Warum in Castrop-Rauxel manche Medikamente knapp werden

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Medikamenten-Engpass: Einige Präparate sind in Castrop-Rauxel nicht immer erhältlich oder sogar ganz aus den Arzneimittelregalen verschwunden. Apotheker Claus Ehrensberger kennt die Gründe.

Castrop-Rauxel

, 18.09.2019, 16:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oftmals jahrelang gehen Patienten nach dem Arztbesuch in die Apotheke um die Ecke, geben ein Rezept ab und erhalten das ihnen gleichermaßen vertraute wie wirksame Medikament.

Doch gerade in der jüngeren Vergangenheit wartet manchmal eine unliebsame Überraschung: Die Arznei sei momentan nicht verfügbar, erläutert der Apotheker, die Kunden müssten sich mit einer Alternative begnügen. Im schlimmsten Fall erfahren die Patienten sogar, dass derzeit überhaupt kein Präparat dieser Rezeptur erhältlich sei. Diese Lieferengpässe betreffen auch Castrop-Rauxel - ohne dass die Apotheker eine Schuld daran träfe.

Alternative Medikamente

„Wenn ich den Kunden mitteile, ich könne ihnen nur ein Alternativ-Medikament geben, dann höre ich: ‚Ach, schon wieder eine andere Firma“, erzählt Claus Ehrensberger, Inhaber der Glückauf-Apotheke an der Dortmunder Straße und Castrop-Rauxels Apotheken-Sprecher.

„Dann muss ich sagen: Seien Sie froh, dass es das Medikament überhaupt gibt“, fährt der Apotheker, der Verständnis für die Reaktion der Kunden zeigt, fort: „Und das regt mich auf.“ Denn auch bei gleichen Inhaltsstoffen sei das gerade älteren Menschen, nur schwer zu vermitteln.

Arzneimittel-Notstand

Und dabei können Ehrensberger und seine Kollegen gar nichts für die prekäre Situation. „Ich habe heute noch mit einem Großhandel wegen eines Medikaments telefoniert. Man sagte mir, man werde selbst kaum noch damit beliefert und nehme das Präparat deshalb aus dem Programm“, erzählt Ehrensberger.

Zwar gebe es meist Alternativen, „doch die sind manchmal ebenfalls nicht lieferbar“.

Aber warum gibt es ausgerechnet in Deutschland mit seinem ausgeklügelten Gesundheitssystem einen Arzneimittel-Notstand? Denn längst nicht nur Castrop-Rauxel ist von dem Problem betroffen. Der Grund dafür sei der Spardruck im Gesundheitswesen, erklärte unlängst Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe.

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Die Krankenkassen handelten mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus, die ihre Wirkstoffe daraufhin kostengünstig im Ausland, meist in Asien, von wenigen Herstellern produzieren ließen. Enstünden bei einem davon Produktionsprobleme, komme es bereits zu Lieferengpässen.

Hersteller in Indien und China

Dem kann sich Claus Ehrensberger nur anschließen; er nennt das Antirheumatikum Ibuprofen als Beispiel. Offiziell gebe es rund 40 Hersteller, tatsächlich stellten weltweit aber nur vier Firmen den Rohstoff für Ibuprofen her, unter anderem in Indien und China.

„Und wenn zwei davon nicht liefern können, dann gibt es das bei uns nicht.“ So geschehen bei Ibuprofen 800, das in Deutschland derzeit nicht erhältlich ist.

Während Menschen, die auf dieses Präparat angewiesen sind, auf Ibuprofen 400 umsteigen und davon zwei statt einer Tablette nehmen können, seien manche Arzneien in Deutschland schlichtweg gar nicht nicht zu bekommen.

„Das betrifft beispielsweise bestimmte Entwässerungstabletten“, berichtet Ehrensberger. Die Folge: „Der behandelnde Arzt muss auf einen anderen Wirkstoff umsteigen.“

Das liebe Geld

Doch der Apotheker kennt noch einen weiteren Grund, warum manche Arzneien zwar in anderen Ländern, nicht aber in Deutschland erhältlich sind: das liebe Geld. Aufgrund der Rabattverträge lohne sich der Vertrieb mancher Produkte für die Pharmaunternehmen hierzulande kaum noch. Und die entschieden sich dann, das Präparat im Ausland zu verkaufen, wo es mehr einbringt.

Selbst das Anlegen eines Vorrats sei schwierig: „Wenn ich 20 Exemplare bestelle, bekomme ich schon mal zur Antwort: ‚Wir können nur drei liefern‘.“

Mehr Joghurt als Medizin

Deshalb ist Ehrenbergers Fazit auch ziemlich ernüchternd: „In deutschen Supermärkten stehen zwar 50 Joghurt-Sorten im Kühlregal, aber bei Medikamenten ist das inzwischen ganz anders.“

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