Auf dem Napoleonsweg sollen 18 Sperren Autoverkehr verhindern - sie tun es aber nicht

hzVerbotener Weg

Hauptsache bequem und egal, ob es erlaubt ist: Der Napoleonsweg wird als Straße missbraucht. Dabei ist er Fuß- und Radweg. 18 Sperren sollen den Verkehr verhindern - sie tun es aber nicht.

Wulfen-Barkenberg

, 12.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Etwa die Hälfte von 18 Schranken, Sperren und Zufahrtsbeschränkungen sind am Napoleonsweg in Wulfen-Barkenberg bereits errichtet worden. Und schon nerven sie. Nicht etwa, weil sie den Verkehr aussperren. „Sondern weil die jetzt aufgestellten Schranken entgegen den Abmachungen ständig offen sind und einige Autos weiterhin den Napoleonsweg befahren“, sagen Barkenberger auf unsere Anfrage.

„Wenn sie einmal oben sind, kann man sie nicht herunterdrücken. Man braucht einen Dreikantschlüssel, um die Sperre zu lösen.“
Rainer Diebschlag

So beobachten Arnold Eickenscheidt und Rainer Diebschlag (und nicht nur sie), die viel als Fußgänger und Radfahrer im Ortsteil unterwegs sind, wie der Autoverkehr trotz der bewusst eingebauten Hindernisse weiter fließt. „Ich musste mich belehren lassen, dass ich den Weg freimachen soll. Dabei ist der Napoleonsweg ein Fußweg, was die blauen Schilder überall am Napoleonsweg auch kenntlich machen“, empört sich Arnold Eickenscheidt.

„Der hat mich angebrüllt“

Seinen Protest habe der Fahrer, den Eickenscheidt als städtischen Mitarbeiter ausgemacht haben will, aber nicht zur Kenntnis genommen. Im Gegenteil: „Der hat mich angebrüllt.“ Arnold Eickenscheidt sieht sich im Recht und den, so nennt er ihn, „Stadtbeauftragten“ im Unrecht. Schließlich sei das Schrankenkonzept gemeinsam zwischen Wulfen-Konferenz, Bürgern, Stadt, Polizei und Feuerwehr abgestimmt und beschlossen worden, um den Kfz-Verkehr auf dem Napoleonsweg zu unterbinden und Fußgänger und Radfahrer zu schützen.

Zwischen Wulfen-Konferenz, Bürgern und Stadt wurde vereinbart, dass jeder die Schranken schließen kann. „Die Schranken sind schwenkbar. Sollte einmal ein Berechtigter vergessen haben, die Schranke wieder zu verschließen, so kann jeder Passant sie auch ohne Schlüssel wieder in die richtige Position drehen“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne auf unsere Anfrage.

Die Schranken rasten ein und sind dann unbeweglich

Das trifft laut Aussagen der Barkenberger nicht zu. Die Schranken rasten nämlich ein. „Wenn sie einmal oben sind, kann man sie nicht herunterdrücken. Man braucht einen Dreikantschlüssel, um die Sperre zu lösen“, hat Rainer Diebschlag festgestellt.

Aus Bequemlichkeit würden die Schranken nach der Einfahrt in den Napoleonsweg von den Fahrern mit Sondererlaubnis offen gelassen und bei der Ausfahrt nicht wieder geschlossen. Bürger, die dann selbst den Riegel vorschieben möchten, scheitern daran. Die Schranken rühren sich ohne Dreikantschlüssel nicht von der Stelle.

Eine Sondererlaubnis zum Befahren haben laut Auskunft der Stadt städtische Dienste wie Müllentsorgung, Grünflächenpflege, Straßenkontrolle oder Winterdienst - sie seien von der Zufahrtsbeschränkung ausgenommen. Dieses Sonderrecht sei in Paragraf 35/Absatz 6 der Straßenverkehrsordnung definiert. „Ausnahmen gibt es neben der Regelung für Dienstfahrzeuge in seltenen, begründeten und nur auf Antrag einzeln von der Verkehrsabteilung des Ordnungsamtes zu genehmigenden Sonderfällen auch für Privatpersonen, zum Beispiel bei Umzug“, erläutert Ludger Böhne.

Schrankenkonzept wird von vielen Barkenbergern begrüßt

Das Schrankenkonzept ist aus Sicht vieler Beteiligter eine gute Lösung, um den Napoleonsweg vor dem Autoverkehr zu schützen. Offenkundig leuchtet aber nicht jedem Verkehrsteilnehmer ein, dass der Napoleonsweg tabu für den Autoverkehr ist. Beobachter sehen ein tägliches hohes Verkehrsaufkommen am nördlichen Teilstück zwischen Lippramsdorfer Straße und Eichenstück- und Schwalbenstück.

Da die Nordanbindung für Barkenberg nie gebaut wurde, nutzen nicht nur Auswärtige, sondern auch viele Barkenberger den Napoleonsweg als Abkürzung. Hier seien aber keine Sperren vorgesehen, sagt die Stadt auf unsere Anfrage: „Mehrere Anlieger haben alte Durchfahrtsrechte aus beiden Richtungen. Auch ohne Sperrvorrichtungen gilt: Geh- und Radwege dürfen nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Auf dem Napoleonsweg sollen 18 Sperren Autoverkehr verhindern - sie tun es aber nicht

Klar erkennbar ist, dass es sich beim Napoleonsweg um einen Fuß- und Radweg handelt. Die Schilder sind eindeutig. © Claudia Engel

Warum trotzdem munter ein- und ausgefahren wird, liegt möglicherweise auch am großzügigen Ausbau des Napoleonsweges. Der Napoleonsweg in Wulfen ist etwas länger als acht Kilometer (Luftlinie). Knapp zwei Kilometer misst die wohl mehr als 200 Jahre alte Baumallee der Stadt in Wulfen-Barkenberg. Sechs Meter breit ist er an manchen Stellen, zum Teil aber auch nur zwei Meter.

Kontrolliert wird am Napoleonsweg selten, sagen die Barkenberger. Die Polizei kann auf Anfrage nicht nachvollziehen, wie viele Knöllchen sie am Napoleonsweg schon verteilt hat. „Das geben die Statistiken nicht her, weil es sich um ein Verwarnungsgeld handelt.“

Knöllchen werden billigend in Kauf genommen

Die Geldbußen, so ein Barkenberger Anrufer, der sich in der Redaktion über das hohe Verkehrsaufkommen an dieser Stelle beklagte, „werden wohl billigend in Kauf genommen“. „Die Leute riskieren das, weil ihnen der erlaubte Weg über den Wittenberger Damm, Dülmener Straße (B589 und die Lippramsdorfer Straße Richtung Lembeck mit acht Kilometern zu lang erscheint“, sagte der Mann.

Dass der Napoleonsweg jetzt Stück für Stück weitere Schranken, Sperren und Zufahrtsbeschränkungen erhält, werde trotz der Verstöße aus den eigenen Reihen von den allermeisten Ortsteilbewohnern begrüßt, wie Rainer Diebschlag in vielen Gesprächen feststellen konnte. „Viele Menschen hier im Ortsteil stellen das Verkehrskonzept nicht infrage, auch wenn sie älter und immobiler geworden sind.“

Stadt rechnet mit einer lebhaften Diskussion

Die Stadt Dorsten geht indes davon aus, dass die Umsetzung des Konzeptes eine lebhafte Diskussion im Ortsteil auslösen wird. „Viele werden es begrüßen, dass die Autos von diesem Weg verbannt werden, es wird aber auch Kritik daran geben. Die Stadt wird beobachten, wie das Schrankenkonzept wirkt und bei Bedarf nachsteuern, anpassen oder ergänzen“, sagt Ludger Böhne.

Schrankenkonzept

Das ist der Grund für die Sperren

Das Schrankenkonzept umfasst insgesamt 18 Standorte für Zufahrtsbeschränkungen und Sperren auf dem Napoleonsweg. Einige sind bereits vorhanden, an einer Stelle wurde eine Sperre von Anliegern privat gesetzt. Es soll verhindert werden, dass Kraftfahrzeuge auf dem Napoleonsweg fahren. Deshalb werden die möglichen Zufahrten durch Schranken und Poller versperrt, an einigen Stellen werden Findlinge verhindern, dass Autos über Grünflächen ausweichen und die Sperren umfahren. Da nicht auszuschließen ist, dass eine Zuwegung offensteht, sollen insgesamt fünf Schrankenanlagen verhindern, dass der Napoleonsweg in ganzer Länge befahren wird. Hier die Standorte dieser Schranken:
  • Zwischen Parkdeck Wulfener Markt und Kita Wulfener Markt
  • Höhe Tennisplatz
  • Höhe Jägerstraße/Südheide
  • nahe Brücke Wittenberger Damm
  • Höhe Schwalbenstück/Eichenstück
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