Für viele Paare birgt die aktuelle Lockdown-Situation Konfliktpotenzial. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Paare im Lockdown

„Auch die guten Früchte ernten“: Tipps für Paare im Corona-Konflikt

Zum Valentinstag hängt bei vielen Paaren der Haussegen schief. Eine Dorstener Paartherapeutin kennt die Gründe und verrät, wie ein Wechsel des Rahmens bei der Konfliktbewältigung hilft.

Helga König-Greiling ist Paartherapeutin und gerade im zweiten Lockdown besonders gefordert. „Im ersten Lockdown war die Entwicklung weniger dramatisch, als wir es erwartet hatten. Jetzt treten deutlich mehr Schwierigkeiten auf, auch bei langjährigen Paaren“, berichtet die Therapeutin, die seit 25 Jahren eine Praxis für Paar- und Einzeltherapie in Dorsten leitet.

Gründe dafür seien der ständige enge Kontakt und eine übersteigerte Erwartungshaltung an den eigenen Partner. „Die eigene Unzufriedenheit wird auf den Partner als Projektionsfläche übertragen. Schwierig wird es, wenn Paare gegenseitig voneinander erwarten, dass der andere einen glücklich macht“, erklärt Helga König-Greiling.

Durch die fehlende Ablenkung und den Wegfall von direkten Gesprächen mit Freunden und Bekannten können sich Probleme im Alltag immer mehr auftürmen. „Kleinigkeiten werden dann teilweise zum totalen Ärgernis“, berichtet die Paartherapeutin. Statt dem anderen Vorwürfe zu machen, sollte man seine Bedürfnisse möglichst als Wunsch formulieren.

Andere Bewertung kann Situation verändern

Was hilft aber gegen den ständigen Streit im Lockdown? „Es geht immer um die Bewertung einer Situation“, beschreibt Helga König-Greiling. Als Beispiel nennt sie die Aufregung eines Partners darüber, dass der andere den Wäschetrockner im Standby-Modus gelassen hat, statt ihn auszustellen. „Er könnte auch denken: Mein Partner hat die Wäsche eingeräumt, ich sollte sie also ausräumen“, will die Therapeutin die unterschiedlichen Herangehensweisen verdeutlichen.

Wichtig bei Konflikten sei oft ein sogenanntes „Reframing“, also der Situation einen anderen Rahmen zu geben. Fragen, die man sich dabei stellen könnte, sind laut Helga König-Greiling: „Warum liebe ich eigentlich meinen Partner?“ und „Was kann ich tun, damit der oder die andere glücklich ist?“

Fünf positive Dinge für ein negatives Feedback

Dann könne man die besondere Zeit gut zusammen meistern. „Man muss auch die guten Früchte ernten, nicht nur die faulen“, beschreibt die Therapeutin bildlich die Wichtigkeit, positive Dinge wahrzunehmen. „Wenn ich etwas Negatives sage, sollte ich dem Partner gleichzeitig mindestens fünf positive Dinge sagen“, rät Helga König-Greiling.

Helga König-Greiling betreibt eine Praxis für Paar- und Einzeltherapie in Dorsten. © privat © privat

Der Lockdown biete auch die Chance, in der vielen gemeinsamen Zeit Probleme aufzuarbeiten, die ansonsten unter den Teppich gekehrt werden. „Man kann lernen, sich aufeinander zu verlassen“, glaubt die Dorstenerin.

Besondere Kleinigkeit kann helfen

Am Valentinstag, von dem Helga König-Greiling selbst kein großer Fan ist, könne gerade bei Paaren mit Schwierigkeiten eine besondere Kleinigkeit weiterhelfen. „Vielleicht kann man dem Partner einen kleinen Brief schreiben“, nennt sie eine Möglichkeit, um dem Partner zu zeigen, was man gut an ihm oder ihr findet.

Dass nicht immer alles rund läuft, sei aber ganz normal. „Wenn ich zu 70 Prozent mit meinem Partner zufrieden bin, bin ich noch im grünen Bereich“, meint Helga König-Greiling.

Über den Autor
Volontär
Berichtet gerne von Menschen, die etwas zu erzählen haben und über Entwicklungen, über die viele Menschen sprechen.
Zur Autorenseite
Avatar

Haltern am Abend

Täglich um 19:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt