Betrug mit Amazon-Gutscheinen: Telefonmasche bei Altbürgermeister von Dorsten

hzAmazon-Betrug

„Kaufe einen Amazon-Gutschein, und wir zahlen Dir einen Gewinn von 147.000 Euro aus.“ Betrüger haben ihr Glück auch bei Dorstens Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst versucht.

Dorsten

, 05.03.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alt-Bürgermeister Lambert Lütkenhorst macht so schnell niemand ein X für ein U vor. „Aber dieser Anruf klang zunächst dermaßen seriös“, berichtet er, „dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass die Betrüger mit dieser Masche Erfolg haben.“ Immerhin gab sich die Anruferin als Mitarbeiterin der Hamburger Notarkanzlei Bertelsmann & Kollegen aus, die ihm eine freudige Gewinn-Botschaft überbrachte.

„Einige große Zeitungsgruppen würden Preise unter ihren Lesern verlosen, und bei diesem Gewinnspiel hätte ich 147.000 Euro gewonnen, teilte die freundliche Frau mir mit“, erzählt Lütkenhorst. Er habe eine Fernsehzeitung abonniert, deshalb zähle er sich durchaus zum Leserkreis der genannten Verlage.

Amazon-Gutschein soll Verwaltungsgebühr abdecken

Als die Frau das weitere Prozedere schilderte, kamen ihm allerdings endgültig Zweifel an der Seriösität des vermeintlichen Gewinnspiels. Schnell machte er mit dem Handy einen Mitschnitt des Telefonats, während die Anruferin ihm schilderte, was er zu tun habe, um an den Gewinn zu kommen. Er solle einen 200-Euro-Gutschein von Amazon kaufen und anschließend bei der „Haupt-Notarin“ Frau Lank anrufen, um ihr die Gutschein-Nummer durchzugeben.

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Dann könne die Überweisung des Gewinns erfolgen, der auf ein eigens eingerichtetes Sparkassenkonto eingezahlt werde. Amazon sei einer der Hauptsponsoren des Gewinnspiels und habe deshalb ein bisschen Werbung verdient. Und den 200-Euro-Gutschein könne Lütkenhorst ja später noch ausgeben.

Bei der Polizei ist diese Betrugsmasche als eine von vielen bekannt

Im weiteren Gesprächsverlauf erklärte die Frau dem begriffsstutzig auftretenden Dorstener ganz geduldig, wie und wo er sich einen solchen Amazon-Gutschein beschaffen könne und was er dann tun müsse, um in den Besitz der 147.000 Euro zu kommen. Dem Alt-Bürgermeister war längst klar, dass er reingelegt werden sollte.

Zunächst klang der Anruf seriös, dann entpuppte er sich jedoch als Betrugsversuch.

Zunächst klang der Anruf seriös, dann entpuppte er sich jedoch als Betrugsversuch. © picture alliance / dpa

Davon geht auch Recklinghausens Polizeisprecher Michael Franz aus. Zwar werde der Trick mit den Amazon-Gutscheinen derzeit nicht häufiger bei der Polizei gemeldet als andere Betrugsmaschen, aber man könne wohl fest davon ausgehen, dass es keinen Gewinn gebe. Auch wenn kein Schaden entstanden sei, rät er allen Betroffenen, der Polizei solche Anrufe zu melden.

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Vor dem selbsternannten „Notariat Bertelsmann“ warnte 2017 sogar das Hamburger Finanzamt. Auch die Verbraucherzentrale kennt die Betrugsmasche zu Genüge und warnt dringend davor, sich auf ein solches „Geschäft“ einzulassen. Selbst Amazon warnt auf seinen Serviceseiten eindringlich davor, Gutscheincodes an Dritte weiterzugeben: „Sobald ein Betrüger den Gutscheincode kennt, ist der Gutscheinbetrag wahrscheinlich bereits ausgegeben, bevor Sie sich bei der Polizei oder bei Amazon melden können.“

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