Der Prozess fand im Amtsgericht Dorsten statt, doch es wird eine Berufungsverhandlung vor einer Strafkammer des Landgerichts Essen geben. © Privat
Gerichtsprozess

Busengrapscher im Atlantis-Bad, Hitlergruß und böse Tritte

Üble Übergriffe werden einem Mann aus Dorsten vorgeworfen: Er soll eine Frau in der Atlantis-Sauna begrapscht, Nazi-Parolen in einer Kneipe von sich gegeben und seine Ex misshandelt haben.

„Richtig krasse Übergriffe“ – so fasste die Staatsanwältin während der Gerichtsverhandlung die Vorwürfe gegen den Mann aus Dorsten zusammen, der sich am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten musste.

Eine Kneipe in der Altstadt betrat er laut Anklage mit dem Hitlergruß, bevor er die Bedienung volltrunken mit übelsten Nazi-Parolen beleidigte und einen Gast, der eingreifen wollte, ein halbvolles Glas über den Kopf zog. In der Sauna des Freizeitbades Atlantis grapschte er einer mit einem Bademantel bekleideten Frau an den Busen und sorgte anschließend beim Eintreffen der Polizei für eine Menge Aufruhr.

Auto demoliert

Und dann soll er noch mehrfach seine Ex-Freundin geschlagen und getreten, sie bedroht und ihr Auto demoliert und dessen Reifen zerstochen haben.

Der Angeklagte wies bis zum Schluss alle Vorwürfe von sich. „Ich bin absolut unschuldig“, betonte er: „Ich habe mal bei der Polizei eine Aussage gegen einen Drogendealer gemacht und seitdem kommen immer wieder irgendwelche Vorwürfe gegen mich.“

Doch diese Geschichte kaufte das Schöffengericht dem Dorstener nicht ab – und glaubte vielmehr den Opfern und Augenzeugen der jeweiligen Vorfälle. „Einen solchen Racheakt schließen wir aus“, betonte Vorsitzende Lisa Hinkers.

Obwohl der Angeklagte „inzwischen deutlich gealtert“ und im Gerichtssaal „viel besser bekleidet als damals“ sei, war sich die Thekenkraft ziemlich sicher, dass der Dorstener der Mann ist, der sie vor anderthalb Jahren so böse provoziert hatte.

In Kontaktliste eingetragen

Der Gast, der sich damals mit dem Störenfried geprügelt hat und von ihm verletzt worden war, konnte sich am Mittwoch zwar nicht hundertprozentig an dessen Gesicht erinnern. Aber er hatte den Täter seinerzeit am gleichen Abend eine Stunde zuvor in einer anderen Kneipe gesehen und dort hatte dieser als einziger Nicht-Stammgast seinen Namen und seine Telefonnummer in einer Corona-Kontaktverfolgungsliste hinterlassen – weswegen die Polizei ihn schließlich ermitteln konnte.

Auch beim Atlantis-Fall gab es für das Gericht keine zwei Meinungen. Das Opfer der sexuellen Belästigung und auch der Saunameister, der den Vorfall zufällig beobachtet hatte, identifizierten den Dorstener eindeutig. Und auch bei den Gewalt-Vorwürfen der Ex-Freundin hatte das Gericht keinerlei Zweifel.

Berufung angekündigt

Da einige der Taten unter laufender Bewährung passiert waren, verhängte das Schöffengericht eine Haftstrafe gegen den Mann: ein Jahr und zehn Monate. Doch letztendlich wird das Landgericht als nächste Instanz zu entscheiden haben. Der Verteidiger – der viele Zeugen-Aussagen widersprüchlich benannte – kündigte nach dem Prozess an, sein Mandant wolle in Berufung gehen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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