Die Mülltonne ist voll, außerdem hat Christian Arndt auf seiner „Rubbish Bike"-Tour noch einen weiteren Müllsack gefunden. Der 47-Jährige fährt regelmäßig durch Dorsten und sammelt Müll auf. © Bastian Becker
Müllsammelaktion

Christian Arndt sammelt mit dem „Rubbish Bike“ Müll in und um Dorsten

Christian Arndt sammelt auf den Touren mit seinem „Rubbish Bike“ rund um Dorsten Müll ein, den er auf den Wegen findet. Die Dorstener Zeitung hat ihn auf einer Fahrt begleitet.

Beim Treffen an der Hochstadenbrücke wird sofort klar: Christian Arndt fällt auf. Bevor er auf seinem Lastenrad mit der Mülltonne den ersten Abfall vom Wegesrand aufgesammelt hat, richten sich schon erste neugierige Blicke der Passanten auf ihn. „Mir ist es wichtig, dass die Leute mich sehen und ihren Müll nicht auf den Weg werfen“, versteht der Mann mit dem Rubbish-Bike seine Rolle während seiner Touren auch als lebende Präventionsmaßnahme. Denn auf frischer Tat habe er noch keinen Umweltsünder ertappt.

Da das Rubbish Bike aber nicht an allen Orten zugleich sein kann, wird immer noch Müll in großen Mengen in der Natur abgelegt. Christian Arndt, 47 Jahre alt und begeisterter Radsportler beim RSC Dorsten, will sich nicht damit abfinden. Der Gahlener fährt regelmäßig durch die Stadt und sammelt mit seiner Greifzange zahlreiche größere und kleinere Gegenstände auf. „Wegen Corona ist es mit dem Müll noch einmal deutlich mehr geworden, überall hat man Masken gesehen“, berichtet Christian Arndt. Das hat unter anderem zum Start seiner Umweltaktion vor etwa einem Jahr beigetragen.

Masken sind in Corona-Zeiten der Klassiker

Schon nach wenigen Metern auf dem Rad an der Lippe erblicken wir einen Mülleimer, der bis oben hin gefüllt ist. „Es ist natürlich auch schwierig, wenn die Mülleimer voll sind“, meint Christian Arndt. Dann aber fällt sein geübter Blick auf einen weißen Fleck am linken Wegesrand. „Das ist der Klassiker“, stellt er fest, hält kurz an und versenkt eine weiße Maske als erstes Stück in der Tonne, die er vor seinem Lenkrad aufgestellt hat. Es soll bei weitem nicht die letzte Maske bleiben, die wir auf unserem Weg erblicken. Viele Farben sind vertreten, einige liegen schon lange dort und haben sich dem Untergrund angepasst.

Masken findet man in Zeiten der Pandemie nicht selten am Wegesrand.
Masken findet man in Zeiten der Pandemie nicht selten am Wegesrand. © Bastian Becker © Bastian Becker

Wir folgen Christian Arndts Strecke, die er regelmäßig abfährt. Der Weg führt zur Schleuse. Er kennt die Stellen, an denen sich viele Leute aufhalten und an denen sonst viel Müll liegt. „Heute ist es erstaunlich sauber“, freut sich der Rubbish Biker. Beim Abgang, den wir aufgrund der Enge zu Fuß zurücklegen müssen, verfolgt uns ein Junge mit großen Augen. „Es ist wichtig, gerade die Kinder auf das Problem aufmerksam zu machen“, ist Christian Arndt überzeugt. Müll in der Natur ziehe oft Nachahmer nach sich. „Wo nichts liegt, wird auch nichts hingeworfen“, hat er bei seinen Touren oft beobachtet. An Parkplätzen werde man dagegen fast immer fündig.

Kurz vor dem Ortseingangsschild von Hervest stehen einige Autos an einer Ampel. Auf dem benachbarten Radweg findet Christian Arndt in gleicher Höhe einen Plastikbecher und ein Saftpäckchen. „Viele werfen die Sachen einfach aus dem Fenster“, glaubt der Müllsammler. Neben den Masken sind vor allem Taschentücher, Zigarettenkippen und -schachteln am häufigsten vertreten.

Wenn der Mülleimer voll ist, wie hier in der Nähe der Zechenbrücke, landet oft Abfall daneben. Christian Arndt sammelt ihn ein.
Wenn der Mülleimer voll ist, wie hier in der Nähe der Zechenbrücke, landet oft Abfall daneben. Christian Arndt sammelt ihn ein. © Bastian Becker © Bastian Becker

Christian Arndt sucht Mitfahrer, Lob von Fotografen

Wir fahren durch den Hervester Bruch, hören, wie die Störche klappern und sehen sie in der Ferne. „Ich bin gerne in der Natur und daran interessiert“, meint Christian Arndt. Die Route, bei der wir später auch noch die Wasserbüffel zu Gesicht bekommen, sei sicherlich auch für Touristen interessant. Das sagt der Gahlener nicht ohne Grund. Christian Arndt möchte in Zukunft seine Müll-Ausfahrten gemeinsam mit anderen Interessierten gestalten. Es ist erwünscht, aber keine Pflicht, dass auch die Mitfahrer dabei Müll sammeln.

Christian Arndt versenkt mit geübtem Griff den Müll in der auf seinem Rad angebrachten Tonne.
Christian Arndt versenkt mit geübtem Griff den Müll in der auf seinem Rad angebrachten Tonne. © Bastian Becker © Bastian Becker

Weitere „Müll-Hotspots“ sind die Aussichtspunkte und Sitzgelegenheiten. „Wenn man richtig sucht, findet man immer“, sagt Christian Arndt, steigt von seinem Fahrrad, sammelt Zigarettenstummel und Taschentücher auf und wirft sie in die Mülleimer, die hier durchaus vorhanden sind. „Hier liegen zahlreiche Zigarettenkippen“, erklärt er und nickt wissend Richtung Bänke. „Das ist immer so, warum?“, fragt er und erhält keine Antwort, dafür aber positives Feedback. „Fettes Lob“, übermitteln zwei Hobbyfotografen, an denen wir vorbeiradeln, und recken den Daumen nach oben.

Müllsack am Wegesrand abgelegt

Im letzten Drittel unserer Runde machen wir noch ein paar unschöne Entdeckungen. Als wir entlang der alten Bahntrasse Richtung Zeche fahren, entdeckt Christian Arndt auf der linken Seite einen blauen Müllsack. Der ist bis oben hin gefüllt und in unmittelbarer Nähe liegt auch noch Heckenschnitt im Gras. „Vielleicht kommt hier jemand regelmäßig hin und entsorgt seinen Müll“, mutmaßt der Rubbish Biker kopfschüttelnd. Allmählich wird die Fahrt auf dem voll beladenen Rad anstrengend.

Ein voller Müllsack am Wegesrand: Hier hat jemand seinen Abfall entsorgt.
Ein voller Müllsack am Wegesrand: Hier hat jemand seinen Abfall entsorgt. © Bastian Becker © Bastian Becker

„Party, Party“: Rubbish Biker sammelt Verpackungsreste auf

Kurz vor Überquerung der Zechenbrücke liegen mehrere Pizzakartons neben einem überfüllten Mülleimer. Bevor wir dann wieder den Weg Richtung Innenstadt einschlagen, ruft Christian Arndt plötzlich: „Party, Party!“ Viele Verpackungsreste auf einem Haufen, offenbar Überreste eines Picknicks von mehreren Personen sorgen dafür, dass die Tonne auf dem Rad endgültig bis oben hin gefüllt ist.

Auf seinen Touren hat Christian Arndt schon fast alles aufgesammelt. Das ist nicht immer angenehm für die Geruchsnerven. „Im Wald habe ich mal in regelmäßigen Abständen volle Pampers aufgesammelt. Die Tonne war voll bis zum Rand. Das hat gestunken“, erinnert er sich. Normalerweise führt ihn seine Tour gegen Ende zum Entsorgungsbetrieb, wo er den gesammelten Müll abgibt. Heute wirft Christian Arndt die beiden Säcke in einen Müllbehälter an der Lippe. Dann zieht er einen neuen Sack aus seiner Fahrradtasche. „So kann ich auf dem Heimweg noch was sammeln.“ Denn Müll findet man leider auf fast allen Wegen.

Für den 12. Juni (Samstag) plant Christian Arndt eine gemeinsame „Rubbish Bike“-Tour. Außerdem sammelt Christian Arndt derzeit für die Anschaffung eines Lastenrades. Weitere Informationen dazu findet man unter https://www.therubbishbike.de.

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