Klare Kante: Bei der AfD-Kritik am Petrinum geht es nicht um politische Neutralität

hzGymnasium Petrinum

Die AfD stellt die politische Neutralität des Gymnasiums Petrinum in Frage. Doch eigentlich geht es um etwas anderes. Um das, was unserer Gesellschaft wichtig ist - ein Kommentar.

Dorsten

, 06.12.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein AfD-Abgeordneter, ein Lehrer obendrein, stellt seine Kollegen in Dorsten an den Pranger. Er wirft ihnen durch die Fragen an die Landesregierung indirekt vor, politisch nicht neutral zu sein. Das ist absurd, aber auch sachlich falsch.

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Schüler und Lehrer wollten im September überlegen (!), nichts anderes steht nämlich in der internen Mail des Lehrerrates, wie sie mit der Tatsache umgehen, dass eine rechtspopulistische Partei „ihre“ Aula belegt. Das war kein Aufruf zur Meuterei, die es übrigens auch nie gegeben hat, sondern der Wunsch, über die Gesamtsituation zu reden und nachzudenken. Das ist in einer Schule durchaus üblich.

Irritationen bei vielen Menschen

Dahinter steckte damals das Unverständnis vieler Menschen, dass die Stadt Dorsten eine solche Veranstaltung in einem Schulgebäude zulasssen musste. Dahinter steckte natürlich auch die Angst der Schule, dass Eltern den Eindruck gewinnen könnten, das Petrinum sympathisiere womöglich mit der AfD. Für die Außendarstellung eines städtischen Gymnasiums wäre das fatal, für die Anmeldezahlen vermutlich auch.

Mit „Verletzung der politischen Neutralität“ hat das überhaupt nichts zu tun.

Die Kleine Anfrage der AfD richtet sich freilich nur vordergründig gegen das Petrinum. Sie ist vielmehr Teil einer Strategie. Die Rechtspopulisten geben den Neutralitätswächter, werfen Schulen und Lehrern, Behörden und sogar Bürgermeistern im ganzen Land vor, sie zu benachteiligen. Sie richten Online-Meldeplattformen ein, auf denen „Vorfälle“ an Schulen mitgeteilt werden können.

Da geht es nicht um Neutralität, sondern um Denunziantentum.

Die Partei beruft sich immer wieder auf den sogenannten „Beutelsbacher Konsens“ aus dem Jahre 1976, der tatsächlich die politische Neutralität von Lehrern vorschreibt. Darin heißt es aber auch, dass Lehrer ihre Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit politischen Entwicklungen befähigen müssen.

Schweigend geht das nicht. Sondern nur mit Aufklärung, mit Diskussion, mit der Vermittlung von Werten, die uns allen wichtig sein sollten. Eine andere Meinung und Kritik zuzulassen, gehört zwingend dazu.

So gesehen hat das Petrinum eigentlich nichts falsch gemacht.

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