104 Frauen flüchteten vor ihren Männern ins Schutzhaus

Bilanz Frauenhaus

Gewalt kennt keine Grenzen: Wenn Frauen mit ihren Kindern vor ihren Männern fliehen, dann haben sie oft schlimme seelische oder körperliche Qualen erduldet. Das Frauenhaus Dorsten nahm 2014 104 Frauen und 94 Kinder im Schutzhaus auf. So viele, wie seit Langem nicht mehr.

Dorsten

, 27.03.2015, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sagt Carla Horstkamp, Diplom-Sozialwissenschaftlerin und eine von vier Betreuerinnen im Haus, die sich der Schutzbedürftigen annehmen. „Obwohl wir deutlich mehr Zugänge als noch in 2013 hatten, stellt sich die Auslastungsquote mit 74,1 Prozent niedriger dar“, erklärt Horstkamp ein auf den ersten Blick nicht nachvollziehbares Phänomen.

Sicherheitshalber woanders

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Doch die Gründe sind plausibel: „Wir mussten etliche Frauen nach kurzer Verweildauer aus Sicherheitsgründen in Häusern in anderen Bundesländern unterbringen, um Leib und Leben der Frauen und ihrer Kinder zu schützen“, sagt Horstkamp. Außerdem hätten einige bei Freunden und Verwandten Unterschlupf gefunden. „Dazu kam noch, dass wir im April wegen Renovierungsarbeiten nicht alle Zimmer belegen konnten“, ergänzt Horstkamp. So habe die die Übernachtungszahl im Jahr 2014 bei 3516 gelegen.

Meist sind es Frauen unter 40 Jahren mit ihren Kindern, die sich vor gewalttätigen Männern hinter die sicheren Mauern der geheim gehaltenen Adresse in Dorsten flüchten. Lediglich eine Dame über 60 Jahren ging den für ihre Altersgruppe ungewöhnlichen Weg, sich nach vielen Ehejahren aus den Fesseln ihrer von Gewalt geprägten Beziehung zu lösen. „Mittlerweile hat sie sich von ihrem Mann getrennt“, weiß Horstkamp.

Aus anderen Städten

Die Bewohnerinnen des Frauenhauses kommen meist aus Städten außerhalb Dorstens, um sie vor Nachstellungen zu schützen, nennt die Betreuerin weitere Einzelheiten. „80 der 104 Frauen stammen aus einer Stadt außerhalb des Kreises Recklinghausen.“

Wegen der hohen Fluktuation im Haus und der kürzeren Verweildauer habe das Team mehr Arbeit: „Jede Neuaufnahme ist mit vielen organisatorischen Dingen verbunden, zum Beispiel Versorgung mit Lebensmitteln, Arztbesuchen, Besprechungen, Grundsicherung.“ Trotz der Beratungsarbeit, aber wegen der zeitlich doch sehr begrenzten Begleitung schaffen dann auch nur wenige Frauen, sich endgültig zu trennen. Andere Gründe dafür ist aber auch die finanzielle Abhängigkeit vom Mann: „Einige Frauen haben eine solide Berufsausbildung, aber Jahre nicht mehr gearbeitet, andere waren stets zu Hause, haben sich um Haushalt und Kinder gekümmert“, kommentiert Horstkamp. So unternahmen nur acht Frauen den Versuch, sich ein eigenes Leben in neuer Umgebung aufzubauen.

Küche muss renoviert werden

Für 2015 haben sich die Betreuerinnen einige Ziele gesteckt. So soll die Küche gründlich renoviert werden: „Da stehen wir aber noch am Anfang der Planung und wissen auch noch gar nicht, was das alles kosten wird“, so Horstkamp. Mehrere Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde seien Standard im Haus, damit sich die Frauen und ihre Kinder selbst versorgen können. „Das wiederum verursacht hohe Energiekosten, für die unser Budget nicht ausreicht.“ Vielen Leuten sei das wohl nicht bewusst. Umso freudiger werden Spenden im Frauenhaus begrüßt, um alle laufenden Kosten bestreiten zu können.  

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