Ärztin zu Geldbuße verurteilt

DORSTEN / MÜNSTER Zu einer Geldbuße von 3000 Euro verurteilte das Berufsgericht für Ärzte am Verwaltungsgericht Münster am Mittwoch eine 51-jährige Ärztin aus Dorsten. Außerdem erteilte das Gericht der Frau einen Verweis.

von dpa

, 09.01.2008, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ärztin hatte nach Aussagen von Zeugen schwerstkranke Patienten zum Abbruch schulmedizinischer Therapien veranlasst und Alternativmethoden gegen die Zahlung von 1000 Euro in bar angewandt. Dabei sollte durch bestimmte Stromzuflüsse der Körper von Krankheitserregern befreit werden. Unter anderem war Bestandteil der Therapie, dass eine eigens aus der Pathologie angeforderte Gewebeprobe des Krebsgeschwüres auf eine Metallplatte in Form eines Keksdosendeckels gelegt und mit Elektroden an den Körper des Patienten angeschlossen wurde.

Die Ärztin hatte nach Aussagen von Zeugen schwerstkranke Patienten zum Abbruch schulmedizinischer Therapien veranlasst und Alternativmethoden gegen die Zahlung von 1000 Euro in bar angewandt. Dabei sollte durch bestimmte Stromzuflüsse der Körper von Krankheitserregern befreit werden. Unter anderem war Bestandteil der Therapie, dass eine eigens aus der Pathologie angeforderte Gewebeprobe des Krebsgeschwüres auf eine Metallplatte in Form eines Keksdosendeckels gelegt und mit Elektroden an den Körper des Patienten angeschlossen wurde.

Tropfen für alle

Zum Preis von 100 Euro pro Packung verkaufte die Ärztin auch Tropfen, die dreimal täglich nicht nur der Patient selbst, sondern auch dessen Angehörige und sogar der Hund der Familie einnehmen musste, wie ein Zeuge berichtete. Ferner durfte den Angaben zufolge nur noch mit Plastikbesteck gegessen werden, nicht mehr telefoniert und nicht mehr ferngesehen werden. Selbst die eigenen Enkel durften sich den todgeweihten Patienten nicht nähern. Das Gericht stellte schließlich fest, die Betroffenen hätten durch die Therapie einen Verlust an Lebensqualität erlitten.

„Ich werfe ihr vor, dass sie mit dem Leid anderer Geld macht“, sagte die Witwe eines verstorbenen Krebspatienten als Zeugin vor Gericht. Der Anwalt der Ärztekammer Westfalen-Lippe sagte in seinem Plädoyer, es habe in dem Handeln der Ärztin „eine offensichtliche Verbindung von Profit und Heilversprechen“ gegeben. Auch das Gericht erkannte in der Urteilsbegründung, der Preis für die fragwürdige Therapie und die dagegenstehende Leistung stünden „in einem problematischen Verhältnis“. Die von der Ärztin verkauften Geräte sind im Internet nach Angaben des Gerichts zum Preis von knapp 30 Euro erhältlich.

Therapiefreiheit

Der vom Gericht bestellte Sachverständige, Prof. Arndt Büssing von der Universität Witten/Herdecke sagte, die angewandte Methode erfülle die Charakteristik der Scharlatanerie. „Es kann ganz klar gesagt werden: Einen Nutzen hat diese Therapie auf keinen Fall.“ Die Anwälte der Ärztin, die selbst krankheitsbedingt nicht vor Gericht erschienen war, beriefen sich auf die Therapiefreiheit. Die Medizinerin habe an ihre Methode geglaubt und niemandem Schaden zugefügt.

Die Medizinerin darf weiter praktizieren.

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