Chöre präsentierten in Lembeck das Erzählkonzert „Hope - Eine afrikanische Geschichte“

Konzert

Der Kinder- und Jugendchor Lembeck und der Gospelchor „Good News“ luden Sonntag zum Erzählkonzert „Hope“ ein. Gesanglich eine starke Leistung, unser Autor hatte einen bitteren Beigeschmack.

von Hendrik Buecker

Lembeck

, 25.03.2019, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Chöre präsentierten in Lembeck das Erzählkonzert „Hope - Eine afrikanische Geschichte“

Der Kinder- und Jugendchor Lembeck und der Gospelchor Gladbeck sangen vor vollen Kirchenbänken in St. Laurentius. © Hendrik Bücker

Mit „Wir sind alle Kinder einer Welt“ hatte der Minichor (4 Jahre bis 2. Schuljahr) die Ehre, das Programm vor vollen Bänken in der Kirche St. Laurentius zu eröffnen, bevor unter der Leitung von Stephanie Lotz die eigentliche Performance begann.

Im Auftrag des Kinderhilfswerks „Compassion“

Bei dem Erzählkonzert „Hope - Eine afrikanische Geschichte“, dessen Einstudieren laut Lotz über ein Jahr Arbeit in Anspruch genommen hatte, handelt es sich um eine Produktion des Autoren-Ehepaars Helmut Jost und Ruthild Wilson aus Wilnsdorf im Auftrag des Kinderhilfswerks Compassion. Das auf den evangelikalen US-Prediger Everett Swanson zurückgehende Hilfswerk vermittelt Kinderpatenschaften in 25 Entwicklungs- und Schwellenländer.

„Hope“ erzählt in abwechselnd vorgetragenen Texten und Gospelsongs die Geschichte eines Jungen, der in einem nicht näher benannten afrikanischen Slum geboren wird und dank einer Patenschaft den ärmlichen Verhältnissen entfliehen kann. Maßgeblich für diese Entwicklung seien der Besuch einer Schule und einer Kirchengemeinde, die als „Oase in einer menschenfeindlichen Welt“ bezeichnet werden, in denen die Slumkinder das erste Mal Liebe und Aufrichtikeit erführen.

Drastische Schwarz-Weiß-Gegensätze

Dem gegenübergestellt wird eine Welt der Slums, in der jedes „mitfühlende Verhalten bestraft“ werde und ins Verderben führe. Trotz der teils drastischen, in Schwarz-Weiß-Gegensätzen formulierten Liedtexte wusste der Jugendchor gesanglich zu überzeugen und erntete insbesondere mit seinen Soli-Einlagen - mit und ohne musikalische Untermalung - viel Applaus.

Besonderer Dank galt am Ende der Chorleiterin Stephanie Lotz, die die beiden Chöre für das Projekt „Hope“ zusammengebracht hatte, und dem für die Lightshow und den Ton verantwortlichen Illusion Eventmanagement aus Gladbeck. Abschließend wurde für die Patenschaften des Hilfswerks Compassion geworben, dessen Vertreter für weitere Informationen zur Verfügung stand.

Dazu ein Kommentar von Hendrik Bücker. Unser Autor verbrachte selbst mehrere Wochen in Nairobi/Kenia, wo er im Rahmen eines Studienprojekts in die Slums ging, um dort mit den Menschen zu sprechen. Darunter Kibera, der lange Zeit als größter Slum Afrikas galt.

Dass das Konzert in der Kirche St. Laurentius als Werbung für die Patenschaften des christlichen Kinderhilfswerks Compassion genutzt wurde, ist eine legitime Entscheidung. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei dem vorgetragenen Werk um eine Auftragsarbeit handelt, auch keine Überraschung. Jedoch muss man sich fragen, ob das in „Hope - eine afrikanische Geschichte“ gezeichnete Afrikabild überhaupt noch zeitgemäß ist und sich die Darstellung der Slums und ihrer Bewohner nicht fernab der Realität bewegt.

Die konsequent in Absolutismen verfassten Liedtexte beschreiben eine Welt, in der Gewalt und Hoffnungslosigkeit herrsche, alle auf Gesetz und Moral pfeifen, jeder zwangsläufig kriminell und gewalttätig werde, niemand arbeite oder sich eigeninitiativ um eine Verbesserung der Situation kümmere. Einzig und allein der Besuch von Schule und Kirche (natürlich diejenigen, die von Compassion unterstützt werden) könne die Menschen aus diesem Elend erlösen.

Den Menschen und Gemeinschaften im Slum jedwede Liebe, Aufrichtigkeit und Moral abzusprechen, ist naiv. Ohne Zweifel sind die Slums dieser Welt von großer Armut, geringer Lebensstandards, hygienischer Missstände und schlechter Infrastruktur gekennzeichnet. Von einer absoluten, menschlichen und moralischen Verwahrlosung zu sprechen, ist jedoch schlichtweg falsch und unreflektiert.

Vielmehr gelingt das Zusammenleben im Slum gerade wegen eines sozialen Gefüges, das durch Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägt ist. Private Initiativen, die aus dem Slum heraus die Lebensverhältnisse verbessern wollen, oder dass die Slumbewohner lange Wege und harte Arbeit in Kauf nehmen müssen, um ihr täglich Brot zu sichern, werden in den Texten beispielsweise vollständig ausgespart.

Eines der letzten Lieder beschreibt gar ein überzogenes Bedrohungsszenario, das von denjenigen (afrikanischen) Slumkindern ausgehe, die nicht in den Genuss einer kirchlichen und schulischen Erziehung kämen und deshalb zwangsläufig gewalttätig werden würden. Hier ist die Rede von einem „Zahltag“, dass Rache süß sei und „Treibt den weißen Mann ins Meer!“

Schlussendlich bleibt der Eindruck zurück, dass Mitleid geweckt und Ängste geschürt werden sollten, um Patenschaften zu verkaufen. Bedauerlich angesichts dessen, was gerade die Kleinsten vom Minichor gleich zu Beginn die wichtigste Botschaft verkündeten: „Wir sind alle Kinder einer Welt.“

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