Fußpflegerin darf nicht öffnen: „Bin weiter weg als jeder Frisör“

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Vor einem Monat musste auch Beate Hoppe ihre Praxis wegen der Coronakrise schließen. Mit Unverständnis nimmt die Fußpflegerin aus Dorsten aktuelle und geplante Lockerungen zur Kenntnis.

Dorsten

, 24.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 23. März steht auch bei Beate Hoppe alles still. Die Dorstener Fußpflegerin musste ihre Praxis am Hellweg wegen der Coronakrise vorübergehend schließen. Wann sie wieder öffnen darf, ist aktuell völlig unklar - anders als etwa bei Frisören, die wohl am 4. Mai wieder Kunden empfangen dürfen.

„Ich bin weiter vom Kunden weg als jeder Frisör“, sagt Beate Hoppe. Und sie könne in ihrer Praxis wesentlich bessere Vorsorgemaßnahmen treffen. Auch vor der Coronakrise sei es selbstverständlich gewesen, dass der Arbeitsbereich, insbesondere der Behandlungsstuhl, ständig desinfiziert werde. Scheren, Fräser und anderes Werkzeug werden nicht nur desinfiziert, sondern auch sterilisiert.

Zusätzlich hat Beate Hoppe noch einen Hand-Desinfektionsspender angeschafft und die Abläufe so verändert, dass Kunden in ihrer Praxis nicht miteinander in Kontakt kommen. Für sich hat sie Einmal-Handschuhe und medizinischen Mundschutz besorgt, die Empfangstheke ist mit einem Spuckschutz ausgestattet.

Spuckschutz auf Behandlungsstuhl

Kunden müssten auch einen Mundschutz tragen, der - falls nicht vorhanden - in der Praxis zum Selbstkostenpreis gekauft werden kann. Um noch eine Barriere zwischen ihrem und den Köpfen der Kunden zu schaffen, hat Beate Hoppe einen weiteren Spuckschutz besorgt, der so breit ist wie der Behandlungsstuhl und quer über die Beine des Kunden verläuft.

Um kosmetische Pflege oder Wellness-Massagen, die Beate Hoppe auch anbietet, geht ihr es dabei gar nicht, sondern um medizinische Fußpflege. „Wachsende Fußnägel sind weniger ein optisches Problem, sondern können auch gesundheitliche Folgen haben, wie zum Beispiel eingewachsene Nägel, Schmerzen, Entzündungen etc.“, so Hoppe. Es hätten schon Kunden angerufen, die nicht mehr laufen und sich selbst aus unterschiedlichen Gründen nicht um ihre Fußnägel kümmern könnten.

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Laut Bundesregierung gehört der Gang zum Frisör „für weite Teile der Bevölkerung zum Grundbedarf“. Vorerst geschlossen bleiben dagegen „Dienstleistungsbetriebe im Bereich der nichtmedizinischen Körperpflege wie Nagelstudios oder Massagesalons, in denen ein Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann.“

Podologen dürfen weiter behandeln

Medizinisch notwendige Behandlungen - auch in der Fußpflege - sind ausdrücklich davon ausgenommen. Podologen dürfen also Patienten behandeln, sofern diese eine Überweisung vom Hausarzt vorlegen können.

„Podologe“ oder „Medizinischer Fußpfleger“ sind seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2002 geschützte Berufsbezeichnungen. In einer Übergangszeit konnten Fußpfleger entsprechende Zusatzqualifikationen erwerben. Wer das nicht tat und sich wie Beate Hoppe in den Jahren vor der Gesetzesänderung in der medizinischen Fußpflege hat ausbilden lassen, darf sich heutzutage nur noch „Fußpfleger“ nennen - und seine Praxis aktuell nicht öffnen.

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Als Verwaltung könne man da auch nichts machen, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff. „Wir haben ganz eindeutige Auslegungshinweise vom Gesundheitsministerium bekommen, wo explizit drinsteht, dass nur medizinische Fußpflege zugelassen ist.“ Die Stadt Mülheim an der Ruhr beispielsweise erlaubt aktuell auch jenen Fußpflegern, ihrer Arbeit nachzugehen, die vor 2002 ihre Ausbildung in der medizinischen Fußpflege gemacht haben.

Beate Hoppe hofft, dass es bald weitergeht in ihrer Praxis. Immerhin hat es mit der Soforthilfe problemlos geklappt, ein kleiner Lichtblick in schweren Zeiten. „Das war nach zwei, drei Tagen über die Bühne.“

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