Buchhändler Apolonius Parrenin musste seit seiner Beobachtung viele Fragen beantworten. Unweit seines Wohnhauses auf der Hardt hat er die Wolfsfamilie gesehen. © Stefan Diebäcker
Wolfsgebiet Schermbeck

Buchhändler sieht Wolfsfamilie unweit einer Wohnsiedlung in Dorsten

Ein bekannter Buchhändler hat unweit seines Privathauses drei Wölfe gesehen. Es war wohl die erste Wolfssichtung in Dorsten. In der Nähe soll bald ein Kindergarten gebaut werden.

Als Apolonius Parrenin an jenem Nachmittag in seinen Garten ging, traute er seinen Augen nicht. Gebannt starrte er in der Dämmerung auf die drei Tiere, die in vielleicht 100 Metern Entfernung über die Weide liefen. Für den Inhaber der Buchhandlung König in der Dorstener Innenstadt war schnell klar, dass es sich um Wölfe handeln muss. „Ich war so fasziniert, dass ich vergessen habe, Fotos zu machen“, sagt er.

Apolonius Parrenin wohnt mit Frau und Kindern auf der Hardt. Vom Garten aus hat die Familie einen freien Blick über die Weide bis zur Fährstraße. „Ein Wolf ging voran, zwei weitere folgten ihm“, schildert der Familienvater seine etwa fünfminütige Beobachtung. Er geht davon aus, dass es sich um die Wölfin Gloria und möglicherweise zwei Jungen handelte.

„Als ein Auto über die Fährstraße fuhr, gingen die Wölfe in Deckung und legten sich platt auf die Wiese“, schildert er seine Beobachtungen, die er Ende Oktober auch auf seiner Facebook-Seite teilte. Danach zog die Wolfsfamilie weiter Richtung erstes Wohnhaus und verschwand dann aus seinem Blickfeld.

Zwischen Fährstraße und Wohnsiedlung (im Hintergrund) lief die Wolfsfamilie Ende Oktober über eine Weide auf der Hardt. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

„Das ist wie ein Lottogewinn“

Seit diesem Tag hat der Buchhändler „eine Menge Resonanz“ bekommen, wie er sagt. Nachbarn und Bekannte meldeten sich bei Apolonius Parrenin, diskutierten mit ihm das Für und Wider einer „Wolfsentnahme“. Aber auch Fachleute und Jäger riefen an. „Einer sagte mir, so eine Beobachtung sei wie ein Lottogewinn.“

Doch darauf hätte der Familienvater gerne verzichtet. Denn natürlich macht er sich Sorgen, dass die angeblich so scheuen Wölfe mittlerweile in der Nähe von Wohngebieten auftauchen. „Hier ist ja nichts gesichert, unser Gartenzaun wäre kein Hindernis für die Tiere.“ Eine Ponybesitzerin vom Hardtberg berichtete kürzlich, dass sie sich nicht mehr traut, abends joggen zu gehen. Sie wohnt in Holsterhausen.

Ob die Sorge übertrieben ist oder nicht: Am Rande der Hardter Wohnsiedlung an der Schölerswiese befindet sich ein kleiner Spielplatz, außerdem plant die Stadt Dorsten, auf einem Teil der Freifläche in den nächsten Jahren eine Kindertagesstätte zu bauen. Im Bereich der Hardt, der Altstadt und der Feldmark waren zuvor mehrere mögliche Kita-Standorte geprüft worden.

Für Eckhard Vornbrock vom Gahlener Bürgerforum ist Parrenins Beobachtung „der Nachweis, wenn auch nicht bestätigt, dass auf Dorstener Seite ein Wolf gesichtet wurde“. Bislang galt die Autobahn 31 als Grenze, die das Rudel möglicherweise noch nie überschritten hat.

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Redaktionsleiter in Dorsten
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