Zwei Castrop-Rauxeler Straßen werden zum Regenwasser-Versuchsgebiet

Starkregen und Dürre

An zwei Straßen in Castrop-Rauxel will man versuchen, das Regenwasser so abzuleiten, dass es keinen Schaden anrichten kann. Und will damit gleichzeitig dem Klimawandel vorbeugen.

Castrop-Rauxel

, 28.09.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Straße "In der Recke" hat ein ziemliches Gefälle. Das führt bei starkem Regen zu teilweise unkontrollierter Strömung.

Die Straße „In der Recke“ hat ein ziemliches Gefälle. Wenn es stark regnet, fließt das Wasser deshalb teilweise unkontrolliert. © Abi Schlehenkamp (Archiv)

Über Flächenversiegelung haben zuletzt noch die Castrop-Rauxeler Bürgermeisterkandidaten Manfred Fiedler (Grüne), Rajko Kravanja (SPD) und Oliver Lind (CDU) diskutiert, als es darum ging ob, wie und wie viele weitere Baugebiete die Stadt braucht oder sich leisten kann.

Die Versiegelung des natürlichen Bodens durch Straßen oder Bauwerke ist in Zeiten zunehmenden Klimawandels ein Faktor. In den versiegelten Boden kann kein Niederschlag mehr eindringen kann, und so werden viele der im Boden normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt.

In unserer Region, die in den vergangenen Jahren von langen Dürreperioden heimgesucht worden ist, kommt dem Wasserkreislauf eine zentrale Rolle zu. Zur Regulierung des Klimas, aber auch zur Versorgung von Gärten und Landwirtschaftsflächen mit Wasser.

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Auf Freiflächen verdunstet Regenwasser. Oder es sickert in den Boden und versorgt hier Pflanzen oder gelangt ins Grundwasser. All das kann auf versiegelten Flächen nicht geschehen. Dem natürlichen Kreislauf wird also Wasser entzogen, das auf Versieglungsflächen, also auf Straßen oder Hausdächern, künstlich und teuer über Kanalisationen abgeleitet werden muss.

Warnung vor weiterer Flächenversiegelung

Seit vielen Jahren raten Experten daher dringend, nur so viel Fläche zusätzlich zu versiegeln wie eben nötig. Oder Flächen zu entsiegeln, die früher versiegelt wurden. Da werden Teerwege durch Wege mit wassergebundenen Flächen ersetzt, werden Asphaltflächen durch Pflasterflächen ersetzt, auf denen wenigstens ein gewisses Maß an Wasserversickerung möglich ist.

Für jeden Bauherren gilt in diesem Zusammenhang auch eine ganz pragmatische Überlegung: Jeder Liter Wasser, der über eine teuer hergestellte Kanalisation abgeleitet werden muss, wird über Abwassergebühren noch einmal teuer zu bezahlen sein.

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So sollte es für private wie für öffentliche Bauherren eigentlich Ziel sein, mit möglichst wenig Versieglungsfläche auszukommen oder etwa Hausdächer direkt in den Garten entwässern zu können, um so Abwassergebühren zu sparen und gleichzeitig der Umwelt zu helfen.

Um befestigte Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln, gibt es für öffentliche Bauherren inzwischen sogar finanzielle Förderungen vom Land. Der Umgang mit dem Regenwasser in der Stadt soll so neu in den Blick genommen werden. Während bisher Regenwasser möglichst schnell aus der Stadt abgeleitet wurde, will man zukünftig das Regenwasser nutzen, um es zur Verbesserung des Stadtklimas einzusetzen.

Fördermittel vom Land bewilligt

Konkret geht es um Projekte zur Niederschlagsversickerung und zur Ableitung von Niederschlagswasser über offene Gräben in Gewässer. Mit Fördermitteln von insgesamt 530.000 Euro vom Land NRW möchte die Emschergenossenschaft das jetzt an mehreren Stellen in der Emscherregion angehen.

Rund 22.000 Euro davon werden für eine Machbarkeitsstudie in Castrop-Rauxel verwendet. In den Straßen Unterspredey und In der Recke auf Schwerin sieht man Potenzial zur Abkopplung von Wohnbau- und Verkehrsflächen sowie zur Entflechtung des Gewässers mit Anbindung an den Landwehrbach.

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Die Verkehrsflächen der beiden Straßen weisen ein hohes Gefälle zur gemeinsamen Kreuzung und somit auch in Richtung des Landwehrbachs auf. Während kleinere Niederschlagsmengen von den vorhandenen Sinkkästen aufgenommen werden können, fließen größere Wassermengen dem Gefälle folgend auch über angrenzende, private Grundstücke ab.

Nun soll untersucht werden, auf welche Weise das Niederschlagswasser gezielt und unschädlich abgeleitet und anschließend in den Landwehrbach eingeleitet werden kann. Zudem soll das Abkopplungspotenzial von privaten, an die Straßen grenzenden Gebäuden ermittelt werden.

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