100 Euro für eine Kippe? Dorsten zieht die Zügel an und testet eine ungewöhnliche Idee

hzNeuer Bußgeldkatalog

Wer in Dorsten eine Zigarettenkippe wegwirft, muss bald viel Geld bezahlen, wenn er erwischt wird. Auf der Jagd nach Sündern testet die Stadt gerade eine ungewöhnliche Vorgehensweise.

Dorsten

, 12.09.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überall Kippen und Kaugummis - die neue Fußgängerzone in der Dorstener Altstadt sieht bisweilen aus wie ein großer Mülleimer. Das nervt viele Menschen. Der Ruf der SPD nach drastischen Strafen wird offenbar erhört.

Neuer Bußgeldkatalog liegt im Oktober vor

Bürgermeister Tobias Stockhoff kündigte am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss an, dass die Stadtverwaltung im Oktober einen neuen Bußgeldkatalog vorschlagen wird. Das war ursprünglich für Dezember geplant, doch weil alle Fraktionen der Auffassung waren, dass „wegen der untragbaren Situation dringend etwas passieren“ muss, kommt die neue Satzung eher.

Den Verursachern soll es ans Portemonnaie gehen, wenn die direkte Ansprache, die zum Beispiel Susanne Fraund (Grüne) bevorzugt, nicht hilft. Fehlende Mülleimer als Argument lässt Tristan Zielinski (FDP) nicht gelten: „Man kann ja auch nicht sagen: Der Kaffeebecher ist mir aus dem Auto gefallen, weil die physikalischen Gegebenheiten es ermöglicht haben.“

Auch andere Ordnungswidrigkeiten werden teurer

Eine weggeworfene Kippe könnte in Dorsten bald 50, vielleicht sogar 100 Euro kosten. Bislang sind 10 Euro, im Wiederholungsfall 25 Euro fällig. Auch andere Ordnungswidrigkeiten, zum Beispiel das Falschparken, sollen härter sanktioniert werden. Bleibt die Frage: Wer kontrolliert das und ahndet Vergehen?

SPD-Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann wiederholte seine Forderung nach „mehr Personal für den Kommunalen Ordnungsdienst“, FDP und CDU sind skeptisch, ob angesichts des neuen Finanzlochs im städtischen Etat weitere Stellen drin sind. „Da sollten wir die Haushaltsberatungen abwarten.“

Ehrenamtliche Helferin wird getestet

Im Rathaus ist deshalb eine andere Idee entwickelt worden. Die Stadtverwaltung testet derzeit in einem nicht genannten Stadtteil eine Art „ehrenamtlichen Kommunalen Ordnungsdienst“. Will heißen: „Eine Frau, die sich immer wieder über Falschparker auf Behindertenparkplätzen oder vor Feuerwehrzufahrten beschwert hat, hilft uns nun, Ordnungswidrigkeiten zu ahnden“, verriert Stockhoff. Ein Projekt, das sich lohnt, ausgeweitet zu werden?

100 Euro für eine Kippe? Dorsten zieht die Zügel an und testet eine ungewöhnliche Idee

Den „Super-Sauer“ aus Gladbeck hat die Stadt letzte Woche in der Fußgängerzone getestet. © Michael Klein

Weil aber auch mit „Melder-Hilfe“ aus der Bevölkerung die Kippen nicht gänzlich vom Asphalt verschwinden werden, soll wohl zusätzlich ein „Super-Sauger“ nach Gladbecker Vorbild, der in der vergangenen Woche in der Fußgängerzone getestet wurde, das Straßenbild verschönern helfen.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt