Freude über Gastro-Öffnung, aber: „Ob einen das weiterbringt?“

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Mit Hochdruck arbeiten Dorstens Gastronomen an der Umsetzung der neuen Bestimmungen. Die Freude über die Öffnung an sich ist groß, die Aussichten sind nicht allzu rosig.

Deuten

, 12.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise finden im Haus Hessefort bis zu 120 Personen Platz. Wenn Inhaber Hans-Jürgen Hessefort sein Deutener Restaurant am Freitag (15. Mai) nach der Corona-Zwangspause wieder öffnet, werden wohl nur noch gut 40 einen Sitzplatz bekommen können. „Alles richtig“, meint der Restaurant-Chef. „Wir wollen die Gäste und unsere Angestellten ja nicht gefährden und sind einfach nur froh, dass wir wieder loslegen können.“

Wie so viele andere Dorstener Gastronomen arbeiten auch Hans-Jürgen Hessefort und sein Team seit Tagen mit Hochdruck an der Umsetzung der Vorgaben der Coronaschutzverordnung. Allein für die Gastronomie listet das Land NRW in seinen Hygiene- und Infektionsschutzstandards 17 Regeln auf, die zu beachten sind.

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Im Restaurant müssen unter anderem Gänge gebildet werden, die so breit sind, dass beim Durchgehen 1,50 Meter Abstand zu den an den Tischen sitzenden Personen eingehalten werden kann. Tische sind so anzuordnen, dass die Abstandsregel eingehalten werden kann. Über Gänge und Tischanordnungen müssen Raumskizzen angefertigt und bei Bedarf vorgelegt werden. Gebrauchsgegenstände wie Zahnstocher oder Besteck dürfen nicht offen auf den Tischen stehen. Sämtliche Kontaktflächen wie Stuhl, Tisch, Speisekarte etc. werden nach jedem Gästewechsel desinfiziert.

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„Ans Geldverdienen denken wir gerade nicht“

Bei allem Verständnis für die Maßnahmen sorgt sich Hans-Jürgen Hessefort aber auch ein bisschen ums Ambiente. „Man kann sich schon fragen, ob einen das jetzt wirklich weiterbringt. Wer bei uns essen geht, zahlt für zwei Personen über hundert Euro. Da geht es ja dann nicht nur um das Essen an sich.“ Laminierte Speisekarten und karge Tische ohne Deko seien eben nicht besonders einladend. „Ans Geldverdienen denken wir gerade ohnehin nicht“, so Hessefort. „Wenn wir hinterher die Kosten drin haben, ist das schon okay.“

Wie immer, wenn eine neue Lockerung in Kraft tritt oder eine Regel verschärft wird, verschiebt sich auch der Fokus beim Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). Bürgermeister Tobias Stockhoff kündigte Vor-Ort-Kontrollen in gastronomischen Betrieben an. Überall gleichzeitig können die Kontrolleure ihre Augen natürlich nicht haben. Die Stadt setzt daher auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Das habe etwa bei Verstößen im Einzelhandel gut funktioniert.

„Wir wollen hier unter keinen Umständen neue Fälle schaffen“, betont Hans-Jürgen Hessefort. Das deckt sich mit dem, was Stockhoff in Gesprächen mit Dorstener Gastronomen zugetragen wurde. „Wenn hinterher nachgewiesen wird, dass ein bestimmtes Restaurant ein Corona-Herd war, weil die Bestimmungen nicht eingehalten wurden, wäre das für den Ruf einer solchen Lokalität eine Katastrophe“, so Stockhoff.

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