Maskenpflicht: Wer darf in Dorsten „oben ohne“ herumlaufen, wer nicht?

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Rauchende und essende Mitbürger laufen in der Altstadt häufig „oben ohne“ herum. Aber auch Alte und Kranke, die sich ohne Maske im öffentlichen Raum bewegen. Nicht allen ist das erlaubt.

Dorsten

, 21.10.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kommunale Ordnungsdienst hat vor wenigen Tagen eine Dame in der Altstadt angesprochen. Sie war trotz Maskenpflicht ohne Maske unterwegs. Statt einer Maske zückte die Frau ein ärztliches Attest.

Das reichte dem Ordnungsdienst. Er winkte die Frau durch. Sie konnte mit ihrem Attest ihres Dorstener Hausarztes nachweisen, warum sie keinen Mund-Nasen-Schutz tragen soll und welche triftigen medizinischen Gründe bei ihr dagegen sprechen.

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Ein ärztliches Attest ist aber nicht immer eine automatische Befreiung von der Maskenpflicht. Diese Atteste müssen eine individuelle medizinische Diagnose enthalten. Eine Schlüsselnummer für die Erkrankung reicht nicht aus, sagt die Kassenärztliche Vereinigung. Ebenfalls nicht ausreichend sei „eine einfache Kausalität Lungenerkrankungen = unzumutbare Belastung“. Im Übrigen agierten die Ärzte im Verbreitungsgebiet zurückhaltend. Denn: „Die Maske schützt ja auch die chronisch Kranken.“

Ärztliche Sorgfaltspflicht verbietet Ausstellen von Blanko-Attesten

Deutlich unterschieden werden müsse zudem zwischen „einer unzumutbaren psychischen Belastung durch das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und einer subjektiven Befindlichkeitsstörung“. Von der Maskenpflicht befreiende Gründe seien instabile Angina pectoris, eine schwere Herzkrankheit oder Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion. Diese Atteste dürfen übrigens nur Ärzte ausstellen, so die KV. „Das Ausstellen von Blanko-Attesten ohne vorheriges Arzt-Gespräch entsprechen nicht der ärztlichen Sorgfaltspflicht.“

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„Unser KOD schaut hin, welcher Arzt das Attest ausgestellt hat“, sagt Stadtsprecher Christoph Winkel. Beim Attest vom Orthopäden etwa werde nachgeforscht. Bei Kontrollen habe sich zudem gezeigt, dass Fußgänger ohne Masken von sich aus die Ordnungshüter ansteuern: „Sie sagen uns, warum sie keinen MSN tragen und zeigen ihre Bescheinigungen vor.“

Nach dem Zug an der Zigarette: Maske wieder aufsetzen

Es gibt also nur wenige Ausnahmen, die von der Maskenpflicht befreien. Rauchen beim Flanieren in der Fußgängerzone zählt nicht dazu. Rauchen, Essen und Trinken seien zwar grundsätzlich erlaubt, aber noch jedem Zug an der Zigarette, einem Schluck aus einer Flasche oder einem Biss in ein Wurstbrötchen gilt: Die Maske muss Mund und Nase wieder bedecken.

Der KOD asse sich, bei aller Toleranz, nicht an der Nase herumführen. Denn einige wenige suchten die Konfrontation: „Wer sich nicht an die Regeln hält, der muss die Innenstadt verlassen“, sagt Winkel.

So weit kam es bei einer Familie aber nicht. Sie schmauste maskenlos in der Sitzgruppe St. Agatha, als sie vom KOD angesprochen wurde und übte dann widerspruchslos die Essregeln ein: reinbeißen ohne Maske, kauen und schlucken mit Maske.

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