Bierflasche auf den Kopf: Angeklagter ins Gefängnis

Berufung zurückgezogen

ESSEN / DORSTEN Eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren fing sich ein 34-jähriger Marler im Mai vom Amtsgericht Dorsten wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung ein. Dass er gleich nach der Verhandlung androhte, seinem Kontrahenten und den Zeugen nochmals die Bierflasche über den Kopf hauen zu wollen, verhagelte ihm im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Essen jede Aussicht auf nachträgliche Bewährung

von Von Martina Ricken

, 14.07.2009, 08:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im April 2008 kam es zwischen ihm und einem Trinkkumpanen in Barkenberg zum handgreiflichen Streit. Der Angeklagte war zunächst der Unterlegene. Als sein Gegner von ihm abließ, warf der Angeklagte Bierflaschen hinter ihm her. Da sich der alkoholabhängige Marler als nicht besonders zielsicher erwies, lief er hinter seinem Kontrahenten her und schlug ihm zwei Mal mit einer Bierflasche gegen den Kopf. Eine Flasche zerbarst und fügte dem Opfer eine Risswunde zu.

Nicht mehr um den Vater kümmern

„Was wollen Sie eigentlich hier?“, wunderte sich Richter Peter Wilfinger. „Das Problem ist, wenn ich wegkomme, kann ich mich nicht um meinen Vater kümmern. Der ist 75 Jahre und schwer krank. Der muss operiert werden“, brachte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte als Argument vor.

Doch der Berufungsrichter setzte andere Prioritäten: „Was macht ihr Alkoholproblem?“ Eine siebentägige Entgiftung habe er mal gemacht, meinte der Angeklagte. „Eine Therapie würde ich jetzt wohl machen. Und Antiaggressionstraining muss ich auch noch machen“, fiel dem Marler ein.

Drohung vor dem Gerichtsgebäude

Darum hätte er sich schon seit Mai kümmern können, meinte der Richter. Doch statt nach dem Amtsgerichtsprozess seinen Bewährungshelfer zu kontaktieren, rief der 34-Jährige gleich vor dem Dorstener Gerichtsgebäude seinen Kumpel an, um ihm seine Lust zu einer Wiederholungstat mitzuteilen.„Das ist doch alles Lügerei“, brauste der Marler auf. Auch diese Reaktion nahm Richter Wilfinger wahr. „Ich rate Ihnen, die Berufung zurückzunehmen. Andernfalls schreibe ich ins Urteil auch gerne was über ihr Nachtatverhalten rein“, drohte er an.

Das könnte einer vorzeitigen Haftentlassung im Wege stehen und so gab der Angeklagte schließlich klein bei.

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