Coronavirus: Im AWO-Seniorenzentrum gelten jetzt noch strengere Regeln

hzCoronavirus

Das AWO-Seniorenzentrum in Barkenberg hat seine Schutzmaßnahmen abermals verschärft. Gegessen wird nur noch auf dem Zimmer. Frische Luft schnappen geht nur unter strengen Auflagen.

Wulfen-Barkenberg

, 01.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) verschärft die Schutzmaßnahmen in ihren Seniorenheimen. Aktuell gebe es große Engpässe bei der Beschaffung von Schutzausrüstung wie Brillen, Gesichtsmasken, Handschuhen und Desinfektionssmittel, teilte der AWO-Bezirksverband Westliches Westfalen mit.

„Wir zahlen zurzeit völlig überhöhte Preise für das Schutzmaterial“, sagte Geschäftsführer Uwe Hildebrandt, „wenn wir überhaupt noch welches bekommen!“

Die neuen Maßnahmen wurden vor allem mit Blick auf Einrichtungen angeordnet, in denen es positive Corona-Fälle gibt: So werden sämtliche Bewohner eines betroffenen Bereichs in einer gesonderten Quarantäne versorgt. Generell dürfen Bewohner einer betroffenen Einrichtung ihr Zimmer nicht mehr verlassen. In allen Einrichtungen werden außerdem Türgriffe, Lichtschalter und Handläufe mehrmals täglich desinfiziert.

Bislang kein bestätigter Fall in Barkenberger Einrichtung

Im Barkenberger Seniorenzentrum der AWO gab es bislang keinen bestätigten Corona-Fall. Zwar wurden schon einige Mitarbeiter getestet, die Tests seien aber negativ ausgefallen, berichtet Einrichtungsleiterin Sonja Schroer-Klösener: „Alle sind im Dienst und versuchen, alles irgendwie aufrecht zu erhalten.“

Gegessen wird nur noch auf dem Zimmer. Aus hygienischen Gründen werden die Mahlzeiten in Einweggeschirr serviert. Anfang der Woche hat das Team in Barkenberg Verstärkung bekommen. Damit Verwaltung und Pflegekräfte etwas entlastet werden, kümmert sich jetzt jemand im Eingangsbereich um die Post oder öffnet bei Bedarf die ansonsten verschlossene Tür.

Student hilft in der Hauswirtschaft

„Ein junger Mann hat außerdem von sich aus angeboten, uns an zwei Tagen die Woche zu unterstützen“, sagt Sonja Schroer-Klösener. Der Student soll vor allem in der Hauswirtschaft eingesetzt werden, beim Desinfizieren und Wäsche annehmen. „Dafür sind wir total dankbar!“

Jetzt lesen

Die meisten Bewohner seien sehr geduldig, berichtet die Einrichtungsleiterin. „Einige haben aber auch Angst und fragen, wann sie wieder raus können.“ Weil das Seniorenzentrum in Barkenberg keinen eingezäunten Garten hat, können Bewohner immer nur einzeln und in Begleitung eines Mitarbeiters frische Luft schnappen. Denen, die bis vor einigen Tagen kleinere Besorgungen im Ort noch selbst erledigt haben, fehlt dieser Freigang jetzt.

Auch die allermeisten Angehörigen reagieren mit Verständnis auf das Besuchsverbot, heißt es aus dem Seniorenzentrum. Anrufe sind möglich, Karten können geschrieben werden, Blümchen oder kleine Aufmerksamkeiten werden unter Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen an Bewohner weitergeleitet.

Videotelefonie und Einkaufsdienst geplant

Der AWO-Bezirksverband arbeitet außerdem daran, Videotelefonie in seinen Seniorenheimen zu ermöglichen und baut ein Netzwerk auf, um alte Menschen vor Ort mit einem Einkaufsdienst zu unterstützen.

Zudem fordert die AWO, mehr Corona-Tests in den Seniorenheimen durchzuführen. Eine höhere Testfrequenz sei wichtig, um mehr Klarheit über die Personalsituation zu bekommen, sagt Geschäftsführer Uwe Hildebrandt. „Wenn Mitarbeiter, die beispielsweise im Urlaub waren, negativ getestet werden, dürften sie sofort wieder arbeiten. Jetzt müssen wir sie 14 Tage in Quarantäne schicken. Besucher mit negativem Testergebnis könnten wieder mit ihren Angehörigen spazieren gehen.“

Sonja Schroer-Klösener ist froh, dass ihr Team an einem Strang zieht und dass sich Mitarbeiter in allen Bereichen so flexibel wie möglich zeigen, was ihre Arbeitszeiten und ihren Einsatz angeht. „Ohne die, die jetzt gerade weit über die Norm hinaus arbeiten, wären wir alle hilflos.“

Lesen Sie jetzt