Warum die Stadt einem Anwohner diesen gepflegten Mülltonnen-Verschlag verbietet

hzFunkestraße

Es gibt Ärger in einer alten Bergarbeitersiedlung auf Schwerin. Ein Anwohner muss den Standort seiner Mülltonnen zurückbauen. Dabei ist er top gepflegt. Würde er sonst zum Präzedenzfall?

Schwerin

, 11.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Schuss ging gewaltig nach hinten los. In der alten Bergarbeitersiedlung an Funke- und Grimbergstraße gärt dicker Ärger. Es geht um Mülltonnen, um Telefonate und Mailverkehr mit der Stadt, einen neu gepflanzten Baum, um die Pflege von Vorgärten und alte Geschichten. Aber der Reihe nach.

Nichtsahnend, was sich aus einer Anfrage bei der Stadt würde entwickeln können, erkundigte sich die Tochter von Peter Biletzke im August 2018, ob sie und ihre Familie die kleine Grünfläche direkt vor der Einfahrt zum Haus Funkestraße 11 entfernen könnten. Weil sie sonst keine Möglichkeit mehr hätten, um auf die in ihrem Garten angelegten Einstellplätze für drei Autos zu gelangen, denn der Nachbar wolle seinen Zaun erweitern. „Und wir hatten im Sinn, ein bisschen mehr Platz auf unserem kleinen Grundstück für meine drei Enkelkinder zu gewinnen“, sagt Peter Biletzke im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ich wollte, dass es vernünftig und gepflegt aussieht.“
Peter Biletzke

Erst einmal ja kein großes Drama, so eine Anfrage. Das Dilemma in diesem Fall aber: Es handelt sich bei dieser kleinen Grünfläche, ungefähr sechs Quadratmeter groß, um eine städtische Fläche. Just auf dieser Fläche – zu der noch eine Art Beet gehört, in dem früher auch mal ein Baum stand, den die Stadt fällen ließ – hatte Biletzke vor vielen Jahren selbst Hand angelegt: Er befestigte dort damals einen schmalen Streifen, um die acht Mülltonnen aus seinem Haushalt und dem seines Nachbarn aufzustellen. Mit einem kleinen Holzzaun versehen und wegen der Optik und des grünen Umfelds mit Kirschlorbeer bepflanzt. „Ich wollte, dass es vernünftig und gepflegt aussieht“, erklärt Biletzke.

Dazu muss man wissen, dass die Vorgärten in diesem Siedlungsbereich alle im städtischen Besitz sind. Die Kanten der Wohnhäuser bilden die Grenze des privaten Besitzes. Gleichwohl pflegen die Hauseigentümer die Vorgärten selbst.

Auf der „Zufahrt“ steht eine genehmigte Garage

Die Antwort der Stadt ließ nicht lange auf sich warten: Die Biletzkes wurden aufgefordert, den Mülltonnen-Standort zurückzubauen. Und Anfang Dezember setzte die Stadt einen neuen Baum in die kleine Insel. Man teilte der Familie mit, dass ihr Haus an der Grimbergstraße 43 über eine fünf Meter breite Zufahrt zu ihrem Grundstück verfüge. Problem aber: Da steht seit vielen Jahren eine Garage, so genehmigt von der Stadt.

Warum die Stadt einem Anwohner diesen gepflegten Mülltonnen-Verschlag verbietet

Zur besseren Orientierung: So sieht der Mülltonnen-Standort (Bildmitte) auf einem Satellitenbild aus © Stadt

„Wir haben angeboten, das kleine städtische Inselchen zu kaufen“, sagt Peter Biletzke. Aber auch das war keine gangbare Lösung für die Verwaltung. Denn die Stadt teilte mit, dass bestehende Grünflächen nicht ohne zwingenden Grund aufgegeben würden. Sie seien Teil eines mit Landesmitteln geförderten Gesamtkonzepts.

Dazu muss man wissen, dass es in dieser Siedlung 1991 eine sogenannte Wohnumfeldverbesserung (WUV) gegeben hat. Die Straße wurde neu gepflastert, es wurden Pflanzinseln angelegt und Bäume gepflanzt. Bäume, die vor 15 Jahren die Siedler der Siedlergemeinschaft Alt-Schwerin schon mal auf die Palme brachten, weil sich dort die wollige Napfschildlaus ausbreitete. Und dafür sorgte (und das auch immer noch tut), dass sich in regelmäßigen Abständen ein feiner gelber Staub über die Autos ausbreitet und die Fensterscheiben auch der Häuser verklebt. Ein Versuch, diese Bäume gegen andere auszutauschen, scheiterte.

Warum die Stadt einem Anwohner diesen gepflegten Mülltonnen-Verschlag verbietet

Sieht ordentlich und gepflegt aus, ist auf auf städtischem Grund platziert: Um diesen Standort der Mülltonnen an der Funkestraße geht es. © Schlehenkamp

Aber zurück zur Familie Biletzke. „Was mich auch sauer macht, ist der Umstand, dass es keinen Ortstermin mit uns gegeben hat“, sagt Peter Biletzke. Es sei ihm schon klar, dass die Stadt hier keinen Präzedenzfall schaffen und ihm einfach eine Fläche überlassen könne. Aber all die Jahre habe sich niemand an den Mülltonnen gestört.

Bindefrist der Fördergelder als eine Begründung

Und nun? „Die Bindefrist wegen der öffentlichen Mittel läuft noch“, sagt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi. Wie lange, sagt die Stadt nicht. Fakt sei, dass Mülltonnen nicht auf städtischen Flächen abgestellt werden dürfen. Fristsetzungen zum Rückbau habe es im Oktober, November, Januar gegeben. Die Biletzkes müssten in den sauren Apfel beißen.

Peter Biletzke sagt: „Es ist und bleibt ärgerlich.“ Ein zweites grünes Inselchen vor ihrem Haus, ebenfalls im Besitz der Stadt, pflegt die Familie seit vielen Jahren. „Damit es hier schöner aussieht“, sagt der 63-Jährige.

Warum die Stadt einem Anwohner diesen gepflegten Mülltonnen-Verschlag verbietet

Die Funkestraße auf Schwerin wurde 1991 im Zuge der Wohnumfeldverbesserung umgebaut. © Pachurka

Lesen Sie jetzt