Wildunfälle in Castrop-Rauxel passieren besonders oft in der Dämmerung

hzUnfallschwerpunkt

Herbstzeit ist Jagdzeit. Damit sind auch in Castrop-Rauxel mehr Tiere in Bewegung. Herbstzeit wird damit auch zur Zeit der Wildunfälle. Was Autofahrer in diesen Tagen beachten müssen.

Castrop-Rauxel

, 26.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der Zeitumstellung von Sommerzeit auf Winterzeit fahren viele Menschen nicht mehr im Dunkeln zur Arbeit, sondern während der Morgendämmerung. Dann sind vermehrt Wildtiere unterwegs. Der Hegering Castrop-Rauxel warnt in diesem Zusammenhang vor erhöhter Gefahr für Wildunfälle.

Wo Vorsicht geboten ist, wie man sich als Autofahrer richtig verhält und wie man Wildunfälle melden muss, beantworten wir hier.

? Wie groß ist die Gefahr für Unfälle mit Wild in Castrop-Rauxel?

Die Europastadt ist nicht gerade der Hot-Spot der Wildunfälle im Kreisgebiet, laut Polizei-Sprecher Michael Franz ereigneten sich in diesem Jahr aber bereits 18 Wildunfälle im Stadtgebiet. Dazu kommt sicherlich eine Dunkelziffer von Fällen, die bei der Polizei nicht gemeldet wurden.
Gerade in den eher ländlichen Bereichen der Stadt wie in Henrichenburg, Becklem oder Pöppinghausen oder auch in Deininghausen steigt die Unfallgefahr.
Und wer etwa nach Dorsten oder Haltern fährt, sollte besonders aufpassen. Dort passieren viel mehr Wildunfälle als in Castrop-Rauxel. Kreisweit gab es 2018 laut Polizei 589 Wildunfälle.

? Warum überqueren Wildtiere überhaupt die Straße?

Wildtiere überqueren Straßen auf der Suche nach Futter. Das gilt gerade in den Morgen- und Abendstunden, da sie sich in der Dämmerung vor Feinden sicher fühlen.

Hoch- und Niederwild

  • Das sind jagdhistorische Begriffe: Früher wurde das Wild in Hoch- und Niederwild eingeteilt.
  • Das Hochwild war dem Adel zur Jagd vorbehalten. Niederwild dagegen durfte auch von Bürgern gejagt werden.
  • Hochwild ist ein Sammelbegriff für Elch-, Rot-, Dam-, Stein-, Gams- Muffel- und Schwarzwild. Außerdem zählen Wisent, Rentier, Bär, Luchs, Wolf und Auerhahn zum Hochwild.
  • Typische Wildarten, die dem Niederwild zugeordnet werden, sind Fuchs, Hase, Fasan und Rebhuhn.

Und laut Lambertus Kramer, Leiter des örtlichen Hegerings, sorgt auch die Jagdsaison für viel Bewegung. Kramer: „Es laufen gerade die Treib- und Drückjagden auf Hoch- und Niederwild. Das scheucht die Tiere natürlich auf.“ Und der zunehmende Futtermangel nach dem Sommer lasse die Tiere ebenfalls mehr unterwegs sein, so Kramer.

? Was müssen Autofahrer jetzt beachten?

Besondere Vorsicht ist in den Dämmerungsstunden oder bei Frühnebel auf Straßen angebracht, die durch Waldgebiete führen. Hier sollte man seine Fahrweise anpassen, den Fuß vom Gas nehmen und aufmerksam die Wald- und Straßenränder beobachten, empfehlen Versicherungsexperten der Arag.
Wenn Tiere im Scheinwerferkegel auftauchen: abblenden, abbremsen, hupen. Und das Warnblinklicht anschalten, um nachkommende Fahrzeuge zu warnen.
Im Ernstfall rät der ADAC dazu, lieber einen kontrollierten Zusammenprall mit dem Tier in Kauf zu nehmen als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Das hat auch versicherungsrechtliche Gründe (siehe unten). Man sollte möglichst stark abbremsen und das Lenkrad gut festhalten.

? Und wenn es dann doch zu einem Wildunfall kommt?

Wenn es trotzdem gekracht hat, sollte man zunächst wie immer die Unfallstelle sichern, bei verletzten Personen Erste Hilfe leisten und gegebenenfalls einen Krankenwagen oder Notarzt rufen. Dann unbedingt die Polizei verständigen.
Auf keinen Fall sollte man verletztes Wild in den Wald oder ins Feld verfolgen und niemals ein totes Wildtier mitnehmen. Sonst droht eine Anzeige wegen Wilderei. Das kann eine saftige Strafe nach sich ziehen.
Nach der Unfallaufnahme stellt die Polizei oder der Jagdpächter eine Wildschadenbescheinigung aus. Diese ist für die Kasko-Versicherung wichtig.

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? Trägt die Versicherung einen Schaden am Auto?

Der Schaden am Fahrzeug kann über eine vorhandene Teil- oder Vollkaskoversicherung reguliert werden. Die Teilkaskoversicherung ersetzt Schäden am Fahrzeug, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden sind. Zum Haarwild gehören beispielsweise Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs oder Hase. Unfälle mit Vögeln sind laut ADAC dagegen nicht bei allen Versicherungen beinhaltet.
Kann man nicht nachweisen, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenstoß mit Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstanden ist, kann dieser über die Vollkaskoversicherung reguliert werden.

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