Die Grippeschutzimpfung ist in dieser Saison sehr gefragt. © picture alliance/dpa
Grippesaison

Coronavirus: Hohe Nachfrage nach Grippeschutzimpfung

Die Angst vor Covid-19 lässt Impfmuffel offenbar umdenken. In Dorsten ist die Nachfrage nach der Grippeschutzimpfung höher als üblich. Sollten sich jetzt alle impfen lassen?

Die Grippesaison startet laut Robert-Koch-Institut (RKI) in unseren Breitengraden Anfang Oktober. Schon Anfang September lieferten Grippeimpfstoffhersteller die ersten Impfdosen an Apotheken und Großhändler aus. Sah die Impfbereitschaft in den vergangenen Jahren eher mau aus, wollen sich dieses Mal offenbar mehr Menschen impfen lassen.

Bereitschaft zum Impfen ist hoch

Birgit Tillenburg ist Ärztin in Dorsten und erlebt in der Gemeinschaftspraxis an der Recklinghäuser Straße, dass die Nachfrage deutlich höher ist als in den vergangenen Jahren. Schon jetzt würde gegen die Influenza geimpft. „Der ideale Zeitpunkt ist eigentlich die zweite Oktoberhälfte, weil die perfekte Wirkung fünf Monate andauert“, erklärt Tillenburg. Dieser Zeitraum würde sich dann mit der üblichen Dauer der Grippewelle decken.

Trotzdem ist sie froh über die Impfbereitschaft der Dorstener: „Impfen ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen, um sich zu schützen.“ Nicht bloß die neue Grippeschutzimpfung sei beliebt, sondern auch die gegen die bakterielle Lungenentzündung (Pneumokokken-Impfung).

Diese Risikogruppen sollten sich impfen lassen

Die Ärztin nimmt an, dass die hohe Nachfrage mit dem Coronavirus zu tun hat und spricht von einer „allgemeinen Verunsicherung“. Aus medizinscher Sicht sei eine Impfung gegen die Grippe sinnvoll, um eine „Simultaninfektion“ zu vermeiden. Damit meint die Expertin eine Erkrankung an Influenza und zeitgleich eine Infektion mit SARS-CoV-2.

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht, stattdessen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) diesen Risikogruppen, sich impfen zu lassen: Menschen ab 60 Jahren, solche mit chronischen Grunderkrankungen, Schwangere, Bewohner in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches Personal und Menschen, die im beruflichen Rahmen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind – damit sind berufliche Kontexte mit umfangreichem Publikumsverkehr gemeint und Personen, die durch eine mögliche Infektion andere Risikopersonen gefährden könnten.

Impfquote in der vergangenen Jahren viel zu niedrig

In der Grippesaison 2016/17 ließen sich bundesweit nur 35 Prozent der Personen ab 60 Jahren impfen. Eine viel zu niedrige Impfquote, wenn man die Zielvorgaben der Europäischen Union betrachtet. Danach sollten 75 Prozent der älteren Menschen gegen die Influenza geimpft sein.

Nun zeichnet sich ein neuer Trend ab. Das Paul-Ehrlich-Institut meldete vergangene Woche, dass das Gesundheitsministerium zusätzliche 6 Millionen Dosen des Influenza-Impfstoffes geordert habe.

Dr. Hans-Ulrich Foertsch ist Vorsitzender des Verwaltungsbezirks Recklinghausen der Ärztekammer Westfalen-Lippe © Sonja Kostersitz (A) © Sonja Kostersitz (A)

Ob es dennoch einen Engpass geben könnte, wagt Hans-Ulrich Foertsch, Vorsitzender des Verwaltungsbezirks Recklinghausen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL), nicht zu prognostizieren: Ende November, Dezember könne man darüber eine handfestere Aussage treffen. Birgit Tillenburg meint: „Prinzipiell wird der Impfstoff nicht für die gesamte Bevölkerung reichen.“ Sie rät deshalb: „Risikogruppen sollten sich definitiv impfen lassen.“

Pneumokokken-Impfstoff nur noch für Risikogruppe

Mithin gehen die Impfdosen gegen Pneumokokken offenbar zur Neige. Das RKI erklärt auf seiner Internetseite, dass „Pneumovax 23“ eingeschränkt verfügbar sei und deshalb nur folgende Personenkreise den Impfstoff erhalten sollten: Personen ab 70 Jahren, Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten und Patienten mit chronischen Erkrankungen des Herzens oder der Atmungsorgane. Laut Paul-Ehrlich-Institut wird die Impfung voraussichtlich Ende Januar 2021 wieder lieferbar sein.

Übrigens: Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten der Grippeschutzimpfung.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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