Begeisternde Balladen

DORSTEN Extraherb, aber mit schmelzender Stimme, servierten Sängerin Karin Oehler und Kontrabassist Stefan Engels "Schokoladenlieder extraherb" bei einer Veranstaltung im Alten Rathaus.

von Von Anne Ritter

, 13.01.2008, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Begeisternde Balladen

Sängerin Karin Oehler und Kontrabassist Stefan Engels servierten zartbittere Schokoladenlieder im Alten Rathaus.

Mit geschlossenen Augen kostet sie den Ton aus, langsam schmilzt er dahin, wird weicher und weicher bis er sich in dem sanften Genuss seiner selbst auflöst wie ein schmelzendes Stück Schokolade.

Jazz-Balladen

In ungewöhnlich puristischer Besetzung, nur begleitet vom virtuosen Kontrabassisten Stefan Engels, präsentierte sie ein Programm aus Jazz-Balladen, englischen Songs und französischen Chansons. Zart-bitter, edel-bitter, feinherb, extra-herb. Jede winzige Nuance hört man aus ihrer Stimme, die niemals klebrig ist, sondern klar wie Glas, heraus. Dieser unverfälschte Sopran konnte sich in der intimen Atmosphäre der Lokalität ohne elektronische Verstärkung in seiner ganzen Klarheit entfalten. Etwa bei „Les feuilles mortes“, einem Jazzstandard, den Karin Oehler auf seinen ursprünglichen Kern reduziert. Bei Chansons brilliert sie mit einer fragilen Ausdruckskraft, bei der jede satte Silbe geschmeckt wird: Mal schraubt sich ihre Stimme opernhaft in die Höhe, dann wird sie explosionsartig heraus geschmettert, um sich anschließend auf einem langen Melodiebogen auzuruhen. Schwingend resonant, poetisch perlend - und einfach traumhaft schön. Auch mit Mimik und Gestik erzählt Karin Oehler von der Melancholie und Magie der Liebe - mit einer Körperspannung, die bis in in den kleinsten Finger reicht. Der Bassist begleitet ihren Gesang in zarter Zurückhaltung, bildet aber doch den rhythmischen Halt und erlaubt sich hin und wieder improvisatorische Ausflüge.

Seufzer des Herzens

Das Duo vertont Seufzer des Herzens wie in „The way we were“ (bekannt durch Barbara Streisand), einem Song nach dem sich - beide selbst ganz verzückt - einen Blickwechsel gönnen. Wer von diesen bitter-süßen Schokoladenliedern gekostet hat, kann nicht von ihnen lassen. 

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