Mann gegen Mann: Was die beiden Landratskandidaten vorhaben

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Bodo Klimpel (CDU) gegen Michael Hübner (SPD) - am Sonntag ist die Stichwahl. Im Doppel-Interview sprechen die Landratskandidaten über das, was sie vorhaben und was Dorsten davon hat.

Dorsten

, 26.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der eine ist seit 2010 Landtagsabgeordneter, der andere war viele Jahre Bürgermeister in Haltern. Politische Erfahrung bringen Michael Hübner und Bodo Klimpel also reichlich mit. Beide leben in Nachbarstädten (Gladbeck/Haltern) und haben es nicht weit nach Dorsten aus. Was ist ihr Plan im Falle eines Wahlsieges, was hat Dorsten davon? Sieben Fragen, 14 Antworten:

Warum sind Sie eine gute Wahl für den Kreis, aber auch für Dorsten?

Hübner: Seit 2010 bin ich Landtagsabgeordneter für Dorsten. Ich war aber nicht nur in Düsseldorf ein starker Streiter für Dorstener Interessen – auch in Berlin und Brüssel habe ich Dorsten immer im Blick gehabt. Das wird sich als Landrat nicht ändern: Ich bin ein starker Streiter für unsere Städte und will unsere Region mutig gestalten. Ich habe klare Ziele, wie diese Zukunft unserer Region aussehen soll.

Klimpel: Ich möchte ein bürgernaher Kreisbürgermeister für alle zehn Städte im Kreis sein. Mit meinem Dorstener Amtskollegen Tobias Stockhoff arbeite ich seit über sechs Jahren eng zusammen. Gerade als Bürgermeister einer Flächenstadt werde ich beim Thema Bus und Bahn besser die Interessen der ländlicheren Städte bei uns im Kreis vortragen können. Außerdem: Wir brauchen neue und gute Arbeitsplätze – dürfen dabei die Belange von Natur und Umwelt aber nicht aus dem Blick verlieren.

Was gefällt Ihnen an Dorsten besonders?

Klimpel: Dorsten ist eine echte Bürgerstadt, wo die Menschen nicht über Probleme reden und meckern. Die Dorstener packen in allen elf Stadtteilen an. Besonders habe ich Dorsten schätzen gelernt, als man uns nach dem tragischen Germanwings-Absturz beigestanden hat. Da bekam ich nach weniger als 20 Minuten einen Anruf von Bürgermeister Tobias Stockhoff, der uns sofort exzellente Kollegen aus der Stadtverwaltung zur Unterstützung schickte. Viele Dorstener haben uns in dieser schweren Stunde beigestanden. Dafür danke ich auch heute noch von Herzen!
Hübner: Dorsten ist eine unglaublich lebenswerte Stadt, die ich in den vergangenen 16 Jahren als Abgeordneter nur noch mehr zu lieben gelernt habe. Dorsten ist Münsterland und Ruhrgebiet zugleich, hat ländlichen Charme und ist trotzdem Teil einer der größten Metropolregionen Europas. Das ist einzigartig!

Bodo Klimpel (CDU) möchte ein bürgernaher Kreisbürgermeister für alle zehn Städte im Kreis sein.

Bodo Klimpel (CDU) möchte ein bürgernaher Kreisbürgermeister für alle zehn Städte im Kreis sein. © Hendrik Griesbach

Was lässt sich verbessern?

Hübner: Ich bin der Meinung, dass wir dem ÖPNV in Dorsten ein Update verpassen müssen. Mit seinen großen Distanzen ist der Ausbau des ÖPNV in Dorsten eine besondere Herausforderung. Ich setze mich für ein On-Demand-System und einen Ausbau von Bus und Bahn ein. Den gesamten Kreis Recklinghausen möchte ich zudem zu Europas Wasserstoff-Region Nummer 1 umbauen – das schafft klimaneutrale Energie für die bestehende Industrie und neue Arbeitsplätze. Und ich werbe für eine Entlastung in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Damit könnten wir Zentrum eines menschlicheren Gesundheitswesens werden – denn in der Gesundheit und den sozialen Diensten arbeiten im Kreis Recklinghausen inzwischen weit mehr Menschen als in der Industrie.
Klimpel: Der Kreis Recklinghausen und der Landrat sind für viele Menschen weit weg. Das liegt in seiner Struktur, da wir sehr große Kommunen haben. Das liegt aber auch am Selbstverständnis. Viele Kollegen im Kreishaus in Recklinghausen leben Bürgernähe. An einigen Stellen gibt es Verbesserungsbedarf. Ich möchte ein Landrat sein, der sich als „Kreisbürgermeister“ den Menschen stellt und will deshalb regelmäßig auch Sprechstunden in allen zehn Städten anbieten. Ich will einen Kreis Recklinghausen, der nah bei den Menschen ist, ansprechbar und partnerschaftlich mit den Städten zusammenarbeitet. Unsere zehn Städte bilden den Kreis – und nicht umgekehrt!

Das Kreishaus wird unter Ihrer Regie saniert, neu gebaut oder bleibt, wie es ist?

Klimpel: Man kann ein Kreishaus aus den 70er-Jahren nicht einfach abreißen und neu bauen. Die Menschen haben sich auch dank des Engagements des Dorsteners Uwe Kähler in einem Bürgerbegehren klar und eindeutig gegen einen Neubau ausgesprochen. Als Landrat werde ich alle notwendigen Dinge (z. B. Brandschutz), alle nachhaltigen Dinge (z. B. Energieeinsparung bei Lüftung, Heizung und Beleuchtung) sowie alle sinnvollen Dinge (z. B. Digitalisierung) bei einer gründlichen Sanierung des Kreishauses unterstützen.
Hübner: In erster Linie werde ich alles dafür tun, um zu verhindern, dass das Kreishaus ein Millionengrab wird. Das Kreishaus kann aber auch nicht so bleiben, wie es ist – es muss saniert werden und zu einem modernen Arbeitsplatz umgestaltet werden, damit wir in Zukunft unsere Region besser unterstützen und gestalten können. Nur als attraktiver Arbeitgeber und mit der richtigen Infrastruktur können wir der Dienstleister sein, den die Menschen im Kreis verdienen.

Michael Hübner (SPD) möchte, dass in jeder Stadt ein direkter Ansprechpartner des Kreises greifbar ist, auch bei der KFZ-Zulassung.

Michael Hübner (SPD) möchte, dass in jeder Stadt ein direkter Ansprechpartner des Kreises greifbar ist, auch bei der KFZ-Zulassung. © Martin Steffen

Ihre erste Entscheidung als Landrat, die auch Dorsten unmittelbar betrifft?

Hübner: Viele Menschen kommen nur von der Anmeldung ihres Autos mit dem Kreis in Kontakt. Und zugegebener Maßen ist das meist keine besonders angenehme Erfahrung. Ich will, dass in jeder Stadt ein direkter Ansprechpartner des Kreises greifbar ist. Und ich möchte mit einer Digitalisierungs-Offensive helfen, dass wir möglichst viele Dienstleistungen auch über das Internet anbieten. Das gilt beides übrigens auch für die KFZ-Zulassung.
Klimpel: Bei der Aufstellung des neuen Kreishaushaltes 2021 will ich dafür sorgen, dass dadurch die Kommunalfinanzen der Städte trotz Corona nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Zukünftig sitzen zehn Städte und der Kreis in einem Boot - und alle rudern als Team!

Welche Ideen haben Sie, um die Finanznot der Kreisstädte zu lindern?

Klimpel: Ich werbe weiterhin auf Bundes- und Landesebene für einen Altschuldenfonds, damit durch vielleicht langfristig mal wieder steigende Zinsen nicht die Kommunen in eine finanzielle Schieflage geraten. Darüber hinaus müssen wir der Bundes- und Landesregierung deutlich machen, dass die Städte und Kreise systemrelevant sind und alle Unterstützung der höheren Ebenen, wie in den letzten Monaten geschehen, auch weiterhin verdienen. Und da, verspreche ich, werde ich sehr vehement für die Interessen unserer Städte kämpfen.
Hübner: Ich war immer ein Kämpfer für eine faire Finanzierung unserer Städte. Das werde ich auch als Landrat bleiben. Ich setze mich in Bund und Land für einen Altschuldenschnitt und eine fairere Verteilung der Soziallasten ein. Wir müssen aber auch aus eigener Kraft stärker werden: indem wir den sozialen Arbeitsmarkt ausbauen, neue Arbeitsplätze mit der Wasserstoff-Industrie schaffen und in der gesamten Region besser zusammenarbeiten und damit ein lösungsorientierter Dienstleister für Menschen und Wirtschaft werden.

Was machen Sie, wenn Sie die Stichwahl verlieren?

Hübner: In diesem Falle will ich als Kreistagsmitglied die Arbeit meines Mitbewerbers kritisch, aber immer konstruktiv begleiten. Ich werde weiter für unsere Region und Dorsten kämpfen – im neuen Ruhrparlament und als Ihr Landtagsabgeordneter.
Klimpel: Dann werde ich als ehrenamtlicher Kreistagsvertreter engagiert die Interessen der zehn Städte und der über 600.000 Menschen im Kreis Recklinghausen vertreten.

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