Andreas Hülsmann kocht in Thyssens Schloss und im Fernsehen

hzTV-Küche in Hervest

Dorsten hat rund 76.000 Einwohner, zwei Sterne-Restaurants und sogar drei Fernsehköche. Andreas Hülsmann sorgt neben Frank Rosin und Björn Freitag für diese erstaunliche Quote.

Hervest

, 24.12.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

An Heiligabend wird er die ganze Familie mit seinem Lieblingsessen verwöhnen. Während viele Hobbyköche sich am Fest mit komplizierten Rezepten für Gänse und Truthähne, Rinderfilets und Schweinemedaillons herumschlagen, gibt es bei Profi Andreas Hülsmann Burger. Nicht vom nächstgelegenen Drive-in, aber vom Grill. Während er das erzählt, piepst es in der Küche seines Hauses in Hervest: „Ach, das sind nur die Spareribs im Sous-Vide-Bad“, gibt er Entwarnung.

Spareribs? Sous-Vide? Seit 20 Stunden garen die Rippchen im Vakuumbeutel bei niedriger Temperatur im Wasserbad, erzählt er. Und danach? „Heute Abend kommen sie auf den Grill“, schwärmt Hülsmann, „und ruckzuck ist ein herrliches Essen fertig.“

Der Koch liebt Burger und andere schnelle Kost

Im Job, für seine Gäste, hat Andreas Hülsmann schon alles gekocht, aber er selbst sei ein Fast-Food-Junkie, behauptet seine Frau. Der 47-Jährige widerspricht nicht, beeilt sich aber klarzustellen, dass schnelle Küche nicht gleichbedeutend mit schlechter Küche sein müsse. Ehrlich gibt er aber zu, dass er sich hin und wieder auch schon mal einen Burger, Döner oder eine ehrliche Currywurst gönnt.

Deshalb hatte er einst auch vollstes Verständnis für die schlechte Laune einer Kundin, die ihren Mann in ein Dorstener Restaurant begleitete, obwohl ihr der Sinn eigentlich nach Gyros mit Pommes stand. Sie bekam dann ihre Leibspeise, inklusive Tsatsiki. Alles zu ihrer größten Zufriedenheit frisch zubereitet von Andreas Hülsmann.

Experimente mit klassischen Gerichten: Sauerbraten-Schnitzel

Hülsmann bürstet gern mal die klassische Küche gegen den Strich. Dafür muss man die allerdings erst einmal beherrschen. Nachdem er seiner Mutter als Kind schon gern in der Familienküche zur Hand gegangen war, erlaubte er sich nach der Schule einen kurzen Ausflug in eine Ausbildung zum Chemikanten. „Der ursprüngliche Wunsch nach einer Kochausbildung gewann jedoch schnell wieder die Oberhand“, erinnert sich Andreas Hülsmann. „Mein Chef hatte Verständnis und entließ mich aus dem Ausbildungsvertrag, sobald ich eine Lehrstelle als Koch gefunden hatte.“

Die fand der gebürtige Dorstener im Rekener Waldgut Frankenhof. „Dort habe ich zum Beispiel gelernt, Wild fachgerecht zu zerlegen. Das hat mir in späteren Jahren ganz viel genützt.“ Beim Fleisch macht dem Koch so schnell niemand was vor: Aus dem Sommerurlaub auf Texel hat er sich in diesem Jahr einen ganzen Rinderrücken mitgebracht. Der durfte im Dry-Age-Kühlschrank im Keller reifen, bevor er scheibchenweise auf den Grill kam.

Selbstständigkeit nach Lehr- und Wanderjahren

Von Dry Age, Sous-Vide, Beefer, Gasgrills und vielen anderen Küchenhelfern war noch nicht die Rede, als Andreas Hülsmanns Lehr- und Wanderjahre begannen, die ihn unter anderem ins La Vie, ins Feierabendhaus Marl und ins Hotel-Restaurant Grewer führten. Bei Frank Rosin kochte er in der Wulfener Sterne-Küche und im Opus One in Hervest. Im Gasthof Kruse und mit einer Tapas-Bar erprobte er die Selbstständigkeit, die wenig Zeit für ein Leben jenseits der Arbeit ließ.

Seitdem war er in verschiedenen Restaurants als Angestellter tätig, unter anderem im Raesfelder Landhaus Keller und im La Vela in Dorsten. Bei Frank Rosin kam Hülsmannn erstmals mit dem Kochen im Fernsehen in Kontakt - und fand Spaß daran. Von 2001 bis 2005 war er bei TV NRW in der Sendung „Echt Lecker“ zu sehen. Seit 2013 ist er als TV-Koch in der Kabel1-Sendung „Abenteuer Leben“ unterwegs. Etwa einmal im Monat entert seither ein Produktionsteam mit Kameramann, Ton-Assistent und Redakteur seinen Garten am Sperlingswinkel, wo Hülsmann sich ein schmuckes Garten-Koch-Haus eingerichtet hat.

Weihnachtsmenü lief am 19. Dezember im Fernsehen

Dort hat er zuletzt am 24. November das Weihnachtsmenü für die Sendung am 19. Dezember gekocht: Mit Carpaccio von der Roten Bete, Pulled-Goose-Burger mit Wurzelgemüse, Kürbissuppe in einer Brottasse und einem Lebkuchen-Pannacotta hat er wieder mal unter Beweis gestellt, dass er gern mit Klassikern experimentiert und sie in neuem Gewand präsentiert. Noch ausgefallener als gezupfte Gans ist sicher das Schnitzel vom Sauerbraten, abgeschnitten vom großen, fertigen Braten, paniert in Pankomehl. „Dazu schmecken Rotkohl und Klöße“, hält Andreas Hülsmann den Skeptikern entgegen, „aber auch Pommes und Salat.“

Für „Abenteuer Leben“ hat er auch schon Fertiggerichte gepimpt und gegen Roboter gekocht. Auch Bauch-Beine-Po waren schon sein Thema. Da ging es übrigens nicht um die Figur, sondern um die Fleischstücke aus der jeweiligen Körperregion.

Auf Schloss Landsberg wird für Gäste von ThyssenKrupp gekocht

Während die Fernsehzuschauer seine Kreationen nur durch Nachkochen probieren können, kommen die Gäste von Schloss Landsberg in Essen-Kettwig seit 2012 täglich in diesen Genuss. Das sorgsam restaurierte Schloss diente einst dem Industriellen August Thyssen als Wohnsitz. Der bestimmte testamentarisch die Gründung der August-Thyssen-Stiftung Schloss Landsberg und damit den Erhalt der Anlage. Seit den 1990er-Jahren dient es als Tagungs- und Seminarstätte der Thyssen AG. Weder das Schloss noch die Gastronomie sind öffentlich zugänglich.

In Kettwig bekocht Hülsmann im Schichtdienst kleine und große Gesellschaften. Manche Schicksalsentscheidung fürs Unternehmen ist dort schon gefallen, während er in der Küche aus frischen Zutaten die verschiedensten Menüs gezaubert hat.

Zutaten aus der Region

Umweltbewusst, kostengünstig und lecker

Auf seiner Homepage hat Andreas Hülsmann sein Credo als Koch verewigt: „Die wichtigsten Komponenten in der Küche sind bei mir Qualität und Frische. Dafür verwende ich hochwertige regionale und saisonale Zutaten. Zwar bekommt man inzwischen alles, was das Genießer-Herz begehrt – zu jeder Jahreszeit. Wer sich aber – vom sehr viel besseren Geschmack einmal abgesehen – umweltbewusst, geschmacksintensiv und außerdem kostengünstig ernähren möchte, der sollte wissen, welche Produkte gerade Saison haben. Immer mehr Gäste informieren sich zudem auch über die Herkunft der Speisen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, regionale Anbieter zu stärken, lange Transportwege zu vermeiden und die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen zu fördern.“
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