Abenteuerliche Drogengeschichte nach SEK-Einsatz wegen Juwelier-Überfall in Dorsten

hzGerichtsprozess

Auf der Suche nach der Beute und der Tatwaffe stürmten SEK-Männer nach einem Juwelier-Überfall in Dorsten eine Wohnung. Was sie dort fanden, entwickelt sich zur abenteuerlichen Geschichte.

Dorsten

, 05.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem vor rund einem Jahr ein Juweliergeschäft in Wulfen überfallen wurde, geriet aufgrund eines Zeugenhinweises ein 33-jähriger Mann aus Lembeck ins Visier der Ermittler. Mehrere Beamte eines Sondereinsatzkommandos (SEK) stürmten daraufhin am 27. Februar die Wohnung, in der der Lembecker mit seiner Freundin wohnt. Zwar fanden die SEK-Leute weder die erhoffte Beute noch die Tatwaffe - dafür aber Drogen.

Aussage geändert

Doch wem gehörte der Stoff? Die Lebensgefährtin des Lembeckers - gegen den die Raubüberfall-Vorwürfe inzwischen eingestellt worden sind - gab damals gegenüber der Polizei an, die Drogen seien ihre: mehr als 50 Gramm Haschisch und Marihuana, dazu Amphetamine.

Doch vor dem Dorstener Schöffengericht stellte die 28-jährige Altenheim-Mitarbeiterin das Geschehen plötzlich ganz anders dar. „Eine abenteuerliche Geschichte erzählen sie uns hier“, befand Richterin Lisa Hinkers.

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Nach Angaben der Angeklagten hat nämlich kurz vor dem SEK-Einsatz eine Nachbarin bei ihr angeschellt. „Sie fragte mich, ob sie für eine Stunde etwas bei mir unterstellen könne.“ Dass es Drogen sind, die die Bekannte da in Tüten in eine Wollmütze und in den Wohnzimmerschrank gepackt haben soll, sei der Angeklagten nach ihren Angaben sofort klar gewesen.

Zumal die Nachbarin auch einen zuvor in einem Waldstück angepflanzten Cannabis-Strauch mitgebracht habe. „So groß, dass man Christbaumkugeln hätte dran aufhängen können“ so die Angeklagte.

Unter Bewährung

„Das ist ja ein ziemlicher Zufall“, kommentierte Richterin Lisa Hinkers diese Aussagen: „Da hat man einmal im Jahr so ein Zeug im Haus und schwupps kommt das SEK.“

Hinkers mutmaßte, dass die Lembeckerin mit ihren Aussage womöglich ihren Freund schützen will, der zu dem Zeitpunkt unter Bewährung stand und den deshalb der Besitz von Drogen ins Gefängnis bringen könnte.

Das stritt die Angeklagte ab. Dass sie bei der ersten Aussage die Schuld auf sich nahm, begründete sie damit, dass sie unter Schock gestanden habe: Immerhin habe die schwer bewaffnete Polizei ihre Wohnung verwüstet, „und meinen Freund auf dem Sofa gefesselt“.

Drogen verkauft

Ihr 33-jähriger Lebensgefährte versicherte im Zeugenstand, dass weder ihm noch seiner Freundin die Betäubungsmittel gehörten. Deswegen habe es, noch bevor die Polizeibeamten anrückten, einen großen Streit gegeben, „weil sie unsere Nachbarin ins Haus gelassen hat“. Denn die sei gefährlich: „Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass sie alle möglichen Drogen aus Enschede einführt und diese im Umkreis verkauft“.

Fortsetzung folgt: Denn neben der Nachbarin sollen nun auch zwei Polizisten und eine mögliche Entlastungszeugin gehört werden.

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