Angeklagter: „Würde am liebsten schamvoll im Boden versinken“

hzProzessauftakt in Essen

Ein Mann aus Hervest nimmt einen Freund und dessen Sohn bei sich auf. Danach passieren Dinge, die ihm heute furchtbar peinlich sind. Vor Gericht kämpft er nun um seine Freiheit.

Essen, Dorsten

, 13.10.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Essener Staatsanwaltschaft hat den 54-jährigen Hervester unter anderem wegen Kindesmissbrauchs und des Besitzes kinderpornografischer Fotos angeklagt. Die Vorwürfe wiegen schwer. Und vor allem kann der Mann selbst kaum darüber sprechen. „Er möchte am liebsten schamvoll im Boden versinken“, sagte Verteidiger Bernd Kachur zu Prozessbeginn.

Im Chat kennengelernt

Mit zunehmender Verhandlungsdauer gab der Angeklagte dann aber auch selbst immer mehr preis. Er erzählte, wie er 2017 in einem Internet-Chat einen Mann kennenlernte und sich schon bald sicher war: „Das sollte eine Beziehung werden.“ Gleich beim ersten Treffen eröffnete ihm der andere Mann jedoch, dass er gerne ein paar Tage in Hervest übernachten würde. „Seine Frau hatte ihn rausgeschmissen“, so der Angeklagte am Montag.

Freund war verheiratet

Bis zu diesem Tag habe er nichts von der Ehe seines neuen Freundes gewusst. Und es kam noch krasser. Irgendwann soll ihm der andere Mann eröffnet haben, er würde auch gerne mal seinen damals acht Jahre alten Jungen mitbringen. „Das war ein ziemlicher Rabauke“, erinnerte sich der 54-Jährige.

Der Junge muss in den folgenden Tagen und Wochen einige schlimme Momente erlebt haben. Der Angeklagte gab zu, dass er und sein Partner vor dem Augen des Kindes Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Sein Freund hätte jedoch alle Gewissensbisse schnell beiseite gewischt: „Der kennt das alles schon.“

Zahlreiche Kurznachrichten

Nach dem Auszug von Vater und Sohn soll es dann immer wieder zum Versand von Kurznachrichten mit eindeutigem sexuellen Inhalt gekommen sein. Und nicht nur der Erwachsene, auch das Kind selbst hätten diese Nachrichten bekommen, sagt die Staatsanwaltschaft. „Geh mal rüber zu deinem Papa, der hat was für dich“, gehört noch zu den harmlosesten Sätzen.

Inzwischen will der Hervester nichts mehr von dem anderen Mann wissen. Die ganze Sache würde ihn doch sehr mitnehmen, sagte er den Richtern. Verteidiger Kachur ist jedoch sicher, dass sein Mandant den Prozess auch als Chance begreift, zu seinen Fehlern zu stehen. „Er ist irgendwann von erlaubter zu unerlaubter Sexualität abgerutscht“, so Kachur.

Wohnungsdurchsuchung im März

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Hervest sollen schließlich im März 2020 ein Handy und ein Computer mit zahlreichen verbotenen Fotos sichergestellt worden sein. „Ich mag zehnjährige Jungen“, soll der Angeklagte einmal einem Freund per WhatsApp geschrieben haben. Er habe das vorher nicht gewusst, sei sich jetzt aber sicher.

Zum Prozess wurde er dagegen von einem langjährigen Freund begleitet. Der hat ihn bei sich zu Hause aufgenommen.

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