Angeklagt: ein ehemaliger Apotheker aus Dorsten (hinten, links), eine Ärztin, ein angeblicher Patient. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Abrechnungs-Betrug: Ex-Apotheker vor Gericht

Ein ehemaliger Apotheker aus Dorsten soll sich mehrere hunderttausend Euro erschlichen haben. Jetzt steht er in Bochum vor Gericht.

Wenn die Anklage stimmt, dann hat ein ehemaliger Apotheker aus Dorsten das Gesundheitssystem wie einen Selbstbedienungsladen benutzt. Seit Mittwoch beschäftigt der Fall das Bochumer Landgericht. Es geht um einen Betrugsschaden von mehr als 600.000 Euro.

Der Dorstener, der seine Apotheke in einer anderen Stadt betrieben hat, soll zweieinhalb Jahre lang gefälschte Rezepte für Medikamente eingereicht haben, die nie bestellt und auch nie an Kunden ausgegeben worden sind. Laut Anklage waren darunter auch sündhaft teure Arzneien. Für manche bekam der Apotheker angeblich über 20.000 Euro.

Gefälschte Rezepte eingereicht

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er die Rezepte entweder selbst gefälscht oder verändert hat. So soll in einigen Fällen einfach die Anzahl erhöht worden sein. Zehn statt eins, zum Beispiel.

Die gefälschten Rezepte waren laut Anklage im Namen verschiedener Ärzte und auch einer Bochumer Klinik ausgestellt – ohne deren Wissen. Auch die Patienten, die die Medikamente angeblich erhalten haben, wussten von nichts. In einem Fall war eine Patientin sogar schon verstorben. „Er löste die Rezepte nur auf dem Papier ein und erweckte dabei den Anschein, dass er die Medikamente bestellt und ausgeliefert hat“, heißt es in der Anklageschrift.

Ärztin mit auf der Anklagebank

Es soll aber auch Ärzte gegeben haben, die mit dem Dorstener gemeinsame Sache gemacht haben. Sie sollen sogenannte Gefälligkeitsrezepte ausgestellt haben, in dem Wissen, dass es nur darum ging, die Kosten von den Krankenkassen erstattet zu bekommen. Eine sitzt sogar mit auf der Anklagebank – eine Allgemeinmedizinerin aus Mülheim an der Ruhr. Es soll aber noch weitere Anklagen gegen Ärzte geben, über die in anderen Prozessen verhandelt wird.

Der Dorstener war im Oktober 2019 festgenommen worden und saß rund sieben Wochen in Untersuchungshaft. Wie es heißt, soll er bereits im Vorfeld des Prozesses ein Geständnis abgelegt haben.

Jetzt droht Gefängnis

Vonseiten der Staatsanwaltschaft ist ihm bereits unverbindlich signalisiert worden, dass man sich eine Strafe zwischen drei und dreieinhalb Jahren Gefängnis vorstellen könne. Das Gericht hat sich dazu noch nicht geäußert.

Ein dritter Angeklagter ist ein Bekannter des Ex-Apothekers. Er soll seinen Namen als angeblicher Patient hergegeben haben.

Was der ehemalige Apotheker mit dem Geld gemacht hat, ist nicht bekannt. Am ersten Verhandlungstag wurde im Wesentlichen nur die Anklage verlesen. Dazu gehörte im Fall des Dorsteners auch noch der Vorwurf der Steuerhinterziehung. Dabei geht es um weitere rund 300.000 Euro.

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