Bald sollen flächendeckende Schnell- und Selbsttests dabei helfen, langsam den Lockdown zu verlassen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Corona-Schnell- und Selbsttests

Corona-Selbsttests ab Samstag im Handel, noch ist vieles unklar

Bald soll jeder Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest in der Woche haben, Selbsttests werden bald im Laden angeboten. Nicht alle Betroffenen durchschauen die Pläne vollständig.

Einer der wichtigsten Bausteine der schrittweisen Lockerungen, die am Mittwoch in Berlin beschlossen wurden, ist der Ausbau des Schnelltest-Angebots. In der Beschlussfassung nach der Konferenz von Bund und Ländern ist unter anderem vorgesehen, dass alle Bürger einen kostenlosen Schnelltest pro Woche machen können. Zudem soll das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten.

Wie das allerdings vor Ort umgesetzt wird, bleibt in den Tagen nach der Entscheidung noch völlig offen. „Wir tun gut daran, abzuwarten, was in der Verordnung des Landes dazu steht“, erklärt Svenja Küchmeister, Pressesprecherin des Kreises Recklinghausen. Wenn diese steht und somit klar ist, was umgesetzt werden muss, werde die Planung beginnen.

Aldi verkauft erste Selbsttests

In einigen Läden werden schon bald Corona-Selbsttests verkauft. Aldi wird in allen Filialen ab Samstag (6. März) Antigen-Schnelltests verkaufen. Die Packung für 25 Euro enthält fünf Tests, für die man einen Nasenabstrich in einer Tiefe von 2,5 Zentimetern vornimmt. Jeder Kunde darf nur eine Packung kaufen. Voraussichtlich ab Dienstag (9. März) sollen auch in den dm-Filialen Corona-Selbsttests erhältlich sein. Noch ist das aber nicht abschließend geklärt.

Beim Schnelltest wird durch geschultes Personal ein tiefer Nasen- oder Rachenabstrich genommen, was nicht ganz einfach und für viele auch nicht so angenehm ist. Die Auswertung ist ähnlich wie bei Schwangerschaftstests: Die Probe kommt auf einen Streifen, der mit einer Verfärbung reagiert. Das Ergebnis soll in 15 bis 20 Minuten da sein. Für die Selbsttests gilt: Es gibt unterschiedliche Tests, bei einigen muss man einen Abstrich vorn in der Nase nehmen, bei anderen ist es ein Spuck- oder Gurgeltest. Sie eignen sich zum Beispiel für Familientreffen, bieten aber nur eine begrenzte Sicherheit.

Apotheker hofft auf Beratung vor dem Test-Verkauf

Simon Nattler, Inhaber der Elisana-Apotheken, wird ab der kommenden Woche auch Selbsttests verkaufen. Er hätte sich vor der Entscheidung eine bessere Kommunikation gewünscht. „Wir Apotheken wissen nicht mehr als alle anderen“, macht er deutlich.

Den Verkauf von Selbsttests in Supermärkten und Drogerien betrachtet er etwas skeptisch. „Der Test ist schon anspruchsvoller als ein Schwangerschafts-Test. Ich hoffe, dass die Supermärkte und Discounter wie auch wir als Apotheke beraten und Aufklärung leisten. Sonst ist das Risiko groß, dass man den Test falsch macht“, befürchtet Simon Nattler.

Apotheker Simon Nattler verkauft auch Selbsttests und würde gerne kostenlose Schnelltests durchführen. © privat © privat

Wenn es die rechtlichen und räumlichen Rahmenbedingungen zulassen, würde er auch gern kostenlose Schnelltests in der Apotheke durchführen. Allerdings seien die Anforderungen in NRW extrem hoch. „Eine Teststraße darf man in der Apotheke nicht aufbauen, aber außerhalb, etwa in Zelten, ist es auch nicht erlaubt“, erläutert der Apotheker. Er hofft auf eine unbürokratische Entscheidung.

Schulleiter erwartet keine zeitnahe Umsetzung

Hermann Twittenhoff, Leiter der Gesamtschule Wulfen, erwartet nicht unbedingt eine zeitnahe Umsetzung der Schnelltest-Maßnahmen. „Das wird auf jeden Fall bis Ende März dauern. Unsere Schule bräuchte im Monat über 6.000 Schnelltests“, rechnet er vor. Wie das logistisch funktionieren soll, sei ihm unklar: „Ich halte es für sinnvoll, umfangreich zu testen. Aber es muss klar kommuniziert werden, wie das klappen soll. “

Derzeit befinden sich die Schüler der Abschlussklassen im tageweisen Wechselunterricht. „Wenn wir wöchentliche Tests haben, müssten wir wöchentlich wechseln“, überlegt Hermann Twittenhoff. Was passiert, wenn weitere Jahrgänge zurückkehren, müsse auch bedacht werden.

„Das ist der richtige Weg, um schneller auf Infektionen aufmerksam zu werden“, findet Melanie Frinken, Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Schule. Allerdings müsse geklärt werden, wie die Tests gemacht werden. Sie könne sich zum Beispiel vorstellen, dass die Eltern diesen bereits zu Hause vornehmen. Allerdings betont sie nach einigen Wochen Präsenzunterricht: „Schule ist ein Risikofaktor.“

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