74-jährige Hervesterin hat auf Betrüger genau richtig reagiert

hzFalsche Polizisten

Auf Zack war eine 74-jährige Hervesterin, die am Montagabend einen Anruf von einem falschen Polizisten bekam. Die Seniorin hat sich genau richtig verhalten. Die Frau möchte andere warnen.

Dorsten

, 11.08.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der Hervesterin, die ihren Namen hier nicht lesen möchte, klingelte am Montagabend gegen 22 Uhr das Telefon. „Es meldete sich ein Mann, der sich als Polizist ausgab“, erzählt die 74-Jährige im Gespräch mit der Dorstener Zeitung. „Da denkt man ja erst an das Schlimmste, wenn so spätabends noch die Polizei anruft: Hoffentlich ist keinem Familienmitglied etwas passiert“, so die Hervesterin.

Name auf Diskette einer rumänischen Einbrecherbande

Der - wie sich später herausstellte - falsche Polizist behauptete, ihm liege eine Diskette einer rumänischen Einbrecherbande vor, auf der sich der Name der Hervesterin befinde. „Es sagte, dass ich nachts überfallen werden solle und die Polizei wolle deshalb bei mir vorbeikommen“, so die Seniorin. Diese Aussage war der Frau aber nicht geheuer, sie reagierte geistesgegenwärtig: „Ich habe dem Anrufer vorgegaukelt, mein Schwiegersohn sei Polizist und ich werde ihn jetzt anrufen.“

Doch auch davon ließ sich der Anrufer nicht abwimmeln. „Der wirkte sehr seriös und sachlich, fragte mich, wo mein Schwiegersohn denn arbeite und welchen Dienstgrad er habe. Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass ich auf der Dorstener Polizeiwache anrufe und habe aufgelegt.“ Direkt anschließend hat die Hervesterin dann auch wirklich ihren Fall den Polizeibeamten auf der Dorstener Wache geschildert, die sie für ihr richtiges Verhalten gelobt haben.

Vorfälle häufen sich in jüngster Zeit

Ältere Menschen werden in jüngster Zeit zunehmend von Unbekannten angerufen, die sich als Polizeibeamte ausgeben und hierbei die Rufnummer örtlicher Polizeidienststellen, des BKA oder gar die Rufnummer 110 mit einer Ortsvorwahl im Telefondisplay erscheinen lassen, so die Recklinghäuser Polizei. Die Anrufer manipulieren ihre Opfer, indem sie ihnen überzeugende Geschichten über aktuelle Straftaten erzählen und sie zum vermeintlichen Schutz ihres Eigentums auffordern, Geld oder Wertgegenstände auszuhändigen.

Die falschen Polizeibeamten schildern zum Beispiel die Festnahme ausländischer Einbruchsbanden, bei denen Listen möglicher Einbruchsopfer gefunden wurden, so wie im Fall der Hervesterin. Sie fordern die Opfer auf, Wertgegenstände und Bargeld „vorübergehend“ und nur zum Schutz an einen vermeintlichen Kollegen zu übergeben. Sie geben den Opfern vor, dass diese zur Mithilfe verpflichtet seien, um die „Täter“ festnehmen zu können. In manchen Fällen werden die Opfer dazu gebracht, ihr gesamtes Vermögen von der Bank nach Hause zu holen, da Bankangestellte zu den angeblichen Straftätern gehören sollen.

Die Täter lassen nicht locker

In vielen Fällen lassen die Täter nicht locker: Durch mehrere, stundenlange und sogar tagelange Telefonanrufe erhöhen die Anrufer den psychischen Druck auf ihre Opfer, damit diese keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Die Täter gehen vollkommen skrupellos und erfindungsreich vor, je nach mentaler Verfassung des Opfers und dessen Reaktionen. Sie fordern sie teilweise auf, nur noch über das Handy zu telefonieren. Die Telefonate dauern so lange an, bis Bargeld und Wertgegenstände an der Wohnungstür oder auf der Straße übergeben oder an einem vereinbarten Ort abgelegt wurden.

Über ausländische Telefondienstanbieter sind die Täter in der Lage, jede beliebige Rufnummer im Display des Angerufenen einzublenden. Die Nummer auf dem Telefondisplay liefert daher lediglich einen Anhaltspunkt, wer der Anrufer sein kann. Sie ist keineswegs eine sichere Identifikationsmöglichkeit.

Die Polizei gibt folgende Ratschläge:

  • Falls Sie in Ihrem Telefondisplay die Rufnummer der Polizei (110) ggf. mit einer Vorwahl sehen sollten, dann handelt es sich nicht um einen Anruf der Polizei.
  • Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die Rufnummer 110 in Ihrem Telefondisplay.
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter aus, lassen Sie sich den Namen nennen und wählen Sie selbst die 110. Schildern Sie der Polizei den Sachverhalt. Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Öffnen Sie unbekannten Personen niemals die Tür oder ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu.
  • Übergeben Sie unbekannten Personen NIEMALS Geld oder Wertsachen, auch nicht Boten oder angeblichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten.
  • Wenn Sie Opfer eines solchen Anrufes geworden sind, wenden Sie sich in jedem Fall an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.
  • Vorbeugungstipps für ältere Menschen zu weiteren Themen finden Sie auf den Internetseiten des Programms Polizeiliche Kriminalprävention.
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