Vier Corona-Patienten werden in den KKRN-Häusern intensivmedizinisch betreut (Stand 18. November). Aber die Lage könnte sich in den nächsten Wochen deutlich verschärfen. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Corona-Notlage: Krankenhaus-Verbund spricht von „latenter Triage“

Noch ist die Corona-Situation in den Krankenhäusern der Region nicht dramatisch. Doch die Notfallpläne liegen bereit. Sogar von einer „latenten Triage“ ist die Rede.

Die Zahl der Corona-Patienten in den vier Krankenhäusern des KKRN-Verbundes steigt. Das bestätigt beispielsweise der Kaufmännische Direktor des St. Elisabeth-Krankenhauses in Dorsten, Guido Bunten. „Noch sind die Corona-Belegungszahlen aus 2020 nicht erreicht, gleichwohl stellen wir eine deutliche Zunahme in den letzten Tagen fest.“

Sollte sich die Lage in nächster Zeit verschärfen, sehen sich die Krankenhäuser in Dorsten, Haltern, Marl und Herten-Westerholt vorbereitet. „Unser betriebsstättenübergreifender Krisenstab kommt mindestens einmal wöchentlich zusammen, um die Lage zu bewerten“, so Bunten. „Derzeit sehen wir uns gut gerüstet, wenn wir noch mehr Corona-Patienten behandeln müssen.“

Noch allerdings sind die Zahlen in der Region vergleichsweise überschaubar. In den vier KKRN-Krankenhäusern wurden am 18. November 23 Covid-19-Patienten behandelt, etwa die Hälfte in Dorsten, weil sich dort die größte Lungenklinik befindet. Vier Patienten mussten zu diesem Zeitpunkt intensivmedizinisch betreut werden, keiner jedoch im St. Elisabeth-Krankenhaus.

Noch werden keine Operationen verschoben

Der Kaufmännische Direktor sieht deshalb aktuell keine Veranlassung, geplante Operationen zu verschieben, wie es im vergangenen Jahr zwischenzeitlich der Fall war, schränkt aber ein: „Bei einer Zuspitzung der Lage könnten wir innerhalb kürzester Zeit das elektive Programm herunterfahren.“

Das sieht ein Notfallplan vor, der für alle KKRN-Häuser identisch ist. Bunten spricht sogar von einer „latenten Triage, wenn man OPs verlegen muss oder auch die Intensivstationen bei den Kreisleitstellen abmelden muss, wenn keine Aufnahmemöglichkeiten mehr bestehen“. Der Kaufmännische Direktor hofft mit seinen Kolleginnen und Kollegen, „dass niemals eine Entscheidung getroffen werden muss, welcher Patient nun an ein freies Beatmungsgerät kommt“.

Triage ist ein aus der Militärmedizin stammender Begriff für die – ethisch schwierige – Aufgabe, etwa bei einem Massenanfall von Verletzten oder anderweitig Erkrankten darüber zu entscheiden, wie die knappen personellen und materiellen Ressourcen aufzuteilen sind. „Eine direkte Triage hat es im Bereich der KKRN GmbH zum Glück noch nie gegeben“, betont Bunten.

Vor der Zentralen Aufnahme des St. Elisabeth-Krankenhauses macht am kommendem Montag (15.5.) in der Zeit von 10 bis 16 Uhr der rote Doppeldeckerbus der Deutschen Schlaganfall-Hilfe Halt. Chefarzt Dr. Marco Michels (r.) und Prokurist Guido Bunten hoffen, dass viele Interessierte die Möglichkeit nutzen, sich dort rund um das Thema Schlaganfall und Diabetes zu informieren. © Anke Klapsing-Reich (Archiv) © Anke Klapsing-Reich (Archiv)

Dass geplante Operationen in Dorsten und den anderen KKRN-Häusern verschoben werden müssen, mag der Kaufmännische Direktor nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres hingegen nicht ausschließen. Leidtragende seien dann Patienten, die zum Teil schon länger auf einen wichtigen Eingriff warten. „Das gilt aber nicht für onkologische oder andere dringend notwendige Operationen, die immer durchgeführt werden müssen.“

Die Hoffnung nicht nur der KKRN-Mediziner ruhen in diesen Tagen auf den neuen Impfkampagnen und dass sich noch viele Menschen von einer Impfung überzeugen lassen, damit eine Überlastung der Krankenhäuser verhindert wird.

Nicht nur die steigende Zahl von Corona-Patienten macht den Krankenhäusern zu schaffen. Guido Bunten spricht zusätzlich von einer „angespannten Situation am Arbeitsmarkt, insbesondere im Bereich der Fachpflegekräfte“.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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