Das Warten auf den Coronatest wurde für Fußballer Leo Lopez zur ganz besonderen Geduldsprobe. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Weniger Tests, weniger Fälle? Wie sich Strategie auf Statistik auswirkt

Wie kann es sein, dass der Kreis Recklinghausen ab Januar praktisch mit dem Testen aufgehört hat? So entnimmt man den Zahlen. Gehen dann nicht automatisch die Positivfälle zurück? Wir klären auf.

Wer weniger testet, wird weniger Positivfälle erhalten. Oder andersrum: Jetzt, wo wir dazu kommen werden, dass die Menschen sich selbst testen oder zu kommunalen Abstrichzentren fahren können, wo in Schulen, Kitas, Betrieben Schnell- und Selbsttests die Runde machen, wird ziemlich sicher auch die Zahl der Positivfälle steigen und damit das Pandemiegeschehen wieder zunehmen.

Thesen, die einen rein logischen Hintergrund haben und die Lockdown-Kritiker und Corona-Leugner oder -Verharmloser immer wieder vorbringen, um deutlich zu machen: Der Schrecken der Pandemie ist nur so groß, wie wir ihn selbst machen.


Darum ist die Kreis-Statistik mit Vorsicht zu genießen

Zahlen des Kreises Recklinghausen, täglich aktualisiert im Corona-Dashboard, stützen gerade eine solche These. Aber nur vermeintlich, und darum sind sie gefährlich: Die Zahl der Tests, die der Kreis in Test-Durchfahrtzentren und über seine mobilen Teams durchführt, ist rapide gesunken.

Und das schon seit Dezember. Im November nahmen Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz noch knapp 14.000 Proben, im Dezember 11.000, im Januar weniger als 7000 und im Februar nur noch etwas mehr als 4500 Abstriche.

Kritiker mögen sagen: Logisch, dass dann auch die Zahl der positiven Tests geringer ausfällt. Wer weniger testet, der hat die „besseren Zahlen“, der kann schneller seinen Lockdown lockern und steht im Landes- und Bundesvergleich besser da.

Doch bei dieser Statistik fehlt eine ganze Menge an Daten. Denn: In der Erhebung sind keine Tests berücksichtigt, die außerhalb der Befugnis und Kenntnis der Kreisverwaltung liegen, sprich: Wer beim Hausarzt oder in der Klinik abgestrichen wird, wird hier nicht mitgezählt.

Kreissprecherin Lena Heimers erklärt Hintergründe: „Der Privatmensch geht heute zum Arzt, das hat sich inzwischen standardisiert. Viele Praxen machen Tests inzwischen wie selbstverständlich. Unsere Zahlen bedeuten also nicht: Es gibt im Kreis weniger Abstriche.“

Zahl der Großtests hat in der Tat deutlich abgenommen

Es bedeute nur: Es gibt weniger große Testungen. „Unsere Hilfsorganisationen sind mit einer großen Anzahl vertreten, wenn es Ausbruchsgeschehen gibt“, so Heimers. „Im Oktober und November hatten wir viel mit Ausbrüchen in Schulen zu tun. Wenn aber ein Lockdown kommt und die Schulen nicht geöffnet sind und sich auch sonst die Lage entspannt, dann werden die Hilfsorganisationen von uns nicht beauftragt.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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