Gefälschte Abrechnung in Altenpflege: KKH-Ermittlerin deckt Betrug auf

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Die Altenpflege ist ein lukratives Geschäft. Ärzte, Apotheker, Altenheime und Ambulante Pflegeeinrichtungen leben davon. Die KKH hat jetzt einen Betrugsfall in Dorsten aufgedeckt.

Dorsten

, 19.08.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rezepte fälschen, nicht erbrachte Leistungen abrechnen, sich unzulässig Aufträge zuschieben oder Höchstsätze für unqualifiziertes Personal abkassieren: Die Liste von Betrügereien im Gesundheitswesen ist lang. Der Prüfgruppe Abrechnungsmanipulation der Kaufmännischen Krankenkasse gingen auch im vergangenen Jahr bundesweit wieder etliche Täter ins Netz. Darunter ein ambulanter Pflegedienst aus Dorsten.

476 Fälle neu aufgedeckt, mehr als eine Million Euro Schaden

476 neu aufgedeckte Fälle registrierte die KKH 2019. Das sei ein deutlicher Anstieg um rund 55 Prozent im Vergleich zu 2018 mit 308 Fällen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Kasse.

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Dina Michels, Ermittlerin bei der KKH, sagte auf unsere Anfrage, dass bei der jährlichen Routinekontrolle des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse auch ein ambulanter Pflegedienst aus Dorsten aufgefallen sei: „Es wurden ein paar hundert Euro zuviel bei einem Leistungskomplex abgerechnet“, so die Beauftragte zur Fehlverhaltensbekämpfung bei der KKH.

Die Kasse habe den zuviel gezahlten Betrag vom Pflegedienst in Dorsten zurückgefordert. In diesem Fall sei das Geld zurückerstattet worden. „Das ist aber nicht immer so“, sagte die Ermittlerin.

Diese Statistik zeigt die Zahl der Ermittlungsfälle bei der KKH an.

Diese Statistik zeigt die Zahl der Ermittlungsfälle bei der KKH an. © Kaufmännische Krankenhasse

Der KKH sei durch bewusste Falschabrechnungen allein in 2019 bundesweit ein Schaden in Höhe von mehr als einer Million Euro entstanden. In 29 Fällen erstattete die Krankenkasse Strafanzeige. „Dazu gehören beispielsweise die Machenschaften eines Radiologen. Dieser rechnete Röntgenkontrastmittel unrechtmäßig über Unternehmen ab, die sich praktisch in Familienbesitz befinden. Erzielter Gewinn: 17,3 Millionen Euro“, heißt es in der KKH-Mitteilung. Insgesamt konnte die KKH im Jahr 2019 rund 700.000 Euro zurückholen, die auch auf Fälle und Forderungen der vergangenen Jahre entfallen.

Ambulante Pflegedienste führen bei Falschabrechnungen

Laut Statistik der Kasse führten die Ambulanten Pflegedienst die Liste bei den falschen Abrechnungen an. „Traurige Nummer 1 bei den Neufällen bilden wie bereits im Vorjahr ambulante Pflegedienste. „Auf ihr Konto gehen 210 Fälle und damit knapp die Hälfte aller bei der KKH in 2019 eingegangenen Fälle“, so Michels.

Schummeleien zahlen sich aber nicht aus, da die Kontrollen durch die Medizinischen Dienste nicht nur stichprobenartig, sondern alljährlich minutiös durchgeführt werden. Zu den Routinekontrollen sind aber auch Tipps von in- und auswärtigen Beobachtern wertvoll für die Kasse: 557 Hinweise gingen 2019 bei der KKH ein, bei 476 davon wurden Prüfungen eingeleitet. Zu den Hinweisgebern zählen auch andere Ersatzkassen: „Mit ihnen arbeiten wir eng zusammen“, sagte die Ermittlerin.

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