Coronavirus: Gräflicher Forst in Lembeck sichert Klopapier-Nachschub

hzCoronavirus

Viele Kunden sind von der Rolle, weil sie keine mehr bekommen: Nie war Klopapier so wertvoll wie heute. Was wenige Dorstener wissen: Den Rohstoff liefert der gräfliche Forst in Lembeck.

Dorsten, Lembeck

, 07.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Herstellung von Toilettenpapier ist heikel, zumal in diesen schwierigen Zeiten. Die Produzenten können gar nicht so schnell ihre Geschäfte abwickeln, wie der Hygieneartikel in den Supermärkten wieder vergriffen ist. Klopapier basiert auf einem Rohstoff aus der freien Natur: dem Zellstoff. Der wird aus Baumstämmen gewonnen, zum Beispiel aus dem gräflichen Forst in Dorsten-Lembeck.

Martin Böckenhoff, Forstverwalter in Lembeck, sagt: „Wir liefern unser Nadelindustrieholz zur Weiterverarbeitung nach Stendal.“ Das Holz aus dem Wald des Grafen von Merveldt wird natürlich nicht allein auf die Reise geschickt. RVR und weitere Forstbesitzer in der Haard bestücken den Güterzug mit ihrem Holz: „Das sind in der Regel 2000 Raummeter, die auf die Reise gehen, also etwa 20 Güterwaggons voll.“

Kiefer, Fichte und Birken liefern den Rohstoff

Für die Zellstoffherstellung, dem Rohstoff des Toilettenpapiers, sind Kiefern, Fichten und Birken gut geeignet. Laut „Geolino“ werden verschiedene Zellstoff-Fasern zusammengemischt, um den Qualitätsansprüchen der Deutschen zu genügen. Gerne werde auch auf Eukalyptus-Bäume zurückgegriffen: „Die machen das Papier flauschig.“

Jetzt lesen

Der Lembecker Forstverwalter Martin Böckenhoff weist darauf hin, dass der Wald in den vergangenen Jahren aufgrund von anhaltender Trockenheit und Schädlingsbefall stark zu leiden hatte. „Das mit Abstand größte Schadholzaufkommen hatte bis zum Spätsommer 2019 Nordrhein-Westfalen mit 16,1 Mio. Kubikmeter zu bewältigen. Nordrhein-Westfalen ist mit 68.000 Hektar auch das flächenmäßig am stärksten von Waldschäden betroffene Bundesland“, so Böckenhoff. Das habe der Wald in Lembeck auch zu spüren bekommen.

Am Lembecker Forst scheitert der Nachschub nicht

Die Holzversorgung der Industrie sei aber nach wie vor „sehr gut“. „An uns soll es nicht scheitern, dass die Nadelholzindustrie Not leidet“, meint Böckenhoff augenzwinkernd und im Hinblick auf die Toilettenpapierproduktion. Es werde „rund um die Uhr“ hergestellt, teilten verschiedene Betriebe in Deutschland den Medien mit. Dass die Rollen so schnell vergriffen sind, sei ein „logistisches Problem“, hieß es auch.

Arbeitslos werden die Mitarbeiter in der Forstwirtschaft so oder so nicht, sagt Martin Böckenhoff. „Der Wald schafft viele Arbeitsplätze, vom Förster über den Waldarbeiter, den Forstmaschinenführer und LKW-Fahrer bis zu den Arbeitsplätzen in den nachfolgenden Industrien, dem sogenannten Cluster Forst und Holz, sind bundesweit über 1,1 Millionen Menschen beschäftigt. Hierzu zählen beispielsweise Sägewerke, Möbelindustrie, Zimmereien, Tischlereien und auch Zellstoffwerke“ - womit sich der Kreis zum Klopapier wieder schließt.

Lesen Sie jetzt