass sie warten und den Presbyterien Zeit geben, das vernünftig vorzubereiten.

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„Das bedeutet nicht, dass wir die Sehnsucht vieler Gemeindeglieder gering schätzen“, so die Pfarrer. „Wir wollen auch nicht den Stimmen Recht geben, die es u.E. an Einfühlungsvermögen für die Bedeutung des Gottesdienstes für praktizierende Christen und Gläubige anderer Religionsgemeinschaft fehlen lassen. Wir sehen aber auch: Es gibt viele Vereinen und Organisationen, die gerne in ähnlicher Weise Versammlungen anbieten würden und denen es noch nicht wieder erlaubt ist. Es gibt viele, die durch das Verbot von Veranstaltungen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen.“

Wenn es um gottesdienstliche Feiern gehe, dann „ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass Trauerfeiern in einem würdigen Rahmen für möglichst viele Angehörige stattfinden können.“

Im Mai sollen Pläne gemacht werden

Im Laufe des Monats Mai werden die Gemeinden eine gemeinsame Information herausgeben, in welcher Kirche zu welchen Zeiten wieder Gottesdienste oder Wochenandachten besucht werden können, und welche Auflagen zu beachten sind.

Weiterhin werde es mindestens bis dahin Gottesdienste online geben, man werde für alle da sein, denen die Zeit der Kontaktsperre Not bereitet. Kirchen seien zum Gebet und zur Seelsorge offen. Über Gemeindebriefe und geschriebene Andachten gebe man tröstende Impulse. Über Telefon und soziale Medien halte man persönlichen Kontakt. Es gebe spezielle Online-Angebote für Kinder und Jugendliche.

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