Wenn Weihwasser nicht hilft: Castrop-Rauxeler Kirchen wappnen sich gegen das Coronavirus

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Das Coronavirus hat unsere Region erreicht, am Freitag erstmals Dorsten. Auch an den Kirchen geht der Kelch nicht vorüber. Die Gemeinden in Castrop-Rauxel ergreifen Vorsichtsmaßnahmen.

Castrop-Rauxel

, 06.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Weihwasserbecken der katholischen St. Lambertuskirche am Lambertusplatz in Castrop sind leer. Und das nicht nur hier - überall in den Pastoralverbünden Castrop-Rauxel-Süd und Castrop-Rauxel-Nord wurden auf Anraten des Erzbistums Paderborn die Becken geleert. Der Grund: Das Coronavirus macht auch vor den Portalen der Kirchen in Castrop-Rauxel nicht halt.

Pfarrer Winfried Grohsmann, Leiter des Pastoralverbunds Castrop-Rauxel-Süd, erklärte nun gegenüber unserer Redaktion die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen. „Bereits seit der Vogelgrippe haben wir flüssiges Desinfektionsmittel da, das diejenigen nutzen, die entweder mit liturgischen Geräten umgehen, so wie die Küster, oder solche, die die Hostien berühren und austeilen.“

Pfarrer Winfried Grohsmann vom Pastoralverbund Castrop-Rauxel-Süd.

Pfarrer Winfried Grohsmann vom Pastoralverbund Castrop-Rauxel-Süd. © Michael Fritsch

Keine Mundkommunion, kein Friedensgruß

Auch auf die Mundkommunion, bei der der Priester dem Gottesdienstbesucher die Hostie auf die Zunge legt, und die Kelchkommunion, bei der alle, die möchten, aus einem Kelch den gewandelten Wein (das Blut Christi) trinken, sollen die Gemeinden vorsichtshalber erst einmal verzichten.

Pastor Zbigniew Szarata, Leiter des Pastoralverbunds Castrop-Rauxel-Nord Corpus Christi, ist erleichtert, dass die Gemeindemitglieder offenbar verständnisvoll sind. „Manche greifen von sich aus zu dem kleinen Fläschchen in der Tasche, um sich die Hände zu desinfizieren“, sagt Szarata.

Auch beim Friedensgruß, bei dem sich Gläubige die Hände schütteln, soll man Vorsicht walten lassen. „Man sollte auf das Händereichen verzichten, auch, wenn das für uns sehr kulturfremd ist, einander an Stelle dessen nur freundlich zuzunicken“, sagt Grohsmann.

Er selbst hofft auf Verständnis, dass er derzeit niemandem die Hand schüttelt. „Als Erwachsener ist man auch für seinen Gegenüber verantwortlich, und ich möchte nicht am Ende schulde daran sein, das Virus übertragen zu haben .“

„Eine fromme Gebetshaltung einnehmen“

Die Maßnahmen seien vergangene Woche in den Pastoralverbünden kommuniziert worden. Einen Plan, Messen abzusagen, gebe es nicht, erklären Grohsmann und Szarata. „Wenn eine Messe nicht stattfindet, bedeutet das, dass jemand krank ist. Aber wir sind gut aufgestellt und haben auch andere Gottesdienstleiter. Niemand hat bisher gesagt, er stünde nicht parat“, so Grohsmann.

Pastor Zbigniew Szarata von der Pfarrei Corpus Christi.

Pastor Zbigniew Szarata von der Pfarrei Corpus Christi. © Pastor Zbigniew Szarata

Gleiches gelte für Gemeindeveranstaltungen. „Wir müssen achtsam miteinander umgehen, und eine, wie ich es nenne, fromme Gebetshaltung einnehmen, anstatt einander die Hände zu schütteln“, betont Grohsmann.

Szarata nennt es einen „gesunden Abstand. Ob Messen oder Veranstaltungen abgesagt werden, liegt schlussendlich in der Hand des Gesundheitsministeriums“, sagt der Pfarrer. Im Gemeindehaus St. Josef seien Desinfektionsbehälter aufgestellt worden.

Digitales Gemeindeleben

Die evangelische Paulusgemeinde Castrop hat die selben Empfehlungen ausgesprochen. „Beim Abendmahl wird nicht mehr aus dem Kelch getrunken“, sagt Pfarrer Arno Wittekind. „Es ist eine Empfehlung der Landeskirchen und beinhaltet auch das Eintauchen der Oblate in den Kelch, den einige letzten Sonntag schon haben vorübergehen lassen.“

Die Gemeinde hat Informationszettel ausgelegt. „Es ist gut, eine klare Linie vorzugeben“, sagt Wittekind. „So fühlen sich die Leute nicht unwohl, wenn sie einander nicht die Hand geben müssen.“

Die Kirche bereite sich auf eine Zeit vor, in der das Gemeindeleben nicht mehr stattfinden könne. „Wir haben die Hauskreise, Chöre und Gemeindegruppen gebeten, Telefonnummern auszutauschen, WhatsApp Gruppen zu bilden und Absprachen zu treffen, wie man in Kontakt bleiben kann.“ Eine Möglichkeit sei, Impulse und Andachten online über die Homepage zu verbreiten. „Die Frage ist: Wie kann Gemeindeleben digital statt analog von statten gehen?“, so Wittekind. Dass es zu einem Extremfall kommt, davon geht aber niemand in den Castrop-Rauxeler Kirchen aus.

Pfarrer Arno Wittekind von der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Castrop.

Pfarrer Arno Wittekind von der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Castrop. © Matthias Stachelhaus

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