Autofahrer überfährt Stoppschild: 16-jähriger Junge stirbt

hzGerichtsprozess

Weil er ein Stoppschild überfahren hat, kollidiert ein Autofahrer in Dorsten mit einem 16-jährigen Zweiradfahrer. Zwei Wochen später stirbt der Junge. Nun steht der Unfallfahrer vor Gericht.

Dorsten

, 10.07.2019, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er hat mit seinem Wagen am Stoppschild nicht angehalten, das räumte der 32-Jährige mit tränenerstickter Stimme ein. Ein fataler Verkehrsverstoß, der eine dramatische Kettenreaktion in Gang setzte.

Denn der Autofahrer kollidierte mit einem 16-jährigen Leichtkradfahrer, der daraufhin stürzte und ins Dorstener Krankenhaus gebracht wurde. Zwei Wochen später wurde der inzwischen in eine Gelsenkirchener Klinik verlegte Jugendliche, dessen Zustand sich immer mehr verschlimmert hatte, von den dortigen Ärzten für tot erklärt.

Ampelanlage war am Unfalltag ausgefallen

Wegen fahrlässiger Tötung muss sich der Autofahrer seit Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten. Der Unfall mit den bösen Folgen passierte am 16. Februar 2018 um 16.15 Uhr auf der viel befahrenen Kreuzung Kirchhellener Allee/Gladbecker Straße/Auf der Bovenhorst. Die Ampelanlage, die sonst dort den Verkehr regelt, war an jenem Tag ausgefallen - die Verkehrsteilnehmer mussten also umso mehr auf die Verkehrsschilder achten.

Der junge Zweiradfahrer fuhr auf der Gladbecker Straße Richtung Stadt, hatte Vorfahrt. Laut Gutachter war er mit 41 km/h unterwegs, erlaubt waren ihm 50 km/h. Der Dorstener Angeklagte kam aus der Straße „Auf der Bovenhorst“, einer 30er-Zone. Statt wie vorgeschrieben an der weißen Linie anzuhalten, beschleunigte er sein Auto kurz vor der Kreuzung. „Ich wollte schnell rüber“, sagte er aus.

Unfallopfer bis zur Mittelinsel mitgeschleift

50 km/h habe der Unfallfahrer auf dem Tacho gehabt, ermittelte ein Sachverständiger später. „Plötzlich hat es geknallt“, so der Angeklagte. Den Zweiradfahrer habe er nicht gesehen, „die Sonne stand sehr tief“.

Das Unfallopfer wurde vom Auto auf die Mittelinsel geschleift, dort kümmerten sich Ersthelfer um den Jungen. „Er hat eigentlich keine großen Verletzungen erlitten“, erklärte ein medizinischer Gutachter, der den 16-Jährigen Anfang März 2018 obduziert hatte: Eine Lungenprellung, Abschürfungen am Knie, eine kleine Blutung im Gehirn, „ansonsten schien alles in Ordnung zu sein“.

Mediziner als Zeugen angefordert

Auf Antrag des Verteidigers sollen nun beteiligte Mediziner aus dem Rettungswagen sowie aus den beiden Krankenhäusern als Zeugen gehört werden. „Vielleicht hat ja eine weitere bislang unbekannte Ursache zu dem Tod geführt“ so der Anwalt: Gesetzt den Fall, es ist im Krankenhaus zu einem Behandlungsfehler gekommen, sei sein Mandant nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen.

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