Corona-Lockdown: Viele Stammgäste wollten sich noch verabschieden

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Vier Wochen Lockdown im November, vor allem die Gastronomie trifft es hart. Wie sah das letzte Ausgeh-Wochenende aus? Wir haben uns umgehört. Viele Stammgäste wollten sich verabschieden.

von Maria Dehling

Dorsten

, 01.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für viele Dorstener und Besucher der Lippestadt schien es schon am Freitagabend der Wunsch zu sein, sich noch einmal mit Freunden auf einen Wein oder ein Bier zu treffen, sich bei einem guten Essen gepflegt zu unterhalten oder einfach noch einmal zu zweit aus der Speisekarte etwas aussuchen und genießen zu dürfen.

Zwei Straßenmusikanten sorgten für die Marktbesucher am Samstagmorgen für eine schöne Stimmung.

Zwei Straßenmusikanten sorgten für die Marktbesucher am Samstagmorgen für eine schöne Stimmung. © Maria Dehling

Am Samstagmorgen oder an den Abenden war es jedoch nicht voll in den Cafes und Restaurants der Stadt, aber gut besucht. Teilweise erlaubten es die Temperaturen noch, draußen Platz zu nehmen, wenn auch mit Jacke und Decke. Die Restaurants waren vorbereitet, konnten noch einmal die Vorräte aus Kühlhäusern und Lagerräumen für ihre Gäste zubereiten. Christiane Rex vom „La Piazza“ auf dem Marktplatz, sagt: „Wir, in der Gastronomie, sind nicht der Verursacher für die steigenden Infektionszahlen. Für mich sind es vielfach die privaten Treffen, die dafür verantwortlich sind. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass jetzt etwas passieren muss. Die Zahlen explodieren.“

Christiane Rex, Inhaberin des „La Piazza", hier ein Archivfoto, hat schon Ideen für die Zeit nach dem November-Lockdown.

Christiane Rex, Inhaberin des „La Piazza", hier ein Archivfoto, hat schon Ideen für die Zeit nach dem November-Lockdown. © Michael Nickel (A)

Ihr Team zählt 25 Mitarbeiter, auch Minijobber sind dabei. Seit elf Jahren ist sie hier die Gastgeberin, hat viele Stammgäste. Und die möchte sie auch im Lockdown mit einem wechselnden Speiseangebot zum Abholen verwöhnen. Für die Zeit danach möchte sie zwei Pagodenzelte aufstellen, die auch schon beim Ordnungsamt beantragt sind.

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Gäste sitzen draußen unter einer Decke

Nur wenige Meter entfernt sitzen auch beim „Extrablatt“ die Gäste unter einer Decke oder haben drinnen Platz genommen. Am Samstagmorgen sind bei 18 Grad nahezu alle Tische besetzt. Für Geschäftsführer Peci Visar war der Lockdown natürlich ein Schock. „Klar, es trifft mich hart. Aber ich finde es richtig. Das, was sein muss, werden wir tun.“ Er arbeitet mit 25 jungen Frauen und Männern zusammen, für die jetzt auch eine Lösung gefunden werden muss. „Bei uns in Dorsten ist es immer eine schöne Atmosphäre, die Gäste werden mir fehlen und hoffentlich wir auch den Gästen.“

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Noch ein Besuch in der Taverna Angelos an der Gahlener Straße: Inhaber Angelos Papazissis und seine Frau Lisa gehen am Freitagabend von Tisch zu Tisch und verabschieden sich von ihren Gästen. Anscheinend hatten viele das Gefühl, noch einmal Tschüss sagen zu müssen. „Der zweite Lockdown wird uns wehtun. Wir müssen erst schauen, ob die To-go-Geschäfte für uns noch rentabel sind“, sagt Lisa Papazissis. „Die noch vorhandenen Reste in den Vorräten kochen wir ein, sie gehen dann in den Vorrat für die Zeit danach.“ Für die Angestellten möchten die beiden übergangsweise einen Job finden. „Wir haben die Kontakte und hoffen auf Zusagen.“

Angelos und Lisa Papazissis, hier ein Archivfoto, haben sich am Wochenende von vielen Stammgästen verabschiedet.

Angelos und Lisa Papazissis, hier ein Archivfoto, haben sich am Wochenende von vielen Stammgästen verabschiedet. © Wirtz Design

Alle Gäste haben reserviert

Eigentlich ein Publikumsmagnet, das Creativ-Quartier Fürst Leopold: Es ist 19.30 Uhr, man trifft sich draußen in kleinen Gruppen. Natürlich haben alle reserviert. Ob Mezzomar, Factory oder das Dali, die Gäste werden zunächst am Empfang begrüßt und dann zu ihren Tischen geführt. „Wir kommen aus Kamen, wollten unbedingt noch vor dem Lockdown das Factory kennenlernen. Wer weiß, wann wir das wieder können.“ Das junge Paar hatte den Restaurant-Tipp von einem Arbeitskollegen erhalten, sich noch einmal im Internet kundig gemacht und ist mit Mutter ins 60 Kilometer entfernte Dorsten gefahren.

Schon das Lichtspiel auf dem Vorplatz sowie das gesamte Ambiente machen Vorfreude auf den Abend.

Schon das schöne Lichtspiel an der Factory stimmte die Besucher aus Kamen auf ihren Besuch ein.

Schon das schöne Lichtspiel an der Factory stimmte die Besucher aus Kamen auf ihren Besuch ein. © Maria Dehling

Ein Blick in die Trattoria Sardegna in Lembeck: „Ich bin sehr beruhigt, dass ich in Deutschland lebe und hier meine Trattoria habe. Diese staatliche Hilfe gibt es in Italien nicht, da sieht es zurzeit richtig böse aus.“ Die letzten drei Tage konnten Inhaber Bruno Scroccu und sein Team trotz der Arbeit aber auch genießen, wie er sagt. „Wir hatten gut zu tun, auf Grund der Vorschriften natürlich etappenweise. Die Gäste wollten sich von uns verabschieden, immer wieder hörte ich: ‚Bruno Du schaffst es, halt durch‘, das tat mir und auch dem ganzen Team gut.“ Die Mannschaft bleibt vor Ort und ist auch im Lockdown light für seine Gäste da, wenn auch nur im Liefer- und Abholservice.

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