Viele Dorstener Arztpraxen sind überlastet. Das ist nicht nur wegen der aktuellen Krankheitswelle so, sondern auch weil viele Patienten Fragen zur Auffrischungsimpfung gegen Corona haben. © Manuela Hollstegge
Corona

Booster-Impfungen – Große Nachfrage, aber auch Verwirrung

Wer sich wo die dritte Spritze gegen das Coronavirus abholen kann, das ist aktuell in Dorsten sehr uneinheitlich geregelt. Der Kreis erhofft sich mehr Klarheit durch einen neuen Erlass.

Wer aktuell seinen Hausarzt telefonisch erreichen möchte, der muss oft Geduld mitbringen. Auch vor den Praxen gibt es teils lange Schlange. Das liegt nicht nur daran, dass momentan viele Menschen krank sind, sondern auch daran, dass viele neben der Grippe-Impfung unbedingt die Corona-Auffrischungsimpfung haben möchten.

„Die Nachfrage ist schon sehr groß. Wir müssen erst einmal gucken, wie wir alle unter bekommen“, sagt beispielsweise Monika Euster-Feldhaus von der Praxis Matthias Strickling in Holsterhausen. Aktuell impfe man daher erst einmal nur gemäß der STIKO-Empfehlung Patienten über 70 Jahre.

Auch in der Gemeinschaftspraxis Dr. Christiane Holtz und Dr. med. Jörg Lippert in Lembeck ist die Nachfrage nach der Booster-Impfung hoch, wie eine Mitarbeiterin auf Nachfrage bestätigt. Erhalten können die dritte Spritze dort Patienten über 70 Jahre sowie Pflegepersonal.

Hausarzt in Holsterhausen hat kleines Impfzentrum eingerichtet

Ähnlich ist es in der Holsterhausener Hausarztpraxis von Dr. Ingmar Prütz. „Wir haben sogar extra an der Borkener Straße ein kleines Impfzentrum mit zwei Ärzten für unsere Patienten eingerichtet. Anders wäre das nicht zu schaffen“, erzählt Mitarbeiterin Diellza Berisha.

Doch bei den älteren Patienten und denen aus dem medizinischen Bereich wird es nicht bleiben. Die Gesundheitsminister haben sich am Freitag (5. November) darauf geeinigt, allen Menschen sechs Monate nach der Zweit- auch die Drittimpfung anbieten zu wollen.

Kreis bekommt viele Anfragen zur Auffrischungsimpfung

Viele Anfragen zur Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhält momentan auch der Kreis Recklinghausen. Besonders die unterschiedliche Handhabung, wer aktuell eine solche Impfung erhalten kann, verunsichert. „Es ist eine sehr gemischte Lage momentan. Ich mache da aber den Arzt-Praxen überhaupt keinen Vorwurf. Die haben neben den Impfungen ja auch noch mit der aktuellen Krankheitswelle zu tun und müssen alles unter einen Hut bekommen“, sagt Kreissprecherin Svenja Küchmeister.

Nach dem aktuell geltenden Erlass seien die Hausärzte in jedem Fall der richtige Ansprechpartner für die Drittimpfung. Sollte der eigene Hausarzt die Impfung aktuell nicht durchführen, empfiehlt Küchmeister einen Blick auf die Liste der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe unter www.kvwl.de. Dort kann man nach Ärzten in der Nähe suchen, die auch Personen impfen, die nicht Patienten der Praxis sind. Bis zum 31. Oktober haben Küchmeisters Angaben zufolge 15.196 Menschen im Kreis Recklinghausen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Die Kreissprecherin gibt zu, dass die Lage momentan verwirrend ist. „Ich frage mich schon, warum man die Impfzentren nicht noch bis zum Jahresende offen gelassen hat“, sagt Küchmeister. Sie rechnet damit, dass gerade im Dezember viele Nachfragen nach der Dritt-Impfung kommen werden. Denn dann sei es genau sechs Monate her, dass die Impfpriorisierung geendet habe.

Etwas Entspannung rund um das Thema Booster-Impfung erhofft sich Küchmeister von einem angekündigten neuen Erlass, der sehr konkrete Angaben zum weiteren Vorgehen enthalten soll. „Ich rechne fest damit, dass wir mit dem neuen Erlass wieder Impfzentren eröffnen werden“, so die Sprecherin. Am Freitag kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn an, dass man die vierte Welle nur brechen könne, wenn man neben den Arzt-Praxen auch öffentliche Angebote durch Impfstellen, -busse oder -zentren schaffe.

Medizinisches Personal weiß nicht, wo es sich impfen lassen soll

Neben den älteren Menschen sind es aktuell auch viele Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich, die gerne eine Booster-Impfung bekommen möchten. „Viele davon rufen bei uns an und wissen nicht, wo sie die Impfung bekommen können, da der eigene Hausarzt erst einmal nur Patienten über 70 impft“, erzählt Küchmeister.

Auch den Mitarbeitern im Dorstener Krankenhaus sei bislang nur der Weg über den eigenen Hausarzt oder das angegliederte Medizinische Versorgungszentrum geblieben, erklärt Guido Bunten, Kaufmännischer Direktor und Prokurist am St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten. Zeitnah werde es jedoch eine Impf-Aktion im Haus mit Impfarzt Burkhard Wegener geben.

Guido Bunten, Kaufmännischer Direktor und Prokurist am St. Elisabeth-Krankenhaus Dorsten, setzt sich dafür ein, dass die Krankenhausmitarbeiter so schnell wie möglich ihre Auffrischungsimpfung erhalten. © G. Schmidt © G. Schmidt

„Die Abfrage bei den Mitarbeitern läuft bereits. Leider mussten auch hier bürokratische Hürden genommen werden und zwischen Bestellung und Lieferung des Impfstoffes liegen immer mindestens zwei Wochen“, erklärt Bunten. Viele Mitarbeiter hätten jedoch erst im Juni ihre Zweitimpfung erhalten und dürften daher erst Anfang 2022 die nächste Spritze erhalten.

„Nicht nur aufgrund der rasant steigenden Infektionszahlen empfehlen wir nachdrücklich die Booster-Impfung für unsere Krankenhausmitarbeiter“, erklärt Guido Bunten und appelliert auch noch einmal an alle Bürger, die noch gar nicht geimpft sind, ihre Zurückhaltung zu überdenken. „Die allermeisten der aktuellen Corona-Patienten im Krankenhaus sind nicht geimpft“, so Bunten.

Die Bettenkapazitäten sind auf der Intensivstation in Dorsten voll ausgelastet – es wird dort jedoch nur ein Covid-Patient betreut. Insgesamt werden in allen KKRN-Häusern zehn Patienten mit einer nachgewiesenen Corona-Infektion behandelt. „Alle Häuser sind jedoch völlig betriebsbereit. Bislang mussten noch keine Operationen speziell wegen Corona-Patienten verschoben werden“, erklärt Dr. Markus Reidt, Chefarzt Anästhesie am St. Sixtus-Hospital Haltern am See.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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