Wenn Männer den Bierkasten als Baby bezeichnen - die Parkplatznot junger Familien

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Einen Eltern-Kind-Parkplatz zu finden ist fast unmöglich. Nicht nur, weil es zu wenige gibt, auch, weil Nicht-Eltern gerne auf den Plätzen stehen. Dafür haben sie die wildesten Ausreden.

Castrop-Rauxel

, 20.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mal eben in die Stadt fahren zum Shoppen oder den Einkauf erledigen - kein Problem. Zumindest nicht, wenn man ohne Kind unterwegs ist. Ist der Nachwuchs mit an Bord, scheitert es oft schon bei der Suche nach einem passenden Parkplatz.

Irgendeinen Parkplatz zu finden, ist schon schwierig. Aber in der engen Parklücke die Türen weit genug öffnen zu können, um Kind und Kegel aus dem Auto zu manövrieren - fast unmöglich.

Parkplatzprobleme bei neun von zehn Fällen

Natalia B. ist Mutter der zweijährigen Laura und kennt die Parkplatz-Problematik. Zwar gibt es bei einigen Supermärkten extra Eltern-Kind-Parkplätze, die aber werden auch sehr gerne von Nicht-Eltern genutzt. „Bei neun von zehn Versuchen gibt es Probleme“, sagt sie. Mehr als beschweren kann sich die Mutter nicht.

Die Eltern-Kind-Parkplätze sind lediglich ein Service der Supermärkte. Eine rechtliche Handhabe haben Eltern nicht. Die Mutter findet, es gibt zu wenig Eltern-Kind-Parkplätze. Bei Real gibt es 13 solcher Parkplätze, das ist schon viel.

Mann bezeichnet Bierkasten als „sein Baby“

Die Parkplätze sind an den Supermärkten und Discountern begehrt: Sie sind oft schön nah am Eingang und zusätzlich sind sie extra breit. Natalia B. hat schon die wildesten Erklärungen gehört, warum die Parkplatz-Diebe ein Recht hätten, dort zu stehen.

„Ein Mann hat einen der Parkplätze belegt, um seinen Bierkasten einzuladen. ‚Das ist mein Baby‘, sagte er“, erzählt Natalia. Auch habe sie eine ungefähr 70-jährige Dame dabei erwischt, wie sie sich einen der Parkplätze gekrallt hat. Ihre Ausrede: Sie sei ja auch Mutter.

Wenn Männer den Bierkasten als Baby bezeichnen - die Parkplatznot junger Familien

Eltern-Kind- oder Mutter-Kind-Parkplätze sind begehrt. Sie sind schön breit und nah am Eingang des Geschäfts. Wer darauf parkt und kein Kind dabei hat, hat nichts zu befürchten - es gibt keine rechtliche Handhabe. © picture alliance / dpa

Das allerdings sei kein Argument, meint Natalia. Die Parkplätze seien für Eltern, die ein kleines Kind dabei hätten. „Kleine Kinder reißen auch mal die Autotür auf, wenn dann direkt daneben ein Auto steht, kann das teuer werden. Außerdem braucht man Platz, um das Kind, den Kinderwagen oder die Babyschale aus dem Wagen zu schaffen.“

Vivien B., eine Freundin von Natalia, ist Mutter eines eineinhalbjährigen Mädchens und zusätzlich hochschwanger. Auch sie kennt die Parkplatz-Problematik. Am schlimmsten findet sie es, wenn ihr die Menschen pure Ignoranz entgegenbringen und gar nicht auf die Kritik reagieren.

Restaurants sind nicht auf Kinder eingestellt

Auch Menschen, die die Parkplatznot eigentlich kennen sollten, stehen hin und wieder auf den Plätzen für Familien. „Ein Mann sagte mir, dass er behindert sei und mit seinem Ausweis sowieso überall parken dürfte“, erzählt Natalia. Der Hinweis auf die 30 Behindertenparkplätze haben ihn wenig interessiert.

Auch mal eben mit Partner und Kind etwas essen zu gehen, ist kaum möglich. Restaurants seien nicht auf Kinder eingestellt. Auf der Kinderkarte stehen meist Chicken Nuggets und Pommes - gesund ist anders. Außerdem gibt es in den seltensten Fällen eine Kinder-Ecke. „Nur in der L’Osteria gibt es eine Ecke für Kinder, sagt Natalia. Mehr gebe es in Castrop-Rauxel nicht.

Es gibt auch kinderfreundliche Geschäfte

Der Alltag mit Kind ist nicht immer einfach, besonders nicht, wenn Mitmenschen keine Rücksicht nehmen. Aber es gibt positive Beispiele: „Es gibt hier einen kleinen Laden, der hat extra Spielzeug. Der Besitzer beschäftigt sich mit den Kindern, solange man selbst nach Kleidung guckt“, erzählt Natalia.

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Horst Anders (49) in seinem Geschäft „Fashion & Lifestyle Anders“. Er hat immer was zum Spielen da. © Victoria Maiwald

Gemeint ist „Fashion & Lifestyle Anders“ an der Wittener Straße. Der Besitzer Horst Anders hatte schon immer Spielzeug im Geschäft. „Wenn Muttis hier sind, passe ich auch auf die Kleinen auf“, erzählt der 49-Jährige. Besonders Stammkundinnen nutzen das Angebot sehr gerne.

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