Wenn ein Facebook-Post 600 Euro kostet

Volksverhetzung

Die Facebook-Gruppe „Castrop ich komm aus dir“ wirbt damit, offen für Jedermann zu sein und bittet um ein freundliches Miteinander. Über 1500 Mitglieder sind dabei. Doch was ein 45-Jähriger dort vor rund einem Jahr gepostet hat, war alles andere als freundlich - und hat ihn 600 Euro Strafe gekostet.

CASTROP-RAUXEL

, 02.03.2017, 12:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wenn ein Facebook-Post 600 Euro kostet

Seine Anmerkungen in einem Kommentar zu einem Zeitungsartikel waren Volksverhetzung. Anlass war ein Bericht über eine Flüchtlingsunterkunft im Westen des Ruhrgebiets. Dort hatten sich Bewohner beschwert, weil das Essen Schweinefleisch enthalte und zudem nicht schmecke.

"Dreck hat Dreck verdient"

Das brachte den Angeklagten wohl so auf die Palme, dass er sich zu hasserfüllten Kommentaren hinreißen ließ. Er schrieb in der Facebook-Gruppe, man solle allen das giftige Insektizid E 605 geben, Dreck habe Dreck verdient. Eine Äußerung, der eine Anzeige folgte und ein Strafbefehl mit der Auflage, 600 Euro an die Gerichtskasse zu zahlen.

Weil der Mann von sechs Raten nur zwei gezahlt hatte, musste er jetzt vor dem Strafrichter erscheinen. Er erklärte im Gerichtssaal, dass er „aus dem Bauch heraus“ gepostet habe. Seine Großeltern hätten in Kriegszeiten Kartoffelschalen essen müssen, um zu überleben, da sollten Flüchtlinge doch nehmen müssen, was kommt. Dennoch räumte er ein, sich nicht richtig verhalten zu haben. „Es ist halt passiert, ich war so empört“, sagte er.

Angeklagter kam mit 400 Euro wieder

Dann bot der Mann dem Richter an, den Strafbefehl, der aufgrund der Zahlungsverweigerung aufgehoben war, doch noch umgehend zu bezahlen. Er bat um eine halbe Stunde Zeit, fuhr zur Bank und kam mit 400 Euro zurück in das Gerichtsgebäude. Das Verfahren wurde darum jetzt endgültig eingestellt.

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