In Waslala, Dorstens Partnerstadt in Nicaragua, wurde jetzt der russische Impfstoff Sputnik V zugelassen und es wird bereits geimpft. © privat
Coronavirus

Corona in Dorstens Partnerstädten: Vierstellige Inzidenz und Leugner

Die Corona-Situation in Dorsten, so scheint es, entspannt sich ein wenig. In einigen Partnerstädten sieht es ganz anders aus. Da geht es um Corona-Leugner und vierstellige Inzidenzwerte.

Raj Sharma wurde nur 68 Jahre alt. Der ehemalige Bürgermeister von Crawley starb im Januar in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Er war das bislang wohl prominenteste Opfer in Dorstens britischer Partnerstadt. Eine weitere britische Partnerstadt ist Newtownabbey (Nordirland). Auch von dort gab es beunruhigende Nachrichten.

Newtownabbey: Jeder Zweite im Krankenhaus positiv getestet

„Die Corona-Pandemie übt weiterhin einen immensen Druck auf unsere Krankenhäuser in ganz Nordirland aus“, berichtete der Bürgermeister von Antrim and Newtownabbey, Stadtrat Jim Montgomery. „In unserem lokalen Krankenhaus waren zeitweise bis zu 50 Prozent aller behandelten Patienten positiv auf Covid-19 getestet.“

Die Beschränkungen in Wirtschaft und Handel werden laut Montgomery vom Großteil der Menschen akzeptiert. „Wir pflegen unsere Parks und Grünflächen, um sicherzustellen, dass diese von unseren Einwohnern für ihre täglichen erlaubten sportlichen Aktivitäten uneingeschränkt genutzt werden können.“

Mit mehr als eine Million Euro sind örtliche Unternehmen bislang unterstützt worden. Durch Gemeinde-Initiativen kam fast dieselbe Summe als Spenden hinzu. Montgomery hofft, „dass die Einwohner Dorstens gesund bleiben und den Anweisungen der Behörden Folge leisten. Wir freuen uns darauf, das Band der Freundschaft persönlich erneuern zu können, sobald es sicher und angebracht ist.“

Dormans: Der Bürgermeister kennt die exakten Zahlen nicht

Im ländlich geprägten Dormans (3.000 Einwohner) hat die Corona-Pandemie längst nicht die Ausmaße erreicht wie in den französischen Metropolen. Bürgermeister Michel Courteaux räumt ein: „Im Gesundheitssystem gibt es eine Schweigepflicht für die Mitarbeiter, sodass ich die genauen Zahlen nicht kenne.“ Courteaux weiß aber von Covid-19-Erkrankungen in einem Altenheim, in Altersresidenzen und beim dazugehörigen Personal.

Auch die Zeitungen in Frankreich berichten täglich in Zahlen und Daten über die Corona-Situation in der Region um Dormans. © privat © privat

Ein Problem ist aus Sicht des Bürgermeisters, dass das nächste große Krankenhaus-Zentrum etwa 25 Kilometer entfernt ist und zuletzt ziemlich ausgelastet war. Inzwischen aber nimmt auch die Impf-Kampagne in Frankreich Fahrt auf, die Ausgangssperre (ab 18 Uhr) gilt aber nach wie vor und wird von der Polizei kontrolliert. „Das“, sagt Michael Courteaux, „wirkt sich auch auf die Psyche aus. Es herrscht in unserer Stadt eine gewisse Katerstimmung.“

Waslala: Das Problem wird kleingeredet

Karlheinz Strötzel vom hiesigen Freundeskreis hält intensiven Kontakt zur Partnerstadt in Nicaragua. Er berichtet: „Von der nicaraguanischen Gesundheitsbehörde wurde jetzt der russische Impfstoff Sputnik V zugelassen und es wird bereits geimpft. Zurzeit verhandelt die Regierung über die Impfstoffmengenlieferung mit Russland.“

Das erstaunt, denn offiziell gibt es in Nicaragua laut Strötzel nur wenige Corona-Fälle, „die Regierung redet die Pandemie weiterhin klein“. Doch die Lage habe sich auch in vielen Krankenhäusern zugespitzt. Wer darauf aufmerksam macht, bekommt Probleme. „Mitarbeiter in Krankenhäusern werden gefragt: Warum tragen Sie eine Maske? Sie erschrecken doch nur die Patienten.“

Im Januar wurden in Waslala Desinfektionsmittel ausgegeben, um Hauptstraßen, den städtischen Markt, öffentliche Schulen und die Gesundheitszentren zu besprühen. © privat © privat

14 Mitarbeiter seien entlassen worden, erfuhr Strötzel vom Arzt und Experten für öffentliche Gesundheitssysteme, Fernando Lazcano. Sie hätten sich geweigert, die Anweisungen des Gesundheitsministeriums zu befolgen. „Sie haben Covid-19 als Ursache auf dem Totenschein eingetragen, obwohl ihnen befohlen wurde, eine Lungenentzündung, Bluthochdruck oder Diabetes anzugeben.“

In Aufklärungsveranstaltungen in Waslala über das Coronavirus stehen die Menschen dicht gedrängt und hören zu. Es gibt auch zahlreiche Seminare über das Händewaschen, sagt Strötzel. Mund- und Nasenbedeckungen wurden ab Mitte Januar in einem Hotel in Waslala angeboten. Alkoholgel wird ausgegeben, um Busse, und Taxis zu reinigen, sowie Desinfektionsmittel, um Hauptstraßen, den städtischen Markt, öffentliche Schulen und die Gesundheitszentren zu besprühen.

Hainichen: Ein trauriger Allzeitrekord

Der Inzidenzwert geht auch in Dorstens sächsischer Partnerstadt zurück, aber „von einer guten Zahl sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, sagt Oberbürgermeister Dieter Greysinger (SPD). 174 betrug der Inzidenzwert am Donnerstag (11.2.), das ist November-Niveau. Ende des letzten Jahres hatte Hainichen (8.500 Einwohner) allerdings auch mal vierstellige Werte (30. Dezember: 1.009). Nun wird das Licht am Ende des Tunnel laut Greysinger „etwas heller“.

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) sieht in seiner Stadt inzwischen ein etwas helleres Licht am Ende des Tunnels. © Falk Bernhardt © Falk Bernhardt

Gebetsmühlenartig wiederholte der Oberbürgermeister, der wie sein Dorstener Amtskollege Tobias Stockhoff viel über Facebook kommuniziert, die Bitte, sich an die Regeln und Anordnungen zu halten. Eine Erklärung für die „fatale Situation“ hat Greysinger nicht. „Beim Gespräch mit unseren Bürgern habe ich nicht das Gefühl, dass in Hainichen eine größere Undiszipliniertheit herrscht als in unseren Nachbarstädten.“

Und doch verzeichnete die Stadt im Dezember mit 43 Verstorbenen einen „Allzeit-Rekord“ (Greysinger). Wie viele Menschen setzt er seine Hoffnungen auf die Impfungen. „Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen“, fordert er die Bürger Hainichens auf, es ihm gleich zu tun.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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