Besser wenige Schultage mit Abstand als gar kein Unterricht

hzCorona-Lockerungen

Die Dorstener Grundschulen ziehen eine positive Zwischenbilanz, nachdem die Mädchen und Jungen in dieser Woche an die Schulen zurückgekehrt sind. Für die Schulen war das eine große Aufgabe.

Dorsten

, 14.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man sieht nur strahlende Gesichter.“ Schulleiter Herbert Rentmeister ist sehr froh, dass die Agathaschule endlich wieder Kinder hat. Wenngleich die Rückkehr in die sogenannte „neue Normalität“ für die Schulen eine große Herausforderung darstellt.

Jeweils eine Hälfte der Klassen 3 und 4 wurde am Montag unterrichtet, am Dienstag folgten die anderen Hälften. Am Mittwoch und Donnerstag kommen die ebenfalls halbierten Klassen 1 und 2 in die Schule zurück. Am Freitag und Montag sind dann wieder Dritt- und Viertklässler dran.

Herbert Rentmeister leitet die Agathaschule.

Herbert Rentmeister leitet die Agathaschule. © Claudia Engel

„Mit diesem kreuzweise rollierenden System“, erklärt Rentmeister, „konnten wir sicherstellen, dass jeweils die gewohnte Klassenlehrerin die Mädchen und Jungen unterrichtet und die Kinder auch in ihren gewohnten Klassenraum zurückkehren können.“

Pausenzeiten und Unterrichtsbeginn gestaffelt

Der Unterrichtsbeginn ist gestaffelt, damit auch in Pausenzeiten, die die Kinder ohnehin an unterschiedlichen Orten verbringen, so wenig Kontakte außerhalb der eigenen Gruppe wie möglich stattfinden. Durch die Schule führt ein Einbahnstraßensystem, für Eingang, Ausgang und Notbetreuung stehen eigene Türen zur Verfügung.

Das kreuzweise Rollieren hat zudem dazu geführt, dass auch Lehrerinnen aus Risikogruppen (vorerkrankt, älter als 60 Jahre) freiwillig zu „ihren“ Kindern zurückgekehrt sind und in dieser überschaubaren Gruppe das Schuljahr mit ihnen zu Ende bringen wollen.

Noch 30 Schultage bis zu den Sommerferien

Nicht einmal mehr 30 Schultage stehen bis zu den Sommerferien ins Haus, jedes Kind wird also noch siebenmal zur Schule kommen. Das stellt auch viele Familien vor Probleme, die Rentmeister und sein Kollegium an den beiden Standorten mit so viel Transparenz wie eben möglich zu lösen versuchen. „Die Eltern müssen für jedes Kind sieben Termine überblicken“, erklärt er, „wir müssen den Überblick über sieben Schultage für 400 Kinder, also 2800 Termine, behalten.“

Eine ganz besondere Herausforderung stelle der Schülerspezialverkehr dar.

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Durften sich vor Corona 50 Kinder bei freier Platzwahl in den Bus drängeln, dürfen jetzt maximal 14 Jungen und Mädchen mit Mund-Nase-Schutz auf reservierten Sitzplätzen Platz nehmen. Von der Schule haben sie Ausweise bekommen, auf denen ihr Name und ihre exakten Schultage vermerkt sind. Die zeigen sie dem Busfahrer durchs Fenster vor, um dann hinten in den Bus einzusteigen und den vorgemerkten Platz einzunehmen. Auch in den Klassen sind die Sitzplätze nicht variabel. Toilettengänge müssen vom Lehrpersonal dokumentiert werden.

Kinder kennen die Abstandsregeln schon gut

Herbert Rentmeister spricht den Kindern ein großes Lob aus: „Die kennen sich schon sehr gut aus, erinnern ihre Mitschüler an die Abstandsregeln und zeigen sich sehr diszipliniert.“ Und die Kinder? Wie mögen die sich fühlen? Herbert Rentmeister ist davon überzeugt, dass der dringende Bedarf an Kontakt mit Gleichaltrigen und Freunden den hohen Aufwand rechtfertigt, den die Schulen jetzt betreiben müssen, auch wenn es nur um eine überschaubare Anzahl von Unterrichtstagen gehe. „Die Betrachtung der Pandemie aus Virologensicht ist wichtig, aber wir sollten nicht vergessen, was Corona emotional und psychisch mit den Kindern macht.“

Manche Kinder „fremdeln“ nach der langen Pause

Während er die Kinder durchaus als fröhlich wahrnimmt, empfindet Schulleiterin Ulrike Goliath die Kinder an der Grünen Schule in Wulfen-Barkenberg als zurückhaltender und bedachter, als sie vor dem Corona-Lockdown waren. „Sie fremdeln noch ein bisschen“, sagt sie und hofft gleichzeitig, dass sich das noch gibt, wenn alle sich erstmal an die ungewohnte Situation und das andere Aussehen ihrer Schule gewöhnt haben.

Auch an der Grünen Schule wird im rollierenden System unterrichtet. Jeden Tag besuchen jeweils zwei „Jahrgangshälften“ die Schule, sodass die Mädchen und Jungen ihre gewohnten Klassenlehrer antreffen. Insgesamt habe der Neustart super geklappt.

Ulrike Goliath leitet die Grüne Schule in Wulfen-Barkenberg.

Ulrike Goliath leitet die Grüne Schule in Wulfen-Barkenberg. © Claudia Engel

Ulrike Goliath: „Wir waren spitzenmäßig vorbereitet. Auch, weil wir schon seit Wochen intensiv an Wiedereinstiegsszenarien getüftelt hatten und die Stadt uns schon längst mit allen erforderlichen Hygieneartikeln ausgestattet hatte.“

Lehrkräfte aus Risikogruppen bleiben im Unterricht

Das Ministerium habe am Donnerstag um 12 Uhr erst die jahrganghalbierende Lösung propagiert, diese um 15 Uhr wieder zurückgenommen und am Freitag um 14 Uhr wieder ausgerufen. An den Schulen werde diese Lösung für pädagogisch sinnvoll gehalten. Auch an der Grünen Schule hat sie zu einer hohen Bereitschaft von Lehrkräften aus Risikogruppen geführt, den Präsenzunterricht für „ihre“ Klasse zu übernehmen.

Goliath weiß als Sprecherin der Dorstener Grundschulen allerdings, dass die Halbierung der Klassen in zwei Lerngruppen nicht überall funktioniert: „Das klappt nur, wenn nicht mehr als 26 Schüler in einer Klasse sind, denn mehr als 14 Kinder kriegt man unter Einhaltung der Abstandsregeln gar nicht in einen Klassenraum.“ Müsse man eine Klasse in drei Gruppen aufteilen, sei das rollierende System nicht mehr zu realisieren. „Dann wird es wohl eher dazu kommen, dass pro Wochentag ein Jahrgang unterrichtet wird.“

Hauptsache Unterricht und Kontakt zwischen Kindern und Lehrern, gilt an den Schulen als Devise. Denn die Rückkehr zur Schule habe schon deutlich gezeigt, sagt Ulrike Goliath, dass es beim Homeschooling eine „große Heterogenität“ gebe. „Zu Hause konnten nicht alle gleich gut für die Schule lernen.“

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