Wilhelm Winkelmann, Kolumnist für das Verlagshaus Lensingmedia. © Tobias Weckenbrock
Rezepte gegen Einsamkeit

Wilhelm Winkelmann: Die ersten drei Schritte heraus aus der Einsamkeit

Er spricht von einem Teufelskreis. Und einem Teufelskreisverstärker. Und doch glaubt unser Kolumnist, sie definiert zu haben: die drei ersten Schritte aus der Einsamkeit heraus. Seine Herleitung.

Einsamkeit ist ein Gefühl, das entsteht, wenn es einem Menschen nicht gelingt, seine Bedürfnisse aus eigener Fähigkeit zu lösen. Doch das ist für viele, vielleicht sogar für die meisten Menschen nicht möglich, weil sie nicht ausreichend auf das Erwachsenenleben vorbereitet wurden. Weil sie Defizite haben, die nur von außen beseitigt werden können, stecken sie in einer Lebenssackgasse, aus der sie aus eigener Kraft nicht so leicht herauskommen können. Ein Teufelskreis!

Zur Kolumne „Rezepte gegen Einsamkeit“

Wilhelm Winkelmann (86) ist emeritierter Diakon in Castrop-Rauxel. Nach seiner Pensionierung half der Diplom-Sozialarbeiter als Psychocoach Menschen mit seelischen Problemen. Für unser Portal schreibt der verheiratete Großvater von acht Enkelkindern über Hintergründe der Einsamkeit, ihre Wirkung auf den Menschen und wie man mit den oft problematischen Folgen umgehen kann.

Wer nicht genug geliebt wurde und deshalb kein tragbares Selbstwertgefühl und nicht genug Selbstvertrauen hat, meint, andere könnten ihm das geben, was er braucht. Doch die, von denen er es erwartet, sind in der Regel auch zu kurz gekommen und von daher nicht in der Lage, seine Defizite auszugleichen. Ein wahrer Teufelskreisverstärker!

Der erste Schritt, den Teufelskreis zu überwinden, ist die Erkenntnis, warum es so ist, wie es ist. Der zweite Schritt ist, der Wahrheit mutig ins Gesicht zu schauen. Und der dritte Schritt ist, das Notwendige zu tun, um zu retten, was zu retten ist.

Dazu gehört, sich so anzunehmen, wie es der Wirklichkeit entspricht. Und da ist es sehr wichtig, sich nicht die Schuld für seine Einsamkeit zu geben, sondern zu verstehen, dass andere ursächlich dafür sind. Aber auch diesen Menschen gegenüber ist es nicht sinnvoll, ihnen die Schuld zu geben, denn das sind auch oft Menschen, die zu kurz gekommen sind. Schuldgefühle und Schuldzuweisungen helfen da nicht weiter.

Besser ist es, sich auf den Weg zu machen, die Traumatisierungen mit Trauer und Wut zu verarbeiten, sich auf die Seite seines inneren Kindes – das ist das Kind, das der Erwachsene mal war und das immer noch in ihm emotional existiert – zu stellen und es liebevoll anzunehmen, auch wenn das nicht so einfach ist. Wenn es aber gelingt, ist das ein großer Schritt, die innere Einsamkeit, die Abhängig macht, zu überwinden.

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