Betrunkener Fahrer lässt verletztes Unfallopfer in Dorsten einfach auf der Straße liegen

hzGerichtsprozess

Eine fiese Fahrerflucht unter Alkoholeinfluss beschäftigt seit Mittwoch das Dorstener Amtsgericht. Ein 24-jähriger Dorstener muss sich dafür verantworten.

Dorsten

, 26.06.2019 / Lesedauer: 2 min

Die 62-jährige Anwohnerin wähnte sich in einem schlechten Traum, als sie sah, was sich da unterhalb ihres Balkons auf der kleinen Straße im beschaulichen Dorf Hervest abspielte: Ein Mann stand mit winkenden Handbewegungen mitten auf der Fahrbahn, als ein Auto auf ihn zusteuerte, ihn frontal anfuhr und auf die Motorhaube nahm. Der Fahrer flüchtete und ließ das verletzte Opfer auf dem Asphalt liegen.

„Alles ging so schnell“

Dieser spektakuläre Fall beschäftigt seit Mittwoch das Dorstener Amtsgericht. Angeklagt ist ein 24-jähriger Dorstener. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Geschädigten absichtlich angefahren zu haben. „Es war nur ein Unfall, ich war betrunken, es ging alles so schnell“, betonte der Angeklagte jedoch.

WM-Spiel geschaut

Die ganze Geschichte passierte im Juni des vergangenen Jahres. Der Angeklagte hatte zuvor in Dorsten am damaligen Open-Air-Stadtrand in der Innenstadt ein WM-Spiel auf der Großbildleinwand angeschaut und mit Freunden gefeiert. Er war nämlich am selben Tag vom Dorstener Amtsgericht in einer Gerichtsverhandlung freigesprochen worden.

Blutprobe: 1,6 Promille

Nach ein paar Gläsern Wein (die spätere Blutprobe ergab 1,6 Promille) setzte er sich ans Steuer seines Wagens und wollte nach Hause fahren. Auf dem Weg nach Hervest bemerkte er, dass ein dunkler VW Bulli ziemlich dicht hinter ihm fuhr. „Der rückte mir so auf die Pelle, dass ich Angst bekam und schneller gefahren bin.“

Zurück zum Stadtstrand

Schließlich habe ihn der Hintermann überholt, seinen Wagen angehalten und sei ausgestiegen. „Ich habe meinen Wagen gedreht und dann ist es irgendwie passiert.“ Zunächst hatte der Angeklagte gegenüber der Polizei erklärt, das Unfallopfer sei mit Absicht auf die Motorhaube des Wagens gesprungen – das nahm er vor Gericht zurück. Nachdem der 24-jährige nach dem Zusammenstoß geflüchtet war, fuhr er übrigens zum Stadtstrand in die Innenstadt zurück und genehmigte sich dort noch einen Energy-Drink mit Wodka: „Ich musste mich beruhigen“, sagte er aus.

Der Prozess wird fortgesetzt, dann wird das Unfallopfer angehört.

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